Freitag, Mai 24, 2024

Hitzige Debatte zum Anbau der Wiehagenschule erneut ergebnislos

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Werne. Verbindungsbrücke für die Wiehagenschule – ja oder nein? Erneut wurde diese Entscheidung vertagt und damit dem Stadtrat (27. September, 17.30 Uhr im Kolpingsaal) überlassen. Immerhin erhielten die Vertreter/innen im Betriebsausschuss des Kommunalbetriebs Werne (KBW) vom Architekturbüro „gpe projekt“ aus Meschede Informationen zu Varianten und Kosten für den Erweiterungsbau samt möglicher Brücke.

Die gpe-Experten bewerteten die Verortung des Erweiterungsbau sowie eine mögliche Brücke zum Bestandsgebäude, sie beleuchteten Bauform und -weise. „Der Verwaltungsvorstand favorisiert die Variante 2B. Nachteil: Es müssen zehn Bäume fallen, aber die Funktionalität ist mit der Brücke am größten“, sagte Schuldezernent Frank Gründken.

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Die Gesamtkosten würden sich nach ersten Berechnungen auf rund 6,22 Millionen Euro belaufen, davon entfallen 470.000 Euro auf die Verbindungsbrücke. Vorteile: Der Cluster im Bestand, und damit das pädagogische Konzept, wird kaum beeinträchtigt. Durch die Verschiebung des Anbaus nach Süden in Richtung Stockumer Straße könnte auch der Abbruch einer Wand mit Versorgungsleitungen vermieden werden. Die Architekten schlugen außerdem vor, im weiteren Verlauf eine Hybridbauweise zu prüfen. Die Verwendung von Holz bei Sekundärträgern sei möglich.

Die von Verwaltung, Schulleitung sowie FDP und Grünen favorisierte Variante 2B. Visualisierung: gpe projekt

Auch Nicola Buschkotte, Leiterin der Wiehagenschule, stimmte der Variante 2B zu: „Das ist ein funktionierende Lösung, die dem Kindeswohl gerecht wird. Es wird ‚reger Verkehr‘ herrschen. Da ist es wichtig, dass die Kinder sicher von A nach B kommen.“ Sie appellierte zudem an die Politik: „Hören Sie unseren Rat, entscheiden Sie sich für die Brücke!“ Gleichzeitig bot sie an, an der Reduzierung von anderen Kosten aktiv mitarbeiten zu wollen.

Uta Leisentritt (CDU) verwies auf die Interimslösung während des Brückenbaus. „Dann findet Unterricht in Containern statt, und es steht weniger Schulhoffläche zur Verfügung. Ist das den Eltern klar?“

Marita Funhoff meldete direkt Beratungsbedarf an, haderte dann mit der Tatsache, dass die Informationen des Architekturbüros noch nicht dem Schul- und Sportausschuss vorgelegen hätten. „Aber es ist gut, dass die Emotionalität raus und die Sachlichkeit drin ist“, so die SPD-Ratsfrau. Und weiter: „Das Wohl der Kinder steht bei uns an erster Stelle.“ Anschließend kritisierte sie Nicola Buschkotte. „Die Schulleitung muss für die Schule kämpfen, aber die Art und Weise war zu viel des Guten. Wir lassen uns keine Kindeswohlgefährdung vorwerfen“, spielte die zweite stellvertretende Bürgermeisterin auf E-Mails aus der Elternschaft der Wiehagenschule an und machte dafür die Schulleitung verantwortlich. „Wir können uns den Luxus nicht erlauben, um nicht in die Haushaltssicherung zu kommen. Woanders läuft es auch ohne eine Verbindung zwischen den Gebäuden. Wenn wir wieder flüssig sind, können wir über einen Brückenbau neu diskutieren.“

Uta Leisentritt, Fraktionschefin der Christdemokraten, legte dann noch einmal kräftig nach: „Frau Funhoff, Sie haben mir aus der Seele gesprochen. Die Emotionalität durch die Schulleitung geht gar nicht, diese ist anmaßend. Wir tun alles für die Kinder, aber wir müssen auch die Kosten im Griff behalten. Schließlich müssen die Kinder das auch alles mal bezahlen. Können Sie das? Wir sind gegen die Brücke.“

„Als Schulleiterin habe ich die Pflicht, die Schulpflegschaft zu informieren. Die Eltern haben ein Recht zu erfahren, was an der Schule ihrer Kinder passiert.“

Nicola Buschkotte, Leiterin der Wiehagenschule in Werne.

Nicola Buschkotte wehrte sich gegen die Anschuldigungen aus den Reihen von CDU und SPD. „Als Schulleiterin habe ich die Pflicht, die Schulpflegschaft zu informieren. Die Eltern haben ein Recht zu erfahren, was an der Schule ihrer Kinder passiert. Und ganz sicher habe ich niemanden beauftragt, Briefe an die Politik zu verfassen. Allerdings ist das durchaus das Recht der Wähler.“

Leisentritt konterte und warf Buschkotte vor, oft ihre Meinung zu ändern, was diese von sich wies. Die CDU-Ratsfrau verwies erneut auf eine drohende Zwischenlösung mit Containern und machte abschließend deutlich: „Wir stellen nicht das pädagogische Konzept infrage.“

Zwischendurch hatte nämlich Artur Reichert (FDP) das Wort ergriffen: „Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen, damit die Schulen gute Arbeit leisten können. Das Bildungsniveau sinkt, wir müssen dagegen steuern und Geld in die Hand nehmen. Da sind wir uns alle einig. Wir können doch jetzt keinen Rückzieher machen, wenn es um unser eigenes Budget geht. Das ist erbärmlich. Wir maßen es uns nicht an, das pädagogische Konzept zu hinterfragen.“ Er verwies zudem auf die jahrzehntelange Abschreibung der Maßnahme. „60 Jahre sind das“, so Kämmerer Marco Schulze-Beckinghausen. „Das sind dann zirka 7.000 Euro pro Jahr“, rechnete Reichert weiter und bemühte dann noch den millionenschweren Zuschussbedarf für das Solebad: „Da habe ich noch nicht gehört, dass wir da sparen müssen.“

Klaus Schlüter (Bündnis 90/Die Grünen) unterstützte Reichert mit Blick auf die lange Abschreibung und tendierte für seine Fraktion auch zur Variante 2B. Von der „Sicherheitsgeschichte“ fühlte er sich überfahren.

Zu einer Abstimmung kam es nicht. Nun muss der Stadtrat entscheiden, welche Variante für den Erweiterungsbau an der Wiehagenschule letztlich umgesetzt wird.

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