„Wir müssen die Kultur wieder ans Leben kriegen“

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Werne. Manchmal muss man einfach etwas riskieren. Zum Beispiel ein Konzert, das wegen der Covid-19-Pandemie bereits mehrfach verschoben werden musste, endgültig zu terminieren – und das Beste zu hoffen. Mit Erfolg: Am Freitagabend bot das Jazz-Ensembles „Boogielicious“ auf dem Kirchplatz erstmals wieder eine öffentliche Kulturveranstaltung. Live und in Farbe.

An die 50 Besucher hatten auf den im korrektem Sicherheitsabstand aufgestellten Stühlen Platz genommen; außerdem genossen die Gäste draußen vorm „Hahnenbalken“ und vor „Carlo’s“ die mitreißenden Rhythmen. „Auch diese Zuhörer haben Hutgeld bezahlt“, sagte Hubertus Waterhues, der eigens zu diesem Zweck mit seiner eigenen Kopfbedeckung sammelnd durch die Reihen gegangen war. Niemand ließ sich lumpen, hatte doch Waterhues zu Beginn des Konzerts eindringlich erklärt, wie hart das vergangene Jahr für Künstler jeder Couleur gewesen sei.

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Viele hatten ihren Beitrag geleistet, um mit diesem Jazzkonzert ein Startzeichen für den Wiederbeginn kulturelle Veranstaltungen in Werne zu geben. Initiiert hatte es Hubertus Waterhues in doppelter Funktion, als Inhaber der Buchhandlung Beckmann und als Vorsitzender des Kunstvereins Werne. Die Kirchengemeinde St. Christophorus hatte nicht nur den Kirchplatz, sondern auch die weißen Klappstühle aus dem Gotteshaus zur Verfügung gestellt. Die Stadtverwaltung überließ kostenlos ihre Bühne und Marlies Goßheger vom Kulturbüro kümmerte sich persönlich darum, dass die Stühle entsprechend der Corona-Schutzverordnung aufgestellt wurden.

Veranstalter Hubertus Waterhues sammelte das Hutgeld mit seiner Kopfbedeckung bei den begeisterten Zuhörern ein. Foto: Anke Barbara Schwarze

„Es macht so viel Spaß, wieder spielen zu dürfen“, sagte David Herzel begeistert zwischen zwei Stücken. Die Spielfreude der drei Musiker – Herzel am Schlagzeug, Eeco Rijken Rapp als Pianist und Sänger sowie der Überraschungsgast Bertram Becher mit seinen Mundharmonikas – übertrug sich schnell aufs Publikum. Es war, als wehte mit dem milden Sommerwind ein Hauch von der trägen Behaglichkeit des amerikanischen Südens über den alten Kirchplatz.

Rhythmen, die sich in den Hüften wiegten, Klavierklänge, die so gemächlich tröpfelten wie süßer Teig vom Löffel und dazu das sangliche Spiel der Mundharmonika, intoniert mit dem satten Vibrator eines Louis Armstrong: Da juckte es so manchen Zuhörenden in den Füßen. Und tatsächlich gaben der eine oder die andere dem Impuls nach und tänzelten auf dem Kopfsteinpflaster. „Die Leute, die heute Abend hier sind, machen die Tür auf für weitere Veranstaltungen dieser Art“, sagte Waterhues. „Wir müssen die Kultur wieder ans Leben kriegen.“

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