375 Menschen schreiben Wallfahrtsgeschichte

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Werne/Werl. 350 Jahre Wallfahrt – und die Tradition lebt. Mehr denn je. Am letzten Augustwochenende machten sich 375 Pilgerinnen und Pilger von Werne auf den 33 Kilometer langen Weg nach Werl.

Damit erreichte die 350. Fußwallfahrt die höchste Teilnehmerzahl seit 1986. Besonders erfreulich: Unter den Wallfahrerinnen und Wallfahrern waren auffallend viele Kinder und Jugendliche.

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Bei nahezu idealem Pilgerwetter mit Temperaturen um 22 Grad zeigte sich eindrucksvoll, was diese Wallfahrt seit Jahrhunderten ausmacht: Menschen machen sich gemeinsam auf den Weg – betend, singend, schweigend, im Gespräch und getragen von einer besonderen Gemeinschaft.

Blaues Zeichen der Gemeinschaft

Schon bei der ersten Rast in Pelkum wartete eine besondere Überraschung auf die Pilgerinnen und Pilger. Jeder erhielt ein Halstuch in traditionellem Blau, der Farbe der Werner Wallfahrt. Aufgedruckt war das Symbol der Wallfahrt.

Schnell wurde das blaue Tuch zum sichtbaren Zeichen der großen Pilgergemeinschaft. Über viele Kilometer hinweg waren die Tücher zu sehen und verliehen der Gruppe ein einheitliches und verbindendes Erscheinungsbild. Was als kleine Aufmerksamkeit gedacht war, wurde damit zu einem echten Markenzeichen der Jubiläumswallfahrt.

Ab Drechen schloss sich Weihbischof Rolf Lohmann aus dem Bistum Münster der Gruppe an und begleitete die Pilger auf dem letzten Abschnitt nach Werl. Auch Provinzial Helmut Ratkowski von den Kapuzinern bewies besondere Ausdauer und legte die gesamte Strecke zu Fuß zurück.

Für eine ganz besondere Begegnung sorgte Bruder Harald, der ehemalige Guardian des Kapuzinerklosters und Vorgänger von Bruder Laurentius. Er war eigens aus Irland angereist, um das 350. Jubiläum mitzufeiern und die gesamte Strecke mit den Werner Pilgerinnen und Pilgern zu gehen. Seine Teilnahme zeigte eindrucksvoll, dass die Verbundenheit mit Werne, der Wallfahrt und den Kapuzinern weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinausreicht.

Die Pilgerinnen und Pilger aus Werne bei ihrer Ankunft in Werl.

Herzlich willkommen in Werl

Gegen 14.15 Uhr erreichten die Pilgerinnen und Pilger Werl. Dort wurden sie vom Wallfahrtsteam, Fahnenabordnungen anderer Wallfahrten aus Much, Warstein, Olpe und Arpe sowie den beiden Schützenvereinen Baaken und Bürgerschützen empfangen.

Wegen der Bauarbeiten in der Werler Fußgängerzone führte der Einzug diesmal über den Marktplatz zur Basilika. Anschließend blieb Zeit für Begegnung. Im Garten der Basilika trafen sich Pilgerinnen und Pilger, Freunde und Unterstützer der Wallfahrt bei Eis und gegrillten Würstchen. Erinnerungen an vergangene Wallfahrten wurden ausgetauscht und neue Geschichten geschrieben. Mehr als 100 Gläubige blieben über Nacht im Pilgerkloster.

Neues Votivbild zum Jubiläum

Ein besonderer Höhepunkt war die Segnung und Übergabe des neuen Votivbildes. Das von der Werler Künstlerin Martina Dörfler gestaltete Bild verbindet die lange Geschichte der Wallfahrt mit ihrer Gegenwart. Pilgerinnen und Pilger, der gemeinsame Weg und das traditionelle Vortragekreuz greifen die wesentlichen Elemente der Wallfahrt auf.

Das Bild hat unter den Arkaden auf dem Vorplatz der Werler Basilika seinen dauerhaften Platz gefunden. Vor Beginn der traditionellen Lichterprozession segnete Weihbischof Rolf Lohmann das neue Votivbild und übergab es offiziell an das Wallfahrtsteam.

Die anschließende Lichterandacht mit Festpredigt wurde musikalisch vom Posaunenchor Rhynern-Drechen gestaltet. Im Schein der Kerzen wurde die jahrhundertealte Tradition der Wallfahrt besonders eindrucksvoll spürbar.

In Werl wurde die Abschlussandacht gefeiert, bevor es zurück nach Werne ging.

Festhochamt und eine besondere Ehrung

Am Sonntagmorgen war die Basilika zum Festhochamt gut gefüllt. Weihbischof Lohmann dankte allen, die sich auf den Weg gemacht hatten – stellvertretend auch für die vielen Menschen, die nicht selbst mitgehen konnten. Organist Gregor Zumholz und das Bläsercorps Werne übernahmen die musikalische Gestaltung.

Vor dem Aufbruch der Rückwallfahrt wurde Gregor Zumholz von Wallfahrtsleiter Bernd Haase und Weihbischof Lohmann für seine jahrzehntelange Verbundenheit geehrt. Bereits 1957 war er erstmals mit nach Werl gepilgert.

