Kniehohes Gras, vermooste Wege – Grünpflege des Friedhofs in der Kritik

Anzeige

Werne. Der katholische Friedhof am Südring in Werne ist eine stadtbildprägende Gedenkstätte, die in direkter Nachbarschaft zum Stadtpark von Angehörigen und Besucher/innen auch wegen ihres eigenen Park-Charakters gern genutzt wird.

Was inzwischen aber oftmals kritisch wahrgenommen wird, ist der Zustand der Grünpflege. So beschwerten sich zuletzt Leser/innen von WERNEplus über wucherndes Gras auf und vor leeren Grabstellen und zum Teil stark vermooste Nebenwege.

„In anderen Städten geht man gerne über den Friedhof, doch der in Werne ist eine Zumutung, ja, ein regelrechter Schandfleck“, ärgert sich Sabine Anoumou schon lange über den Zustand einiger Bereiche. Beschwert habe sie sich schon vor fünf Jahren und danach immer wieder. Geschehen sei nichts. „Die Hauptwege sind in Ordnung, aber an den Nebenwegen steht teilweise kniehoch das Unkraut. Da würde es doch reichen, einmal mit dem Rasenmäher drüber zu gehen“, sagt die 60-Jährige und zeigt Fotos, die ihre Beschreibungen bestätigen. 

Auf Nachfrage der WERNEplus räumten Dechant Jürgen Schäfer, Michaela Schulte (Verwaltungsreferentin) und Paul Kerzel (Kirchenvorstand Friedhofsausschuss) am Mittwoch, 17. Juni 2026, die offensichtlichen Mängel am Erscheinungsbild des Friedhofs ein: „Eine absolute Katastrophe.“

Wandel in der Bestattungskultur – Kostenanstieg bei sinkenden Einnahmen

Ursache der Entwicklung ist ein allgemein deutlich verändertes Bestattungskultur weg von der Erdbestattung hin zu Urnengräbern, deren Anteil bei der Wahl der letzten Ruhestätte heute bei 70 bis 80 Prozent liegt. Hinzu käme, dass Bestattungen im Friedwald oder auf See in Konkurrenz zu jenen auf dem Friedhof träten, so der Dechant.

Gras und Moos breiten sich speziell auf den Nebenwegen massiv aus.
Gras und Moos breiten sich speziell auf den Nebenwegen massiv aus.

Für die Pfarrgemeinde St. Christophorus bedeutete dies ein Anstieg der Kosten einerseits und geringere Einnahmen andererseits. Angesichts der sinkenden Einnahmen ließen sich die laufenden Kosten für die Instandhaltung und Pflege des Friedhofs – dazu gehören unter anderem die regelmäßige Pflege der Grünflächen, die Instandhaltung von Wegen, die Pflege der Hecken und Bäume – nicht mehr decken. Vom Bistum Münster sei die Aufforderung gekommen, das Pflegevolumen zu verringern, erläuterte Jürgen Schäfer, qua Amt Vorsitzender des Kirchenvorstands, den Einschnitt. Die Entscheidung dazu hatte man im April 2025 veröffentlicht.

Überprüfung der Pflegeintervalle

„Der Friedhof ist einfach sehr groß und viele Gräber werden zurückgegeben“, schilderte er. In vielen Reihen an den Nebenwegen bleiben zwischen den belegten immer mehr Lücken, ein Befund, der den Pflegeaufwand erhöht. Gleichwohl ist man beim Kirchenvorstand ebenfalls unzufrieden mit dem Status quo, hieß es zu der berechtigten Kritik: „Wir überprüfen alle Lösungsansätze, die zur Verfügung stehen“, hieß es.

Einer davon sei es beispielsweise, größere zusammenhängende Teile in eine Parkfläche umzuwandeln. Am ehesten sei das im Friedhofsbereich zur Seite der Freilichtbühne hin denkbar. Allerdings sei dies auch keine schnelle Lösung, da die Liegezeiten der Grabstätten erfüllt werden müssen, erläuterte Jürgen Schäfer. Auch sollen die Pflegeintervalle überprüft werden.

Der Kirchenvorstand sichert Überprüfung der Pflegeintervalle zu.
Der Kirchenvorstand sichert Überprüfung der Pflegeintervalle zu.

