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Werne. Bis Sonntag, 14. Juni, treffen sich die „Future Champions“ unter den europäischen Spring- und Dressurreitern beim gleichnamigen Turnier in Hagen am Teutoburger Wald. Was für die Großen der CHIO in Aachen, ist für den talentiertesten Nachwuchs das offizielle deutsche Nationenpreisturnier auf dem Hof Kasselmann. Mitten unter den Teilnehmern aus 15 Ländern: Lutz Gripshöver aus Werne.

Mit 15 Jahren gehört der Gymnasiast zu den Jüngsten unter Deutschlands besten U18- Springreitern. Nachdem er sich 2024 mit der Teilnahme an der Europameisterschaft in den Niederlanden und DM-Silber aus der Altersklasse der Children (U14) verabschiedet hatte, wartete ein Übergangsjahr auf ihn. „Der Umstieg war echt schwer, aber inzwischen bin ich da reingewachsen“, sagt Gripshöver junior, der nun die nächsten Sprossen auf der Erfolgsleiter in Angriff nehmen will.

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Dabei profitiert er von maximalem Fachwissen. Der frühere Bundestrainer Kurt Gravemeier coacht den jungen Werner seit einigen Monaten in wöchentlichen Einheiten und vor Ort auf den Turnieren. „Das ist noch einmal ein ganz anderes Training als bei Papa“, sagt der Junior. Es ergänzt die tägliche Arbeit mit seinem Vater, Lutz senior, der einst selbst unter Gravemeier den Sprung in die Top 40 der Weltrangliste geschafft hatte: „Kurt achtet sehr auf die grundlegenden Dinge, viel auf das dressurmäßige Reiten, auf den korrekten Sitz.“

Der frühere Bundestrainer Kurt Gravemeier steht dem jungen Reiter mit Rat und Tat zur Seite. Foto: Rainer Gudra

Dabei steht nicht nur der Reiter im Fokus, denn unter den Sattel bewegt sich ebenfalls ein Jungspund – und ein gerade angeschliffener Rohdiamant. Der erst 8-jährige Hengst Cornet Royal (Cornet Obolensky x Balous Bellini) soll in die Hufspuren seiner Vorgänger Castellino und L.A. Lovely Boy treten – und diese dank der Top-Gene seiner Eltern mehr als nur ausfüllen.

Die gängige Gleichung, in der ein junger Reiter nur mit einem erfahrenen Pferd Erfolg haben kann, wird in diesem Fall außer Kraft gesetzt. „Der Hengst ist sehr brav, im Umgang top, sonst wäre das gar nicht möglich, dass Lutz so ein Pferd reitet. Er hat ihn mit 13 übernommen, da war er ja noch ein Kind. Sie wachsen an- und miteinander“, sagt Mutter Leonie.

„Er kämpft immer, springt gewaltig und will nie Fehler machen. Er hat das Vermögen für ganz oben drüber. Es ist schon ein Glücksfall, ihn zu haben“, lobt der Reiter seinen Sportkollegen, der bereits als 6-Jähriger, präsentiert von Marie Ligges, bei der Weltmeisterschaft der jungen Pferde in Valkenswaard mit seiner enormen Präsenz die Blicke auf sich zog. Vorteil: „Wir haben ihn selbst gezogen und ausgebildet. Da redet uns keiner rein.“ Dass ein solches Pferd in der Szene Begehrlichkeiten weckt, bleibt nicht aus, ist für die Gripshövers aber mit einem Hinweis auf den „Zweitjob“ des Hengstes nur über die Decktaxe verhandelbar: Cornet Royal ist parallel in der Zucht im Einsatz.

Die Saison 2026 ist für Gripshöver junior in der schweren Klasse bisher erfolgreich verlaufen: Zum Auftakt gab es Rang zwei mit dem deutschen Team im U18-Nationenpreis in Tschechien, dies verbunden mit einer Doppel-Null und entsprechender Platzierung im Grand Prix. Im folgenden Preis der Besten in Warendorf, neben der DM die wichtigste nationale Bühne für die Talente, belegte Gripshöver den sechsten Platz in der U18-Gesamtwertung. Bitter: Im ersten Umlauf der zweiten Wertungsprüfung rutschte er mit einem Fuß aus dem Steigbügel, und: „Ich habe ihn einfach nicht wieder rein gekriegt.“ Trotz des Handicaps ließen er und Cornet Royal die Zwei- und Dreifachkombi sowie dazwischen die Mauer fehlerfrei hinter sich. Erst danach wurde es an einem Oxer zu eng. Das habe ihn zwar „ein noch besseres Ergebnis gekostet“, nicht aber den Platz im Notizbuch von Bundestrainer Eberhard Seemann, der ihn schließlich für die „Future Champions“ nominierte.

Vorrangig für den weiteren Saisonverlauf bleibt die Qualifikation für die DM im rheinland-pfälzischen Zeiskam. Die Europameisterschaft sei kein Thema, denn: „Sie kommt noch zu früh. Für die Juniorenzeit ist das aber ein Ziel. Wer unter den Umständen Sechster beim Preis der Besten wird, der ist gar nicht so weit davon entfernt“, sagt Lutz senior, der einst in den Altersklassen U18 und U21 selbst EM-Gold gewonnen hat.

Die Saison ist für Lutz Gripshöver bislang sehr erfolgreich verlaufen. Foto: Rainer Gudra

Auch wenn sich derzeit der Fokus nur von Springen zu Springen und von Turnier zu Turnier verschiebt: Dieser Sport erfordert Weitblick. So ist die erfolgreiche Zuchtlinie, aus der Cornet Royal stammt, bereits für die kommenden zehn, 15 Jahre gesichert. Eine 7-jährige, hoch veranlagte Vollschwester wird auf den großen Sport vorbereitet, eine weitere kam erst in diesem Mai in Lenklar zur Welt. Und dass der Junior vor dem familiären Hintergrund seinen Sport auch zu seinem Beruf machen möchte, liegt auf der Hand. Das Schulpraktikum absolvierte er jüngst in Pfungstadt bei der Weltklasse-Reiterin Sophie Hinners – inklusive Arbeit im Sattel ihrer Spitzenpferde sowie mit der Erkenntnis, „dass auch die Besten der Welt nichts geschenkt kriegen“ und sie sich die wenigen Auftritte auf der ganz großen Bühne erst einmal an vielen, sehr vielen Zwölf-Stunden-Arbeitstagen verdienen müssen.

Über allem aber steht erst einmal ein Wunsch des Reiters für sich und sein Pferd: „Gesund bleiben, nicht verletzen.“ Es ist die grundlegendste Voraussetzung für Erfolg.

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