Werne. Vor elf Jahren gründete sich der Verein „Freunde des historischen Stadtkerns Werne“. Sein Ziel, die ehemalige Stuhlmacherei an der Westmauer 15 für einen dezentralen Museumsstandort zu erwerben, ließ sich nicht verwirklichen. Dank der privaten Initiative von Burkhard Jankowski bleibt das denkmalgeschützte Haus samt der historischen Werkstatt trotzdem erhalten. Auch das wird am Geburtstag des Vereins am 4. Oktober ab 11 Uhr auf dem Roggenmarkt gefeiert.
Altstadtfreunde: Herr Jankowski, wann kamen Sie auf die Idee, das Haus zu erwerben?
Burkhard Jankowski: Da ich aus Werne stamme, kenne ich das Haus seit Jahrzehnten. Und ich beobachte es, seit Heinz Elberfeld, der Stuhlmacher, starb (im Jahr 2012, Anm. d. Red.). Als das Haus endlich zum Verkauf stand, habe ich es mir angeschaut. Und war Feuer und Flamme beim Anblick der Werkstatt. Allerdings sollte die Stuhlmacherei anfangs zusammen mit dem Wohnhaus von Elberfeld an der Burgstraße verkauft werden. Beides wollte ich nicht, meine Frau und ich wohnen schon in einem Altbau. Doch dann fand sich ein Käufer für das Haupthaus und ich konnte das Haus an der Westmauer für relativ kleines Geld erwerben.
Sie wollen das Haus als Zeugnis der Werner Stadtgeschichte bewahren, so, wie es die Altstadtfreunde ursprünglich geplant hatten. Warum brauchen wir solche Denkmäler?
Hier sieht man, wie aus zwei Baumkantenbrettern ein Stuhl entstanden ist. Heute passiert das per Knopfdruck, früher hat Heinz Elberfeld alles selbst gemacht, das Schneiden, Drechseln und Hobeln. Außerdem finde ich es wichtig, dieses Handwerk in seiner Umgebung zwischen anderen Ackerbürgerhäusern für die Nachwelt zu erhalten. Allein wenn ich Menschen die Lage des Hauses erkläre, erzähle ich ein Stück Stadtgeschichte. Vielen ist die Westmauer als Bereich der ehemaligen Stadtmauer gar nicht bekannt.
Sie haben viel Arbeit, Geld und Herzblut in das Haus gesteckt. Wenn man überlegt, wie es anfangs aussah: Hatten Sie von Anfang an einen Plan im Kopf?
Ja, mir war sofort klar, welche Arbeiten ich vergeben musste: die Sanierung von Dachstuhl, Fußboden und Fenstern sowie die Maurerarbeiten. Ich hatte außerdem sofort die Idee, im unteren Bereich eine Art Foyer zu gestalten, als Ort der Begegnung und der Dokumentation, und im Obergeschoss die alte Werkstatt zu erhalten. Vor allem wusste ich von Anfang an, dass das viel Arbeit werden würde. Es geht auch nicht immer so schnell voran, wie ich es gern hätte. Schließlich habe ich ja auch noch Familie, darunter drei Enkelkinder, Haus und Garten. Aber immer, wenn wieder etwas fertig geworden ist, freue ich mich. So, wie jetzt im Erdgeschoss.
Und wie soll die Stuhlmacherei im oberen Stockwerk zukünftig aussehen? Was sollen Besucher dort erleben können?
So weit wie möglich soll die Werkstatt wieder wie früher aussehen. (Jankowski deutet auf ein Foto an der Wand im Erdgeschoss.) Dabei helfen mir alte Bilder aus dem Familienarchiv der Elberfelds und Fotos, die Jörg Stengl (Pressereferent der Altstadtfreunde, Anm. d. Red.) noch vom ursprünglichen Zustand gemacht hat. Die Wände mussten isoliert und die Fenster doppelt verglast werden. Aber die Ausrüstung von Elberfeld, seine Werkzeuge und Maschinen: Das bleibt, wie es ist. Ich möchte die Maschinen außerdem gern wieder in Betrieb nehmen. Einmal, um zu zeigen, wie sie funktionierten, zum anderen, um Leuten die Gelegenheit zu geben, in Workshops kleine Dinge selbst anzufertigen.
Mussten Sie bei der Restaurierung Kompromisse zwischen dem historischen Bestand und der geplanten Nutzung machen?
