Montag, Januar 12, 2026

Authentisches Glaubenszeugnis nach außen tragen

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Werne. Fast wären ihm die Füße verfroren, als er vor 44 Jahren als junger Novize auf dem Werner Marktplatz Lebensmittel für den Hungerwinter in Polen sammelte. Jetzt kehrt Bruder Laurentius Wenk als neuer Guardian ins Kapuzinerkloster zurück.

WERNEplus-Redakteurin und Historikerin Dr. Anke Barbara Schwarze sprach mit ihm über seine Erinnerungen, seine Pläne für die kommende Zeit und die franziskanische Spiritualität.

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Bruder Laurentius, Sie waren bereits als Novize im Kloster Werne. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dieser Zeit?

Die Stadt ist natürlich völlig anders als vor 44 Jahren. Was mir als Novize sehr gefallen hat, war die Arbeit im Klostergarten. Ich bin auf einem Bauernhof in Oberschwaben aufgewachsen und Bewegung in der Natur ist mir sehr wichtig. Wir Novizen durften immer mal ins Solebad. Ich bin gespannt darauf, da hat sich ja viel verändert. Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass es immer noch das Kino gibt. Auch das durften wir Novizen zweimal besuchen.

Eine schöne Erinnerung verbinde ich mit der Konditorei Telgmann. Wir hatten damals einen älteren Mitbruder, der gekocht hat. Alle Novizen hatten Probleme mit seinem Essen. Wenn ich dann Einkaufsdienst hatte und zu Telgmann ging, fragte mich Frau Telgmann: Laurentius, was kann ich denn Gutes für dich tun? Das hat uns kulinarisch aufgerüstet.

Während meiner Zeit in Werne gab es um die Jahreswende 1981/1982 einen Hungerwinter in Polen. Wir Novizen haben uns mit dem Kloster-Bulli auf den Marktplatz gestellt und Lebensmittel gesammelt. Ich trug damals nur Halbschuhe und so sind mir die Füße fast verfroren. Ich ging zu einer Ärztin in Werne – einer sehr energischen Frau –, die mir erstmal eine Bußpredigt hielt. Wir seien nicht mehr im Mittelalter, heutzutage würde man im Winter warme Stiefel anziehen, sagte sie. Immerhin, sie gab mir dann ein Badesalz für ein heißes Fußbad mit, das geholfen hat.

Im Gedächtnis blieb mir die große Verbundenheit der Menschen hier mit dem Kloster. Auf dem Rückweg von einer Novizenwoche bei Würzburg schoss auf einmal eine Stichflamme aus dem Hinterrad. Wir brachten uns in Sicherheit und mussten zusehen, wie der gesamte Bulli samt unserer Kleidung verbrannte. Am nächsten Tag berichteten beide Werner Zeitungen über den Brand. Die Zechenverwaltung stellte uns einen neuen Bulli zur Verfügung und die Bekleidungskaufhäuser in Werne einen Rabatt. Wir spürten auf jeden Fall: Werne hat mit uns gebibbert.

Br. Laurentius bei der Messe zur Einführung der neuen Brüder im Kapuzinerkloster.

In der Messe zu Verabschiedung von Pater Harald haben Sie ebenfalls die enge Beziehung zwischen Kloster und Stadt angesprochen. Inwieweit spielte das eine Rolle bei Ihrer Entscheidung, die Leitung des Werner Konvents zu übernehmen?

In den vergangenen 20 Jahren war ich an verschiedenen Orten immer in der Leitungsverantwortung. Dabei geht es nicht nur darum, sich um die Brüder und die Seelsorge zu kümmern, sondern auch um Administration, Finanzen, Renovierungen, Fundraising. Dazu müssen Dienste abgedeckt werden, etwa an der Pforte oder im Klostergarten. Zu hören, dass sich in Werne viele Ehrenamtliche für das Kloster engagieren, etwa an der Pforte oder im Garten, war für mich ein Grund, noch einmal in die Leitung zu gehen. Denn es bedeutet für mich mit meinen 67 Jahren eine enorme Entlastung. Und die Bürgerschaft ist hier so eng mit dem Kloster verbunden, dass sie auch bei größeren finanziellen Aufwendungen wie Renovierungen viel übernimmt.

Welche Schwerpunkte möchten Sie als Guardian in Werne setzen?

Auf jeden Fall möchte ich für eine gute Atmosphäre im Haus sorgen, damit wir als geistliche Gemeinschaft ein frohes und authentisches Glaubenszeugnis nach außen tragen. Ich glaube, es tut den Menschen gut zu wissen, dass es hier in der Stadt eine Gemeinschaft gibt, die ihren Glauben lebt.

Wir sind jetzt neun Brüder im Konvent, dazu kommen zwei, die in Werner Pflegeheimen leben. Die älteren und pflegebedürftigen Brüder sollen sich hier aufgehoben fühlen und sich einbringen dürfen, wo sie es noch können und wollen. Alle Brüder haben ja ihr Leben lang gearbeitet, da ist es wichtig, sich in der Gemeinschaft noch gebraucht zu fühlen. Alt werden – das ist schwierig. Es bedeutet, loszulassen. Trotzdem muss man sich bewusst machen: Ich darf auch noch Freude haben – an schöner Natur, an gutem Essen, an Ausflügen. Dafür zu sorgen halte ich für sehr wichtig.

Zu den Ehrenamtlichen und zur Pfarrei möchte ich gute Beziehungen pflegen. Auch die Pfarreien ringsum möchte ich unterstützen, wenn Hilfe gebraucht wird. Mit mir, Bruder Romuald und Bruder Jürgen Maria sind ja drei weitere Priester ins Werner Kloster gekommen.

Ortswechsel gehören zum franziskanischen Ordenslebens. Was macht für Sie außerdem die franziskanische Spiritualität aus?

Jesus in einem einfachen authentischen Leben nachzufolgen. Armut, das bedeutet nicht nur einen einfachen Lebensstil zu pflegen, sondern auch, meine persönlichen Bedürfnisse auf die Gemeinschaft der Brüder und der Welt abzustimmen. Franziskus besaß eine ausgeprägte Beziehung zur Schöpfung. Dieser Geschwisterlichkeit zu allen Geschöpfen fühle ich mich verpflichtet. So, wie es Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato Si“ ausgedrückt hat: in Sorge um die Bewahrung der Schöpfung und im Hinblick auf eine gerechtere Verteilung der Güter.

Eigentum verpflichtet! Wenn in Münster, dem größten Kapuzinerkloster in Deutschland, zwei Drittel der Räume leer stehen, kann ich das nicht verantworten. Wir haben sie für Studenten freigegeben, die keine Wohnung gefunden haben. Wenn wir als Gemeinschaft das Armutsideal des Franziskus leben, erfüllen wir eine prophetische Aufgabe. Das hat eine Wirkung.

Daher wollen wir auch keinen Anteil an der Kirchensteuer. Wir sind gern katholisch, aber unser Orden hat ein eigenes Charisma. Das wollen wir als franziskanische Gemeinschaft mit einer gewissen Unabhängigkeit vom Bistum leben. Das hat eine eigene Qualität und ist mit ein Grund dafür, dass die Menschen hier so zum Kloster stehen.

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