Samstag, Mai 2, 2026

Altes und Modernes im neuen Klanggewand von Saxophon und Akkordeon

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Werne. Zwischen barockem Reigen und Tango-Wiegeschritt, zwischen spanischem Temperament und zeitgenössischen Klangexperimenten spannten sie ihr vielseitiges Programm in der  Konzertreihe „Die Kunst des Duos“ der Musikfreunde Werne: Sandra Rijavec am Saxophon und Nepomuk Golding am Akkordeon.

Etwa 150 Zuhörerinnen und Zuhörer erlebten am Donnerstagabend (15. Januar 2026) im Foyer der Marga-Spiegel-Sekundarschule die ungewöhnliche Kombination dieser beiden Instrumente.

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Barock in neuem Klanggewand

Mit Antonio Vivaldis (1678–1741) Konzert für Oboe, Streicher in d-moll (RV 454) begann der Abend temporeich. Im zweiten Satz entfaltete Rijavec schön modulierte Melodiebögen mit ihrem Sopransaxophon. Das Instrument besitzt eine warme Klangfarbe, die der Klarinette ähnelt. „Das ist aber wirklich ein Saxophon und keine goldene Klarinette“, scherzte Rijavec während einer Moderation. Der dritte Satz kehrte zum lebhaften Tempo zurück, mutete tänzerisch an. Das Akkordeon mit seinem obertonreichen Charakter und seiner sonoren Klangfarbe passte ideal zur Rolle des Orchesters. Fingerfertig und mit hoher Präzision grenzte das Duo die Töne auch in hohem Tempo voneinander ab. Diese lichte Klarheit entspricht dem Geist der Barockmusik.

Wolfgang Amadeus Mozarts (1756–1791) Adagio und Fuge d-moll KV 404a folgte. Die elegante Melodieführung dieser klassischen Komposition wurde mit gebotener Geradlinigkeit gespielt, die Pausen als Teil der Musik auskostend. In der Fuge entfaltete sich ein reizvoller Kontrast: das helle Sopransaxophon fein ziseliert über dem satten Akkordeon.

Liebesleid und Wut

Bittersüß schwebte die Melodie von Astor Piazzollas (1921–1992) „Oblivion“ durch den Raum, aufgebaut vom Saxophon über wogenden Akkorden des Akkordeons. Das Tempo bewegte sich in verhaltenem Wiegeschritt zu den charakteristischen Synkopen des Tango.

Manuel de Fallas (1876–1946) „Siete Canciones populares españolas“ drehen sich um ein Thema, das Golding zum Amüsement des Publikums trocken zusammenfasste: „Es geht immer um die Liebe oder so.“ Rijavec tauschte derweil ihr Sopran- gegen ein Altsaxophon. Die jeweils sehr kurzen Sätze der „Sieben spanischen Volkslieder“ besitzen ein breites rhythmisches und dynamisches Spektrum. Pikantes Staccato wechselte mit einem Piano, das kurz davor ist, ins Nichts zu entschwinden. Sehr sanglich interpretierten die beiden Musiker das Wiegenlied „Nana“. Das Stück „Jota“ wiederum präsentierte sich quirlig, die Melodie wirbelte durch den Raum. Schnelle, manchmal hektische Tonfolgen kennzeichneten den letzten Satz „Polo“: Hier wurde die Wut über eine enttäuschte Liebe spürbar.

Etwa 150 Zuhörer erlebten die ungewöhnliche Instrumentenkombination im Foyer der Marga-Spiegel-Sekundarschule. Foto: Schwarze

Zeitgenössische Uraufführung

Bei Georg Friedrich Händels (1685–1759) Sonate für Altblockflöte F-Dur op.1 Nr. 11 übernahm Rijavec, wieder am Sopransaxophon, den Part des Flöteninstruments, Golding den des Basso Continuo, der tiefen begleitenden Basslinie. Das Akkordeon grundierte für leuchtende Akzente des Saxophons. Die Siciliana entfaltete sich wie eine idyllische Landschaft. Im Allegro des vierten Satzes umspielten sich die Instrumente wie ein Tanzpaar: das Akkordeon gleitend, das Saxophon sprunghaft.

Anstelle des nächsten im Programm vorgesehenen Stücks durfte das Publikum eine Uraufführung erleben. „Der mit uns befreundete Komponist David Holleber hat uns kurz vor diesem Konzert ein Stück für Saxophon und Akkordeon zukommen lassen, das wir jetzt für Sie spielen“, erklärte Golding. Im Unterschied zu den anderen aufgeführten Stücken handelte es sich hier um eine der seltenen Originalkomposition für das Duo Saxophon und Akkordeon. Sie arbeitete die jeweiligen typischen Spieltechniken heraus und bot den beiden jungen Künstlern Gelegenheit, die Gegensätze im wahrsten Sinne des Wortes auszuspielen. Da gab es ein flirrendes Crescendo, das allmählich aufblühte. Lautmalende Tonfolgen fügten sich nicht zu einer Melodie, sondern zu einer sphärisch-meditativen Stimmung. Rijavec ließ ihr Saxophon flattern wie ein rauchiges Zittern, Golding einen Ton sacht vibrierend im Raum stehen. Auf dieses feine Fundament setzt Rijavec behutsam einen Laut neben den anderen. Dann rüttelt das Akkordeon – im wahrsten Sinne des Wortes – final auf.

Zum Schluss brachten Béla Bartóks (1881–1945) „Rumänische Tänze“ noch einmal Bewegungen ins Schulfoyer. Die Musik huschte, schlich, hüpfte, verharrte und eilte zum Schluss tonspringend über Stock und Stein. Das Publikum klatschte beharrlich, bis es eine Zugabe erhielt.

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