Die historische Treppe zum oberen Geschoss ließ sich aus Sicherheitsgründen nicht erhalten. Es gibt kein Geländer, das Holz ist wurmstichig und an einer Stelle morsch. Hier muss eine neue Treppe mit Geländer hin. Leider konnte ich auch die beiden großen Maschinen im Erdgeschoss nicht behalten. Sie funktionieren aber noch tadellos, daher habe ich sie an einen Zimmereibetrieb in Werne verschenkt. Beides habe ich jeweils mit der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Werne abgesprochen.
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalbehörde?
Hervorragend. Petra Goebel kommt aus der Wirtschaft und entscheidet pragmatisch, sodass es mit der Arbeit am Haus gut vorangeht. Wir sprechen uns ab und werden uns einig. Frau Goebel ist schließlich sehr daran gelegen, dass mit dem Haus hier an der Westmauer ein Stück Stadtgeschichte erhalten bleibt.
Mit Blick auf das Stadtmuseum Werne: Welche Rolle kann ein privater Museumsstandort für die Stadtgeschichte spielen?
Ich sehe diesen Standort keinesfalls als Konkurrenz zum Stadtmuseum, sondern als eine weitere Möglichkeit, die Geschichte des Handwerks in Werne vor Ort kennenzulernen und zu bewundern. Bei Stadtrundgängen kann hier zum Beispiel auch die Geschichte der Ackerbürgerhäuser erklärt werden. Da würde ich mich gern mit dem Museum und Werne Marketing abstimmen, wenn hier alles soweit fertig ist.
Die Altstadtfreunde haben jahrelang für den Erhalt des Hauses gekämpft. Wie wichtig ist Ihnen die Zusammenarbeit mit dem Verein bei Ihrem Projekt?
Das ist mir sehr wichtig. Ich profitiere sehr vom Wissen des Vereins. Die Informationen, die dort im Laufe der Jahre zusammengetragen wurden, kann ich allein gar nicht liefern. Beim Tag des offenen Denkmals hat sich das schon gut bewährt. Ich habe die Besucher oben durch die Werkstatt geführt, Karl-Heinz Schwarze, der Vorsitzende der Altstadtfreunde, hat unten die Geschichte der Familie Elberfeld erzählt und dazu alte Dokumente und Fotos gezeigt.

Sie möchten im kommenden Jahr für den Vorsitz der Altstadtfreunde kandidieren. Welche Akzente möchten Sie als Vorsitzender setzen?
Als Teamplayer möchte ich mich mit dem Vorstand erstmal zu einem Brainstorming zusammensetzen. Schauen, was wir an Bewährtem behalten und was wir Neues auf die Beine stellen können. So lange bin ich ja noch nicht dabei und weiß gar nicht, was die Altstadtfreunde in den vergangenen Jahren alles gemacht haben. Aber es wird ja zum Geburtstag des Vereins eine Chronik geben. Die werde ich mir in Ruhe durchlesen.
Was steht weiter auf dem Plan?
Auf jeden Fall möchte ich einen Bereich im Dachgeschoss meinem Großvater widmen. Der war Holzschuhmacher hier an der Westmauer. Das fügt sich in die Handwerksgeschichte ein. Außerdem besitze ich historische Filmaufnahmen von altem Handwerk wie einem Schreiner und eben einem Holzschuhmacher. Und von einer Firma in Osnabrück, die heute noch Stühle herstellt, wie es Heinz Elberfeld gemacht hat. Wenn die Zeit soweit ist, kann man diese Filme hier anschauen (er deutet auf einen Flachbildschirm im Erdgeschoss). Nicht alle Leute verstehen, dass ich hier so viel Zeit und Geld investiere, ohne dass finanziell etwas dabei für mich herausspringt. Aber andere machen eine Weltreise, ich mache eben das hier. Es gibt noch viel zu tun, aber davor ist mir nicht bange.
INFORMATION
Elf Jahre engagiertes Wirken für den Denkmalschutz in Werne: Zur Feier laden die Freunde des historischen Stadtkerns Werne am Sonntag, 4. Oktober 2026, von 11 bis 15 Uhr auf den Roggenmarkt ein. Die Gäste erwarten Musik, Einblick in die Arbeit des Vereins, Imbiss und Getränke, ein Kinderprogramm und Begegnungen mit Freunden und Förderern.




















