Donnerstag, April 23, 2026

Feines Gespür: Mit Musik Hoffnung auf Heilung wecken

Anzeige

Werne. Gemessen an den coronabedingten Abstandsregeln fand am Sonntag in der Martin-Luther-Kirche ein Konzert vor vollem Haus statt. Mehr als 50 Personen waren gekommen, um die Sopranistin Dagmar Borowski-Wensing und ihren Mann Dr. Hans-Joachim Wensing an der Orgel und am Piano zu hören. Das Kirchenmusiker-Duo interpretierte Werke aus Barock, Klassik und Romantik mit einem Gespür für feine Stimmungen – und bisweilen mit einem Augenzwinkern.

Das zeigte sich schon beim Blick ins Programm. „Es ist genug“: Mit diesem musikalischen Stoßseufzer von Bach eröffnete Dagmar Borowski-Wensing den kurzweiligen Liederabend. Und sprach damit sicher so manchem Zuhörenden aus dem Herzen. „Wir alle sehnen uns ja etwas mehr Freiheit zurück“, sagte die Sopranistin bei ihrer Anmoderation mit Blick auf die seit Monaten andauernde Coronapandemie.

- Advertisement -

Der Titel der Mozart-Arie „Ich weiß ein Mittel“ mochte Hoffnung auf Heilung wecken. Doch die pfiffige Zerlina aus der Oper „Don Giovanni“ hat es mit diesen Worten eher auf Verführung abgesehen. Borowski-Wensing formulierte das kokett und mit frechen Trillern und Koloraturen. Am Piano unterstrich ihr Mann das pulsierende Herzklopfen der Arie.

Eine weitere Mozart-Arie nahm, zumindest einem Wortlaut nach, Bezug zur aktuellen Situation: „Tu virginum corona“. Das Stück aus der Motette „Exsultate, jubilate“ hat jedoch nichts mit einem Virus zu tun, sondern besingt Maria, die „Krone der Jungfrauen“. Borowski-Wensing intonierte die eleganten Tonfolgen mit gelassener Zuversicht und dramaturgischen Momenten des Innehaltens.

Innig und ein wenig verträumt modulierte die Sopranistin eine der wohl berühmtesten Händel-Arien, „Lascia ch’ío pianga“. Die weichen Melodiebögen dieses Klagelieds aus der Oper Rinaldo ließ sie aufblühen, ohne es an Prägnanz missen zu lassen.

Nicht nur die unterschiedlichen Stimmungen der vorgetragenen Stücke brachten Abwechslung in das Konzert, sondern auch zwei Zwischenstücke, die Hans-Joachim Wensing auf der Orgel spielt. Die Suite über „Ave Maria Stella“ von Nicolas de Grigny lebte vom kontrastreichen Spiel mit hellen Spitztönen und tiefen Lagen. Bis Wensing die Klangmassen zum finalen „Dialogue“ entschlossen auftürmte. Bei der Partita über „Jesu meine Freude“ von Johann Gottfried Walter lotete Wensing die Klangfarben der Orgel facettenreich aus.

Zum Schluss schlug das Duo hoffnungsvolle und fröhliche Töne an. Fast überschwänglich erklang „Mein gläubig Herze“ von Bach; etwas zurückhaltender, aber dennoch von einer beschwingten Grundstimmung getragen, „Singe Seele“ von Händel.

Anzeige

Weitere Artikel von Werne Plus

Maikirmes 2026: Achterbahn für Familien erstmals mit dabei

Werne. Die Maikirmes, auch "kleine Schwester von Sim-Jü" genannt, findet in diesem Jahr vom 1. bis 4. Mai 2026 statt. Geöffnet ist der Rummel...

Feine Klangkunst aus der Zeit des Sonnenkönigs: Ludwig Frankmar in St. Christophorus

Werne. Die Pfarrkirche St. Christophorus in Werne war am Sonntagabend (19.04.2026) gut besucht, als die Stiftung Musica Sacra Westfalica zu einem besonderen Konzert einlud. Kantor...

Familienkonzert der Musikfreunde: Sekundarschüler malen mit an „Bildern einer Ausstellung“

Werne. Vorsichtig kommen die Töne näher, werden hier und da schneller, verharren. Sehr gut kann man sich dazu ausmalen, was der Sprecher Tilman Rademacher...

„Sentry“: Petra Loydas Debütroman rüttelt an Grundfragen

Werne. Eine schwangere Frau allein in der Nacht. Blätter rascheln. Äste knacken. Und dann: Schritte. Atemgeräusche. Petra Loyda wirft ihre Zuhörerinnen und Zuhörer mitten...