Werne. Event-Management setzt heute auf Zielgruppendefinition, Planung mit KI, Musik- und Foodkonzepte sowie atmosphärische Lichteffekte. Beim Plätzerfest im Kapuzinerkloster stehen zwei Gerichte zur Auswahl – und die Menschen Schlange.
Auf das Tageslicht kann niemand Einfluss nehmen. Die Musik des Bläsercorps Werne ist ebenso handgemacht wie die Reibeplätzchen, die dem Fest seinen Namen geben. Die Stimmung ist fröhlich, der Klostergarten gerappelt voll. Das Plätzerfest folgt seiner eigenen Dynamik.
„In diesem Jahr haben wir einen neuen Besucherrekord aufgestellt“, sagt Christiane Maria Fahle, die Medienbeauftragte des Freundeskreises Kapuzinerkloster. Tatsächlich ist wirklich jeder Platz im Hof und im Klostergarten besetzt, an den Bierzelttischen ebenso wie auf den Gartenstühlen. Die Stehtische und die Theken der Getränkewagen sind ebenfalls umringt. Und das bereits, während nebenan in der Klosterkirche noch die Festmesse zum Namenstag der beiden klösterlichen Schutzpatrone Petrus und Paulus gefeiert wird. „Die Klosterkirche war trotzdem proppenvoll“, sagt Bruder Romuald Hülsken, der die Messe zelebriert hatte, später.

Klönen statt Drängeln
Was andernorts als lästig empfunden werden kann, gehört beim Plätzerfest zum Erlebnis: das Anstehen für die Reibekuchen. Langweilig wird es dabei nicht. Immer kommt jemand vorbei, den oder die man kennt. Und in der Warteschlange ist Zeit zum Klönen. „Darum lohnt es sich ja, zu kommen: Man trifft Tausend Leute, die man ein halbes Jahr lang nicht gesehen hat“, meint ein Werner Bürger. Ein paar Menschen vor ihm steht ein Paar aus Kamen, das jedes Jahr zum Plätzerfest kommt. „Wegen der Messe und wegen der Reibeplätzchen, in dieser Reihenfolge“, sagt der Mann. Andere Besucher holen sich erstmal ein Bier und schauen dem Treiben entspannt zu. „Wir gehen los, wenn es etwas leerer geworden ist, bisher haben wir immer noch Reibeplätzchen bekommen“, erklärt einer von ihnen. Zwei junge Frauen haben es fast geschafft. „Das geht fix voran“, meinen sie.

Dank der Plätzerfrauen. Im Unterstand auf dem Klosterhof backen sie im Schweiß ihres Angesichts. Andere Frauen nehmen die Bestellungen auf und laufen zwischen den heißen, zischenden Pfannen hin und her, um die passende Menge an Reibeplätzchen zusammenzubekommen. Das altbewährte Familienrezept haben Willi Jasper und sein Enkel Tristan Essiger aus sieben Zentnern Kartoffeln zusammengemengt. Dazu gibt es Apfelmus und Schwarzbrot. Keine Experimente. Alle, die in der Schlange warten, wissen, was sie erwartet. „Die schmecken immer wieder lecker“, wirft eine Frau ein. Die eingeschworene Gemeinschaft der Plätzerfrauen und der vielen anderen Helfer ist das Herz des Festes. Schon am Sonntag haben sie von morgens an im Klostergarten alles hergerichtet: die Gartentruppe, der Lions Club Werne an der Lippe, der Freundeskreis Kapuzinerkloster.

Viele helfende Hände
Die Plätzerfrauen schälen derweil die Kartoffeln. Bärbel Wellmann ist das erste Mal dabei. „Weil meine Tochter auch hier ist“, sagt sie. „Und ich finde das gar nicht verkehrt, mitzumachen, es ist schön.“ Neben ihr sitzt Christel Budde. Sie schält zum dritten Mal mit. „Mir gefällt diese tolle Gemeinschaft, zusammen sitzen, fröhlich sein, mehr wollen wir doch nicht.“ Die Hitzewelle hat sie nicht abgeschreckt, unter den schattigen Bäumen im Klostergarten sitzt es sich noch angenehm. Mit dem Wetter haben die Feiernden in diesem Jahr in zweierlei Hinsicht Glück: Regenschauer haben die Hitze fortgespült und sich pünktlich zum Fest ebenfalls verzogen.

Zu den Freiwilligen gesellen sich am Festtag selbst noch die Freiwillige Feuerwehr Werne, die Kolpingfamilie, die Kolpingjugend, die Würstchen braten, und der Frauenchor am Kapuzinerkloster, der in der Messe singt. „Im Schnitt haben wir wieder 100 Leute am Start“, sagt Friedrich Telgmann vom Freundeskreis. Sie alle wissen, wofür sie Hand anlegen: Der Erlös des Plätzerfestes kommt der Klostergemeinschaft zugute. „Man kann nicht oft genug betonen, dass die Kapuziner ein Bettelorden sind, die auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen sind“, fügt Christiane Maria Fahle hinzu.

Das Plätzerfest richtet sich nicht nach Wochenenden oder strategisch günstigen Kalendertagen. Es findet an dem Wochentag statt, auf den das Fest der Kirchenpatrone Peter und Paul fällt, jedes Jahr am 29. Juni. Ein Datum, das bei vielen Menschen in Werne fest im Kalender steht. Auch, wenn der Tag in diesem Jahr mit einem Deutschlandspiel bei der WM 2026 zusammenfällt. Doch der Anpfiff ist erst um 22.30 Uhr. „Das schaffen wir locker“, ist aus der Warteschlange zu hören.






