Beschwerden über den Pflegezustand des Friedhofes, die auch beim Kirchenvorstand eingingen, nehme man sehr ernst, betonte Verwaltungsreferentin Michaela Schulte, und wirbt im Antwortschreiben um Verständnis:

Kirchengemeinde antwortet auf Beschwerden

„Zugleich nehmen wir Ihren Unmut sehr ernst und bedauern, dass unsere Antwort sowie der Zustand des Friedhofs weiterhin Grund zu berechtigter Kritik gibt, sowie auf Unverständnis und Verärgerung stößt.“

„Der Kirchenvorstand hat die Beschwerden zum Anlass genommen, die bestehenden Strukturen nochmals umfassend zu überprüfen und konkrete Maßnahmen einzuleiten. Hierzu gehört, in Zusammenarbeit mit dem Bistum, insbesondere die zeitnahe Überprüfung der Vergabe der Pflegeleistungen, mit dem Ziel, eine verlässlichere und regelmäßige Pflege des Friedhofs sicherzustellen. Die entsprechenden Abstimmungen hierzu laufen bereits und sollen kurzfristig zum Abschluss gebracht werden.“

„Darüber hinaus werden die bisherigen Pflegeintervalle überprüft und – soweit es die Rahmenbedingungen zulassen – ausgeweitet. Ergänzend ist vorgesehen, die Ausführung der Pflegeleistungen engmaschig zu kontrollieren, um festgestellte Mängel schneller beheben zu können.“

„Wir möchten dabei nicht verschweigen, dass die wirtschaftliche Situation sowie die nur begrenzt zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel die Umsetzung einer in jeder Hinsicht optimalen Pflege erschweren. Gleichwohl ist es unser ausdrückliches Ziel, die vorhandenen Ressourcen so einzusetzen, dass eine spürbare und nachhaltige Verbesserung des Pflegezustands erreicht wird.“

„Wir sichern Ihnen zu, dass die genannten Maßnahmen mit Nachdruck verfolgt werden und erste Verbesserungen zeitnah sichtbar werden sollen.“

Der Friedhof ist Gedenkstätte und zentraler Punkt. Mitglieder des Hospizvereins Werne laden zu wiederkehrend zu Friedhofsgesprächen ein. Foto: privat
Der Friedhof ist Gedenkstätte und zentraler Punkt. Mitglieder des Hospizvereins Werne laden wiederkehrend zu Friedhofsgesprächen ein. Foto: privat

„Es wird perspektivisch besser“, stellte Jürgen Schäfer ein positive Entwicklung bis zum Sommer 2027 in Aussicht. Der Friedhof sei ein zentraler Punkt und werde parkähnlich genutzt, wies er auf dessen Wert ale Begegnungsstätte und nannte das Beispiel des Hospizvereins Werne hin, dessen Mitglieder wiederkehrend Trauernde zu unverbindlichen Gesprächen auf der Bank am großen Kreuz einladen.

Weitere Artikel von Werne Plus

Diebstahl bei Rentnern in Werne: Haushaltshilfe vor Gericht

Werne. Eine Reinigungsfrau aus Werne soll ein Rentner-Ehepaar bestohlen haben. Deswegen musste sich die 35-Jährige am Mittwoch (28. Oktober 2026) vor dem Amtsgericht Lünen...

WSC feiert Saisonsieg Nummer zwei – Pokalspiel doch im Lindert

Werne. Fünf Tage nach dem ersten Dreier der Saison hat Fußball-Landesligist Werner SC nachgelegt: Beim neuen Schlusslicht Westfalia Gemen siegte das Team von Pascal...

In der Jugendhilfe-Kita Tillo wächst der Zaubergarten weiter

Werne. Ein besonderer Ort für kleine Entdeckerinnen und Entdecker entsteht: Der Zaubergarten der Kita Tillo nimmt nach und nach Gestalt an. Mit viel Engagement...

Sim-Jü 2026: Polizei zieht positive Bilanz nach vier friedlichen Kirmestagen

Werne. Die Kreispolizeibehörde Unna zieht nach der diesjährigen Sim-Jü-Kirmes eine positive Bilanz. Das traditionelle Volksfest, das von Samstag (24.10.2026) bis Dienstag (27.10.2026) in Werne...