Dienstag, März 24, 2026

Sextett sprengt Duo-Motto: Saisonfinale der Musikfreunde

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Werne. Trompete und erste Geige werfen sich Akzente zu, liefern sich ein virtuoses Mini-Duell. Die anderen Streicher reagieren mit frechen Percussionseffekten auf ihren Instrumentenkörpern. Mehr als 200 Besucher im Foyer der Marga-Spiegel-Schule lauschten dem „Romain Leleu Sextets“ gebannt. Zum Ende ihrer Saison setzten die Musikfreunde Werne einen effektvollen Schlusspunkt.

Ein Sextett entspricht zwar nicht ganz dem Motto der diesjährigen Saison: „Die Kunst des Duos“. Trotzdem passte das Ensemble in die Konzertreihe. Als Duo traten Trompete und Streichinstrumente auf. Brillante Leuchtkraft traf auf warm-satte Töne. Allerdings bildeten die Streicher keineswegs nur den Untergrund für die schillernde Spielweise des Solo-Trompeters Romain Leleu. Sein Instrument trat Stück für Stück in Dialog, vor allem mit Guillaume Antonini und seiner Violine, aber auch mit Cécile Roubin (Violine), Alphonse Dervieux (Viola), Caroline Boita (Cello) und Philippe Blard (Bass). Eingerahmt wurde diese „Fantastische Nacht“ von der sternenflimmernden Lichtshow eines Schülers der Sekundarschule.

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Der perfekte Hintergrund für den Auftritt von „Shéhérazade“. Nikolai Rimski-Korsakow schrieb das Werk für ein großes romantisches Orchester. Die komprimierte Spielweise des Sextetts wahrte die sinfonische Fülle und machte erzählende Leitlinien griffig. In der Rolle des brutalen Sultans drohten die Streicher mit ihrem Vibrato – bis Leleu mit dem beschwichtigenden Motiv der Shéhérazade eingriff. In sinnlichen Momenten zelebrierte das Sextett die verschiedenen Musikern zugeschriebene Weisheit, dass „Musik die Stille zwischen den Noten“ sei.

Ebenso dichterisch interpretierte das Ensemble Schuberts Vertonung des „Erlkönigs“. Wer Goethes Ballade nur halbwegs im Kopf hatte, konnte dem Spannungsaufbau wörtlich folgen. Von anfänglicher Irritation bis hin zu gellender Verzweiflung. Die Hilferufe des Kindes waren im scharfkantigen Trompetenklang richtig angesiedelt, die sanfttönenden Streicher, allen voran Antoninis Violine, bemühten sich zu beruhigen. In „Nacht und Träume“, ebenfalls von Franz Schubert, bewies Leleu, dass auch eine strahlkräftige Trompete einlullende Weise entfalten kann.

Das „Nocturne“ op. 40 von Antonín Dvořák gehörte den Streichern. Selten über ein markantes Mezzopiano hinausgehend sank ihre Musik herab wie die Dämmerung. Die melancholische Atmosphäre durchdrang ein fröhlicheres Intermezzo wie ein schöner Traum. Völlig anders erklang dagegen „Der Ochse auf dem Dach“ (Le bœuf sur le toit) von Darius Milhaud. In den Flirt mit lateinamerikanischen Rhythmen mischte sich das dissonante Gewirr einer Großstadt. Ungestümes Staccato kontrastierte mit Spannungsbögen, die über ein sehr langsames Tempo gehalten wurden. Trompete und erste Geige gaben einander die Stimmungswechsel in die Hand.

Der Funke sprang über: Das Publikum applaudierte begeistert. Foto: Schwarze
Der Funke sprang über: Das Publikum applaudierte begeistert. Foto: Schwarze

Nach der Pause beherrschte Filmmusik die fantastische Nacht des „Romain Leleu Sextets“. Dem surreal anmutenden Kaleidoskop zu Fellinis „Achteinhalb“ – komponiert von Nino Rota – folgte der lyrische Soundtrack zu „Cinema Paradiso“ aus der Feder von Ennio Morricone. Im Mittelpunkt dieses zweiten Konzertteils stand das Wechselspiel zwischen dem Hitchcock-Klassiker „Psycho“ und dem Fred-Astaire-Musical „Gay Divorce“. Die Streicher kochten die Emotionen des Psychothrillers in der Musik von Bernard Herrmann hoch, von nervöser Unruhe bis an die Schmerzgrenze zur Hysterie. In schrillen Tönen, die wie Messerstiche an Nerven sägten, stand die ikonische Duschszene den Zuhörenden vor Augen.

Szenenwechsel: Ein pikantes Staccato gleitet in geschmeidige Tanzmusik von Cole Porter. Leleus agile Trompete gibt den Ton an, gibt ihn an Antoninis Violine ab. Beide umspielen einander wie Fred Astaire und Ginger Rogers auf der Tanzfläche. Jazzige Impro-Szenen, etwa von Philippe Blard am Bass, geben dem Arrangement frische Impulse. Und leiten über zum Finale, zwei Jazzstücken, die sich ineinander fügen: das sehnsuchtsvolle „’Round Midnight“ von Thelonious Monk und das lässige „A Night in Tunisia“ von Dizzy Gillespie. Am Ende dieser Nacht grundieren rhythmische Effekte auf Streichinstrumenten das flatternde Abschiedsglissando von Romain Leleu.

Das Familienkonzert der Musikfreunde Werne findet am Sonntag, 19. April 2026, in der Marga-Spiegel-Schule statt. Beginn ist um 11 Uhr. Die Musiker Margarita Lebedkina und Timafei Birukov stellen Modest Mussorgskis Meisterwerk „Bilder einer Ausstellung“ für Kinder vor.

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