Werne. „Unverschämtheit! Sie drehen mir das Wort im Mund herum!“ Dezernent Frank Gründken war im Schul- und Sportausschuss, der am Mittwoch (30.09.2026) im Stadthaus tagte, empört über das Verhalten von Uta Leisentritt (CDU).
Was war passiert? Eigentlich sollte nur die Vorstellung der aktuellen Schulentwicklungsplanung durch Frauke Gier vom Büro GEBIT aus Münster stattfinden. Die politische Debatte ist im Anschluss an die Beratungen in den Fraktionen für den 18. November vorgesehen. So leitete Frank Gründken auch die Sitzung ein und bat darum, den Punkt „Sanierungsmaßnahmen am AFG“ aufgrund veränderter Zahlen von der Tagesordnung zu nehmen. Mit acht Ja-Stimmen wurde diesem Wunsch knapp entsprochen. Die sieben Ausschussmitglieder von CDU und FDP waren damit nicht einverstanden.
Nachdem Beraterin Frauke Gier die neuesten Prognosen für die Grund- und weiterführenden Schulen bekannt gegeben hatte, entzündete sich der Streit zwischen Leisentritt und Gründken vor allem an abweichenden Quadratmetern beim Raumbedarf am Anne-Frank-Gymnasium. „Ich gehe fest davon aus, dass wir das aufklären können. Geben Sie uns die Fragen schriftlich, damit wir sie vernünftig beantworten können“, schlug der Dezernent vor, nachdem sich die Aufregung etwas gelegt hatte.
Frank Gründken hatte der CDU die noch nicht ganz fertige Schulentwicklungsplanung ein paar Tage vorher zur Verfügung gestellt – mit dem Hinweis auf „Klärungsbedarf“ und der Bitte, den Wissensvorsprung nicht gegenüber den anderen Fraktionen zu nutzen. „Das mache ich nie wieder“, raunte der Dezernent, der in diesem Zusammenhang von einer „Unverschämtheit“ sprach.
Beate Böhmer (CDU) betrachtete die Fragen von der Parteikollegin zwar als „gerechtfertigt“, wollte diese aber auch erst in der Fraktion diskutiert wissen. Sie, die anderen Christdemokraten im Sitzungssaal sowie der Stadtverbandsvorsitzende Martin Cyperski im Zuschauerraum schienen vom Vorpreschen Leisentritts überrascht und wenig begeistert gewesen zu sein.
Uhlandschule muss mit mehr Anmeldungen rechnen
In ihrer Präsentation prognostizierte Frauke Gier der Kardinal-von-Galen-Grundschule in Stockum weiter eine Zweizügigkeit, die Schule sei passend ausgestattet, für die leicht steigende Quote im OGS-Bereich sei der Speiserräum möglicherweise zu klein. Für das Schuljahr 2027/28 rechnet das Beratungsbüro mit 55 Schülerinnen und Schüler, in den Folgejahren dann mit abnehmenden Zahlen (45, 37, 36 bzw. 38). Mögliche Baugebiete würden sich nicht entscheidend auswirken.
Die Uhlandschule, größte Grundschule im Kreis Unna, müsse weiter fünf Eingangsklassen bilden. 2027 werden laut Prognose 111 Erstklässler/innen eingeschult. Den Höhepunkt sieht Frauke Gier im Schuljahr 2030/31 mit 135 Schülerinnen und Schülern erreicht, wenn sich die Neubaugebiete auswirken sollten. „Der Raumbestand eignet sich nicht für eine Fünfzügigkeit. Es fehlen Differenzierungs- und Mehrzweckräume“, so die Beraterin vom Büro GEBIT weiter. Potenzial zur Aufnahme von Kindern sieht Gier aber an der Wiehagenschule.
Die Wiehagenschule sei gut ausgestattet, wenn die geplante Erweiterung, auch des Mensabereichs, abgeschlossen sei. „Der Erweiterungsbau ist geeignet, um den Raumbedarf zu decken“, hieß es. Für das Schuljahr 2027/28 prognostierte die Beraterin 94 Schulanfänger/innen, danach 87, ein Jahr später 80, so dass die Wiehagenschule „Potenzial zur Mehrversorgung von Schüler/innen der Uhlandschule“ hätte.

Beraterin empfiehlt „Privilegierungsbeschluss“ für AFG
Die Marga-Spiegel-Sekundarschule werde sich fünfzügig weiterentwickeln. Mit 136 Anmeldungen sei im nächsten Schuljahr zu rechnen. Aufgrund der höheren Übergangsjahrgänge auch in den kommenden zwei Jahren ist davon auszugehen, dass es erneut zu Mehranmeldungen kommt. Eine Mehrklassenbildung kann sich damit vor allem in den kommenden beiden Schuljahren abzeichnen.
Frauke Gier riet mit Blick auf das städtische Anne-Frank-Gymnasium zu einem „Privilegierungsbeschluss“, also die Entscheidung, Kinder aus Kommunen mit einem Gymnasium (Bergkamen, Selm, Hamm, Lünen) abzulehnen. „Dann bleibt die Schule tendenziell vierzügig. Ein entsprechender Schulträgerbeschluss ist aus unserer Sicht mindestens zeitweise zu empfehlen“, fasste die Beraterin zusammen. Mit 109 Anmeldungen für die fünften Klassen sei im Schuljahr 2027/28 zu rechnen.
Räumlich ergeben sich im Abgleich mit dem Raumprogramm noch Fehlbedarfe im Bestand. Dies betrifft sowohl allgemeine Unterrichtsräume als auch Differenzierungsräume. Auch der Verwaltungsbereich weist noch Fehlbedarfe auf, hieß es weiter.
Bei einem kurzen Blick auf das bischöfliche Gymnasium St. Christophorus berichtete Gier von einer gleichbleibenden Weiterentwicklung einer Dreizügigkeit in den Eingangsklassen.
Die Ausschussvorsitzende Marita Funhoff (SPD) wies nach der Präsentation auf die nun folgenden Diskussionen in den Fraktionen hin und bat die Ausschussmitglieder, ihre Fragen an das Beratungsbüro GEBIT und die Verwaltung zu richten.




















