Feines Gespür: Mit Musik Hoffnung auf Heilung wecken

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Werne. Gemessen an den coronabedingten Abstandsregeln fand am Sonntag in der Martin-Luther-Kirche ein Konzert vor vollem Haus statt. Mehr als 50 Personen waren gekommen, um die Sopranistin Dagmar Borowski-Wensing und ihren Mann Dr. Hans-Joachim Wensing an der Orgel und am Piano zu hören. Das Kirchenmusiker-Duo interpretierte Werke aus Barock, Klassik und Romantik mit einem Gespür für feine Stimmungen – und bisweilen mit einem Augenzwinkern.

Das zeigte sich schon beim Blick ins Programm. „Es ist genug“: Mit diesem musikalischen Stoßseufzer von Bach eröffnete Dagmar Borowski-Wensing den kurzweiligen Liederabend. Und sprach damit sicher so manchem Zuhörenden aus dem Herzen. „Wir alle sehnen uns ja etwas mehr Freiheit zurück“, sagte die Sopranistin bei ihrer Anmoderation mit Blick auf die seit Monaten andauernde Coronapandemie.

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Der Titel der Mozart-Arie „Ich weiß ein Mittel“ mochte Hoffnung auf Heilung wecken. Doch die pfiffige Zerlina aus der Oper „Don Giovanni“ hat es mit diesen Worten eher auf Verführung abgesehen. Borowski-Wensing formulierte das kokett und mit frechen Trillern und Koloraturen. Am Piano unterstrich ihr Mann das pulsierende Herzklopfen der Arie.

Eine weitere Mozart-Arie nahm, zumindest einem Wortlaut nach, Bezug zur aktuellen Situation: „Tu virginum corona“. Das Stück aus der Motette „Exsultate, jubilate“ hat jedoch nichts mit einem Virus zu tun, sondern besingt Maria, die „Krone der Jungfrauen“. Borowski-Wensing intonierte die eleganten Tonfolgen mit gelassener Zuversicht und dramaturgischen Momenten des Innehaltens.

Innig und ein wenig verträumt modulierte die Sopranistin eine der wohl berühmtesten Händel-Arien, „Lascia ch’ío pianga“. Die weichen Melodiebögen dieses Klagelieds aus der Oper Rinaldo ließ sie aufblühen, ohne es an Prägnanz missen zu lassen.

Nicht nur die unterschiedlichen Stimmungen der vorgetragenen Stücke brachten Abwechslung in das Konzert, sondern auch zwei Zwischenstücke, die Hans-Joachim Wensing auf der Orgel spielt. Die Suite über „Ave Maria Stella“ von Nicolas de Grigny lebte vom kontrastreichen Spiel mit hellen Spitztönen und tiefen Lagen. Bis Wensing die Klangmassen zum finalen „Dialogue“ entschlossen auftürmte. Bei der Partita über „Jesu meine Freude“ von Johann Gottfried Walter lotete Wensing die Klangfarben der Orgel facettenreich aus.

Zum Schluss schlug das Duo hoffnungsvolle und fröhliche Töne an. Fast überschwänglich erklang „Mein gläubig Herze“ von Bach; etwas zurückhaltender, aber dennoch von einer beschwingten Grundstimmung getragen, „Singe Seele“ von Händel.

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