Dienstag, Januar 27, 2026

Erinnern heißt Handeln: Schüler aus Werne setzen Zeichen der Erinnerung

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Werne. Immer wieder taucht die leidige Debatte auf, ob es mit der Erinnerung an Auschwitz nicht endlich gut sei. Eine klare Absage erteilten junge Menschen aus Werne dieser Frage am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus: Diese Gräueltaten dürfen nie in Vergessenheit geraten. So lautete die entschiedene Botschaft einer Ausstellung der WEREmember-AG des Anne-Frank-Gymnasiums und eines Kurzfilms von Schülerinnen und Schülern der Marga-Spiegel-Schule.

Zwei Namen, deren Erbe sich die Jugendlichen verpflichtet fühlen: Anne Frank und Marga Spiegel gehörten als Jüdinnen zu den Verfolgten des NS-Regimes. Die eine wurde im KZ Bergen-Belsen ermordet, die andere überlebte, dank münsterländischer Bauernfamilien, die sie versteckt hielten.

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Mit solchen Schicksalen muss sich die Gegenwart auseinandersetzten. Wie, das zeigen sechs Schülerinnen der AG des Anne-Frank-Gymnasiums im Stadtmuseum Werne. In „mühevoller Kleinarbeit“, wie AG-Leiter Johannes-Joachim Brysch hervorhob, hatten sie Informationen zu Gedenktagen in Werne zusammengestellt. Jede Station im Obergeschoss des Museums steht für eine andere Form, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Bürgermeister Lars Hübchen nutzte als einer der ersten Besucher die Mitmachwand. Hier konnten die Besucher aufschreiben, in welcher Form sie gedachten. Foto: Schwarze

Angefangen mit dem Volkstrauertag, dessen Ursprünge heute wenig präsent sind: Er sollte angesichts der unzähligen Toten des Ersten Weltkriegs einer Versöhnung über den Gräbern dienen.

Weitere Infotafeln widmen sich der Pogromnacht in Werne – samt Fotos von mit Hakenkreuzfahnen geschmückten Straßenzügen. „Alle Texte und das Layout stammen von den Schülerinnen“, teilte Brysch mit. Seit September hätten sich Victoria Friz, Evelyn Markert, Ylva Sophie Frank, Charlotte Menzel, Lia Bilitz und Sofja Reinhardt mit dem Thema befasst. Noch früher waren die Schülerinnen mit dem Wunsch an ihren Lehrer herangetreten, am Gedenktag eine Ausstellung zu konzipieren. „Wir möchten Aufmerksamkeit erregen und die Leute nachhaltig informieren“, erklärten sie. Nachhaltiger, als es bei Aktionen auf dem Markt oder Kirchplatz wie in den vergangenen Jahren möglich sei. Museumsleiter Flemming Feß wurde schnell für das Projekt gewonnen. „Die AG hatte tolle Ideen, wie sie die Ausstellung gestalten wollten.“

Konzipierten die Ausstellung zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus im Stadtmuseum: Victoria Friz, Evelyn Markert, Ylva Sophie Franke, Charlotte Menzel, Lia Bilitz und Sofja Reinhardt (von links). Foto: Schwarze

Die Eröffnung am Gedenktag, dem 27. Januar 2026, erhielt die öffentliche Aufmerksamkeit, die sie verdient. Bürgerinnen und Bürger drängten sich ebenso wie Vertreter aus Politik und Verwaltung an den Stellwänden. „Wer schon einmal ein KZ besucht hat, bleibt sprach- und fassungslos zurück“, sagte Bürgermeister Lars Hübchen, der als Schüler das Lager Bergen-Belsen gesehen hatte. Mit den Aktionen der Schülerinnen und Schüler in Werne „kommen wir ein Stück weit aus dieser Sprachlosigkeit heraus.“ Dazu trugen bereits jene Schülergruppen bei, die am Morgen die Stolpersteine in Werne gesäubert und mit Rosen und Laternen geschmückt hatten. 

Gespannt warteten Leonie Räker (links) und Alia Krause darauf, ihren Film über ihre Erfahrungen in Auschwitz zu präsentieren. Foto: Schwarze
Gespannt warteten Leonie Räker (links) und Alia Krause darauf, ihren Film über ihre Erfahrungen in Auschwitz zu präsentieren. Foto: Schwarze

Voll besetzt war auch jeder Platz in der Westfälischen Stube, als im Anschluss zwei Schülerinnen der Marga-Spiegel-Schule einen Film über ihren Besuch in Auschwitz zeigten. Alia Krause und Leonie Räker hatten sich 2025 freiwillig für die jedes Jahr stattfindende Fahrt gemeldet. Sie wollten „in echt“ sehen, was sie im Unterricht schon so beschäftigt hatte.

Werne nahm regen Anteil an den Aktionen der jungen Menschen zur Erinnerung an die Gräueltaten der Nationalsozialisten. Foto: Schwarze

In ihrem Film erlebten die Besucher den Schrecken des Konzentrationslagers durch die Augen junger Menschen. Krause, Räker und ihre Mitschüler erzählten von ihren Eindrücken, von jenen Dingen, die sie besonders berührt hätten. Von Kinderzeichnungen, die im Lager unter dem Eindruck der Todesgefahr entstanden waren. Von einem Jungen, der sich mit seiner Mutter gestritten hatte, kurz bevor sie in der Gaskammer umkam. Geschichten, die immer wieder erzählt werden müssen. Denn, was Leonie Räker am meisten schockierte, war die Tatsache, „dass ein Mann Millionen töten ließ, weil sie ihm nicht gepasst hatten.“

Die Gedenkveranstaltung in der Westfälischen Stube war gut besucht. Foto: Schwarze
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