Werne. Als „überheblich und anmaßend“ empfand der CDU-Vorstand Bedingungen, die der ehemalige Bürgermeisterkandidat Dr. Thomas Neubourg gestellt hat. Dabei geht es vor allem um ein Wahlkampfkonto. Neubourg ließ die Vorwürfe mit persönlichen Angriffen gegen ihn Tags darauf unkommentiert, um nicht weiter Öl ins Feuer zu gießen.
Anfang Mai forderte Thomas Neubourg laut CDU-Vorstand auch die Einrichtung eines Wahlkampfkontos. Zudem habe er ohne Absprache Verträge abgeschlossen, unter anderem mit einem Verlagshaus. „Er kann nicht selbstständig ein Konto der CDU führen. Das geht schon rein rechtlich nicht, wie uns auch die Kreis-Geschäftsführerin bestätigt hat“, berichtete Stadtverbandsvorsitzender Martin Cyperski. Weitere Forderungen habe man erfüllt, hieß es am Mittwochnachmittag in einem Pressegespräch weiter.
Einen sofortigen Rücktritt von Cyperski, wie von Neubourg gefordert, wies der Vorstand zürück, kündigte aber eine Aussprache im Vorfeld der Mitgliederversammlung – beides soll im November stattfinden – an. „Jedes Mitglied hat dann das gleiche Recht, zu wählen oder gewählt zu werden. Wir müssen solche Auseinandersetzungen vermeiden und nach vorne schauen“, sagte Pressesprecher Jörg Weber, der sich ein „reinigendes Gewitter“ erhoffe.
„Ich habe keinerlei Interesse daran, dass sich die CDU zerlegt. Aber ein ‚Weiter so‘ darf es ebenfalls nicht geben.“
Dr. Thomas Neubourg, ehemaliger Bürgermeisterkandidat
„Das Angebot, die Ergebnisse der Kommunalwahl und die Umstände, die zu diesem Ergebnis geführt haben, bei der kommenden Mitgliederversammlung umfassend zu erörtern, ist genau das, was sich viele Mitglieder, die am Wiedererstarken der CDU interessiert sind, wünschen“, betonte Neubourg. Zugleich machte er deutlich, dass er keine Spaltung innerhalb der Partei anstrebe: „Ich habe keinerlei Interesse daran, dass sich die CDU zerlegt. Aber ein ‚Weiter so‘ darf es ebenfalls nicht geben. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten, dass wir aus Fehlern lernen und die Zukunft unserer Stadt aktiv mitgestalten – unabhängig davon, wer Bürgermeister ist“, teilte Thomas Neubourg schriftlich mit.
Seine Forderung nach einer vorgezogenen Mitgliederversammlung sei deshalb auch nicht als „Erpressung“ zu verstehen gewesen, sondern logische Konsequenz der Entwicklungen in seiner Partei. Mit der geplanten Aussprache sieht Neubourg eine Chance, die Grundlage für diesen Neustart zu legen, der notwendig sei.

Rückblick
Im Januar 2025 schien die Welt bei den Christdemokraten in Werne noch in Ordnung. Unternehmer Neubourg hatte sich bei der Kandidatensuche gegen den ehemaligen Schulleiter Thorsten Schröer durchgesetzt, erhielt anschließend das einstimmige Vertrauen der Mitglieder. Am Rosenmontagszug, 3. März, demonstrierte die Partei Einigkeit und Geschlossenheit. Kurz bevor es auf den Wagen ging, verfassten Cyperski und Neubourg ein gemeinsames Schreiben und formulierten Ziele eines künftigen CDU-Bürgermeisters. „Das zeigt doch, dass ich sehr wohl mit ihm zusammengearbeitet habe“, betont der Stadtverbandsvorsitzende.
Gehemmt war die Partei durch den Dauerkonflikt zwischen Cyperski und Fraktionschefin Uta Leisentritt, die nie zu einem „Miteinander“ fanden. Die Situation eskalierte dann Ende Mai, als brisante Informationen aus der Fraktion, in denen besonders Cyperski „schlecht weg“ kam, an die Öffentlichkeit gelangten. Darum ging um ein Misstrauensvotum gegenüber Leisentritt und Pläne zu ihrer Abwahl. Der Vorstandschef bestätigte die Gerüchte. Auch dadurch kam die Partei nicht mehr zur Ruhe.