Rund 120 Pilgerinnen und Pilger machten sich anschließend auf den Rückweg nach Werne.

Überraschungen auf dem Rückweg

Nach der Überquerung der Dortmundstraße wartete eine willkommene Erfrischung: Die Pilger wurden mit Eis überrascht. Durch die Lippwiesen ging es weiter Richtung Werne.

Die größte Überraschung folgte am Ende der Lippestraße. Dort wartete das Werler Wallfahrtsteam mit einer Nachbildung der Werler Gnadenmutter. Die Statue wurde der Pilgergruppe vorangetragen und begleitete sie beim Einzug in die Klosterkirche.

Das Bläsercorps Werne stimmte den traditionellen Gesang „O Königin, o milde Frau!“ an. Zahlreiche Werner Bürgerinnen und Bürger begrüßten die Rückkehrer in der Fußgängerzone und begleiteten sie zum Kapuzinerkloster.

Mit der abschließenden Andacht fand die Jubiläumswallfahrt ihren feierlichen Abschluss. Guardian Bruder Laurentius dankte allen Helferinnen und Helfern, Gebetsleitern, Kantoren, dem Deutschen Roten Kreuz und allen weiteren Unterstützern. Sein besonderer Dank galt dem Wallfahrtsausschuss unter der Leitung von Klemens Pieper, der das Jubiläumsjahr vorbereitet und organisiert hatte.

Eine Stadt trägt ihre Wallfahrt

Dass die Wallfahrt in Werne einen besonderen Stellenwert besitzt, wurde im Jubiläumsjahr auf vielfältige Weise sichtbar. Die Verbundenheit der Werner Bevölkerung mit der Wallfahrt und den Kapuzinern zeigte sich bei zahlreichen Veranstaltungen, bei den vielen Begegnungen – und nicht zuletzt in einer beeindruckenden Spendenbereitschaft.

Denn eine Jubiläumswallfahrt in dieser Größenordnung wäre ohne die finanzielle Unterstützung vieler Menschen überhaupt nicht möglich. Die große Spendensumme ist deshalb weit mehr als eine finanzielle Hilfe. Sie ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Werner Bevölkerung hinter ihrer Wallfahrt und dem Kapuzinerkloster steht und bereit ist, Verantwortung für diese jahrhundertealte Tradition zu übernehmen.

Ein Jubiläumsjahr voller Begegnungen

Die Fußwallfahrt bildete den Höhepunkt eines abwechslungsreichen Jubiläumsjahres. Bereits beim Genussfrühling informierte der Wallfahrtsausschuss über die Geschichte und das Jubiläumsprogramm. Eine Festschrift zum 350. Jubiläum ließ die Geschichte der Wallfahrt lebendig werden.

Eine Maiandacht im Kloster mit anschließendem Beisammensein im Klostergarten, ein Familiengottesdienst in Maria Frieden und eine Predigtreihe in den Werner Kirchen setzten weitere Akzente. Beim Plätzerfest konnten sich Interessierte ebenfalls über die Wallfahrt informieren.

Ein besonderer Höhepunkt war der Auftritt von Willibert Pauels, dem „Bergischen Jung“, mit seinem Programm „Kirche, Kölsch, Karneval – von der heilenden Kraft der anderen Perspektive!“.

Im Stadtmuseum wurde außerdem die Sonderausstellung „350. Fußwallfahrt Werne-Werl“ gezeigt. Historische Exponate, Fotografien und Erinnerungsstücke wurden durch die LEGO-Ausstellung „Mit Maria unterwegs“ des Werler Wallfahrtsteams ergänzt.

Eine Premiere gab es schließlich auch: Erstmals führte parallel zur Fußwallfahrt eine gemeinsame Radwallfahrt von Werne nach Werl.

Die Verantwortlichen des Wallfahrtausschusses bei ihrer Rückkehr in der Klosterkirche.

350 Jahre – und kein bisschen müde

Die Jubiläumswallfahrt hat eindrucksvoll gezeigt, dass eine jahrhundertealte Tradition keineswegs selbstverständlich weiterlebt. Sie muss von jeder Generation neu angenommen und mit Leben gefüllt werden.

375 Menschen auf dem Hinweg, darunter erfreulich viele Kinder und Jugendliche, rund 120 auf dem Rückweg, ein neues Votivbild, zahlreiche Veranstaltungen und unzählige Begegnungen sind dafür ein eindrucksvoller Beleg.

Die Teilnahme von Bruder Harald aus Irland, die Begleitung durch Weihbischof Rolf Lohmann, das Engagement der Kapuziner, der Einsatz unzähliger Ehrenamtlicher und die große Spendenbereitschaft der Werner Bevölkerung zeigen: Die Wallfahrt ist ein Stück Werne. Sie ist gelebter Glaube, Gemeinschaft, Erinnerung und Aufbruch zugleich.

Und vielleicht liegt genau darin das Geheimnis ihrer 350-jährigen Geschichte: Immer wieder Menschen einzuladen, sich auf den Weg zu machen – und immer wieder Menschen zu finden, die diesen Weg mittragen.

„Wenn es dir gut tut, dann komm‘!“ – 375 Menschen haben darauf in diesem Jubiläumsjahr ihre ganz persönliche Antwort gegeben.

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