Werne. Wie entwickelt sich der Wirtschaftsstandort Werne? Und welche Rolle spielen dabei Digitalisierung und Künstliche Intelligenz für die Zukunft der Stadt? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Wirtschaftsgesprächs der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund am 29. Oktober, wie die IHK in einer Pressemitteilung informiert.
Veranstaltungsort war in diesem Jahr die Beckmann-Fleige Hydraulik GmbH. Jan Höttcke, geschäftsführender Gesellschafter der Otto Höttcke GmbH & Co. KG und Mitglied der IHK-Vollversammlung, begrüßte zusammen mit IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber gut 50 interessierte Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung.
„Werne hat wirtschaftlich viel zu bieten. Wir haben engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer, starke mittelständische Betriebe und Menschen, die am Standort etwas bewegen wollen. Gerade bei Fachkräften, Flächen, Infrastruktur und Digitalisierung kommt es darauf an, jetzt die richtigen Voraussetzungen für die kommenden Jahre zu schaffen“, betonte Höttcke in seinen einleitenden Worten.

Wie unternehmerische Entwicklung am Standort Werne aussehen kann, zeigte gleich zu Beginn Co-Gastgeber Friedhelm Beckmann-Fleige. Er stellte den Gästen sein Unternehmen mit aktuell 60 Mitarbeitenden vor, dessen Geschichte 2003 als Konstruktions- und Ingenieurbüro auf 40 Quadratmetern begann. 2011 folgte der Umzug in ein eigenes Firmengebäude im Gewerbegebiet Nordlippepark II, 2018 wurde eine weitere Halle fertiggestellt. Heute bietet Beckmann-Fleige Hydraulik Standard- und Sonderlösungen im Bereich Hydraulik an und verfügt über Büros, Schulungsräume sowie Lager-, Wartungs-, Prüf- und Fertigungshallen auf insgesamt 3.000 Quadratmetern. Zu den Kunden zählen Unternehmen aus Stahlverarbeitung, Schifffahrt, Kraftwerkstechnik sowie Maschinen- und Fahrzeugbau.
Austausch zwischen Lars Hübchen und IHK-Hauptgeschäftsführer
Im Mittelpunkt des Wirtschaftsgesprächs stand anschließend der Austausch zwischen Wernes Bürgermeister Lars Hübchen und IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber. Moderiert von Thorsten Wagner ging es um die aktuelle wirtschaftliche Lage, Ausbildung und Fachkräftesicherung, Digitalisierung, die Attraktivität Wernes für Familien und Arbeitskräfte sowie Gewerbeflächen.

Dabei konnte Stefan Schreiber gleich mehrere erfreuliche Zahlen für Werne präsentieren. Die Gewerbesteuereinnahmen beliefen sich 2025 auf rund 29,5 Millionen Euro und lagen damit zwölf Prozent über dem Vorjahreswert. Besonders auffällig ist auch die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung: Während diese im Kreis Unna gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozent zurückging, verzeichnete Werne ein Plus von 7,6 Prozent. Gleichzeitig zeigen sich allerdings strukturelle Herausforderungen: Die Zahl der Unternehmen im produzierenden Gewerbe sank in Werne um 6,4 Prozent, bei Handel, Gastgewerbe und Verkehr betrug das Minus 1,7 Prozent. Bei den sonstigen Dienstleistungen gab es hingegen ein Plus von 4,5 Prozent.
„Werne zeigt, dass sich ein starker Wirtschaftsstandort auch in einem schwierigen Umfeld positiv entwickeln kann. Gleichzeitig dürfen uns gute Zahlen nicht dazu verleiten, die strukturellen Herausforderungen zu übersehen. Wir brauchen verfügbare Wirtschaftsflächen, weniger Bürokratie und vor allem genügend Fachkräfte“, so Schreiber, der damit auch an die Adresse der Unternehmen appellierte, dem Thema duale Berufsausbildung höchste Priorität einzuräumen. Ende September verzeichnete Werne insgesamt 101 neue Verträge. „14 weitere Verträge bis Jahresende und wir wären auf dem guten Stand von 2024″, zeigte sich Schreiber optimistisch.
KI wird bei der IHK zum Arbeitsalltag
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war die Digitalisierung. Bürgermeister Lars Hübchen berichtete über die digitale Entwicklung der Stadt. In seinen Augen ein notwendiger Prozess. „Ein Drittel der städtischen Mitarbeiter geht in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Wir müssen deshalb viele Prozesse verschlanken und insgesamt moderner werden.“
Schreiber machte deutlich, dass Digitalisierung und Künstliche Intelligenz auch die Arbeit der IHK inzwischen konkret verändern. Nach Schulungen setzt die IHK „Microsoft Copilot“ flächendeckend für ihre Mitarbeitenden ein. Eine interne Power-User-Gruppe entwickelt eigene Anwendungsfälle und unterstützt die Teams bei KI-optimierten Prozessen.
Im Gespräch mit Lars Hübchen spielte außerdem die Attraktivität Wernes für junge Familien eine Rolle, weil Betreuungsangebote und Standortqualität eng mit der Gewinnung und Bindung von Arbeitskräften verbunden sind. Im Kreisvergleich hat Werne die höchsten Kita-Beiträge. „Das sollte so nicht bleiben“, betonte Hübchen. Ebenfalls Thema war die Verfügbarkeit neuer Gewerbeflächen und damit die Frage, welche Entwicklungsmöglichkeiten ansässige Unternehmen künftig in Werne haben.

Blick auf ein Werner Zukunftsprojekt
Zum Abschluss richtete sich der Blick auf ein Projekt, das weit über Werne hinaus Aufmerksamkeit erzeugt: SURFWRLD. Prof. Dr. Michael Detering informierte die Gäste über das Vorhaben und den aktuellen Planungsstand. Auf dem rund 17 Hektar großen ehemaligen Zechengelände in Werne soll ein Zentrum entstehen, das Surfsport, Freizeit und Forschung verbindet. Geplant sind ein 242 Meter langes Wellenbecken, eine stehende Surfwelle sowie Übernachtungsmöglichkeiten, Gastronomie und Veranstaltungsräume. Im Frühjahr 2028 könnte die Eröffnung sein.
