„Die Anschuldigungen gegen mich sind eine Diffamierung.“
CDU-Stadtverbandsvorsitzender Martin Cyperski
Mitte Mai verkündete Thomas Neubourg seinen Rücktritt als Bürgermeisterkandidat, damals noch begründet mit „persönlichen Gründen“. Da spürte er aber schon, dass die Grabenkämpfe sich fortsetzen würden und sah keine geeinte und starke Partei hinter sich. Für den Vorstand kam der Rückzug dennoch überraschend. Bei der Mitgliederversammlung eine Woche später im kleinen Kolpingsaal wurde der Antrag für eine Aussprache mehrheitlich abgelehnt. Anfang Juni trat dann Fraktionschefin Uta Leisentritt als stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende zurück. Das Tischtuch zwischen ihr und Cyperski war endgültig zerschnitten.
Bei der nun für November angekündigten Aussprache verspricht Martin Cyperski volle Transparenz – auch in Form von Einblicken in Dokumente, die nach seiner Ansicht vor allem eins belegen sollen: „Die Anschuldigungen gegen mich sind eine Diffamierung.“























Die Menschen in unserer Stadt lehnen es zu Recht ab, wenn innerparteiliche Streitigkeiten in der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Noch viel weniger wird das sog. „Waschen schmutziger Wäsche“ toleriert. Das zeigt das Ergebnis der Kommunalwahl 2025 für die Christlich-Demokratische Union: 5,65 % weniger Stimmen und der Verlust von fünf (in Worten: fünf) Direktmandaten.
Das ist eine historisch einmalige Abstrafung für ein unprofessionelles Arbeiten des Vorsitzenden und von Teilen des Vorstands. Das kann niemand schönreden!
Die Menschen in unserer Stadt wählen Frauen und Männer in den Stadtrat, die sich verantwortungsvoll für die Belange der Stadt einsetzen und die Interessen der Bürger achten sollen.
Mit Verantwortung und Weitsicht sollen sie agieren, unter Absehung eigener Interessen, zum Nutzen der Stadt.
Die Menschen in Werne erwarten ein professionelles Verhalten von Ratsmitgliedern und das Ende kleinlicher Auseinandersetzungen.
Schon im Alten Testament heißt es im Buch Jeremia: „Suchet der Stadt Bestes“!
Hartmut Marks
(Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU im Kreis Unna)
Als langjähriges CDU-Mitglied und ehemaliger CDU-Fraktionsvorsitzender in Werne bin ich erleichtert, dass bei der CDU wieder etwas Ruhe eingekehrt ist. Aber nach einigen Artikeln des CDU-Vorstands möchte ich zu drei Punkten Stellung nehmen.
1. Bei der Kommunalwahl haben Kandidaten der CDU Werne fünf Ratswahlkreise verloren. Dies ist für mich keine Bagatelle und lässt sich auch nicht mit 32,84 Prozent Zustimmung schönreden. Die 32,84 % Zustimmung dürfte das schlechteste Ergebnis für die CDU seit Jahrzehnten sein.
2. Dass es in einem Vorstand mal unterschiedliche Auffassungen über Sach- oder Personalfragen gibt, ist für mich selbstverständlich. Wenn dann aber vom Parteivorsitzenden sogar Akten darüber anlegt und daraus vertrauliche Chats an die Medien weitergeleitet werden, ist für mich jegliche Grenze überschritten. In einem Vorstand hätte es erst gar nicht so weit kommen dürfen.
3. Was soll denn jetzt bei der bevorstehenden Mitgliederversammlung passieren? Doch sicherlich nicht das Aufblättern alter Ordner und auch nicht das Anlegen neuer. Es muss doch jetzt wirklich ein Neuanfang stattfinden. Aber kann dies mit den gleichen Personen erfolgen? Diese Frage sollte sich, meiner Meinung nach, die Parteiführung vor der Mitgliederversammlung stellen.