Werne. „Früher musste man ins Casino gehen, heute greift man in seine Hosentasche.“ Den Vergleich fand David griffig. Gehört hatte ihn der Oberstufenschüler bei einem Workshop für die Schüler-Medienscouts des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG).
Am Mittwoch (15. April 2026) gab David zusammen mit anderen Medienscouts sein Wissen an Mitschülerinnen und Mitschüler aus der Jahrgangsstufe 7 weiter – und zwar im Rahmen einer Medienmesse mit verschiedenen Mitmachstationen im Pausenzentrum der Schule. Bei diesen „Gamedays“ konnten die jungen Nutzer ihren Umgang mit digitalen Spielen und sozialen Medien spielerisch beobachten und reflektieren.
„Social Media verwenden Glücksspielmechanismen“, erklärte Lotta Krickel einer Schülergruppe vor Beginn eines Durchlaufs. „Sie wollen, dass ihr entweder eure Zeit oder euer Geld investiert.“ Krickel gehört zum Team von Gameshift NRW, einem landesweiten Bildungsprojekt, das Jugendliche, Lehrkräfte, Eltern und pädagogisches Fachpersonal im Umgang mit digitalen Lebenswelten unterstützt. „Betreiber von Game-Apps oder Social-Media-Plattformen hacken unsere Gehirne“, warnte sie. Mit bestimmten Mechanismen – Dark Patterns genannt – kurbeln sie das Belohnungssystem an. „Das ist bei Kindern und Jugendlichen schon voll ausgebildet, anders als das Kontrollzentrum im Frontallappen.“ Daher seien Kinder und Jugendliche anfälliger für die manipulativen Muster. Trotzdem können auch Erwachsene süchtig werden.

Vor solchem Suchtverhalten wollen David und sein Mitschüler Fynn warnen. „Man muss sich immer bewusst machen: Die Betreiber machen die Inhalte nicht für uns, sondern für sich – damit wir zum Konsum angeregt werden“, erklärt Fynn. Die Medienscouts informieren bereits die fünften Klassen darüber, dass das Internet nicht wirklich sicher ist. Von Kindersicherungen hält David allerdings nichts. „Es gibt immer Wege, diese zu umgehen.“ Man müsse sich selbst der Problematik bewusst werden.

Ziel der Prävention sei es nicht, Kinder und Jugendliche von der Nutzung digitaler Inhalte abzuhalten, sagt Lotta Krickel. „Wir wollen, dass ihr die Kontrolle behaltet.“ Das aktuell in der Bundespolitik diskutierte Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige sieht sie kritisch. „Letztlich schiebt das die Verantwortung wieder den Nutzern zu, die sich an das Verbot halten müssen.“ Sinnvoller seien alternative Angebote. Orte in Städten oder Schulen, an denen Kinder und Jugendliche kreativ werden und mit anderen zusammenkommen können. „Wenn das fehlt, greifen sie halt zu dem, was in der Hosentasche steckt.“
Weitere Informationen zum Präventionsprojekt Gameshift NRW sowie Tipps und Angebote für Eltern und Lehrkräfte gibt es hier: https://gameshift.nrw/ueber-uns/





















