Werne. Dortmund, Düren, Köln, Münster: In vielen NRW-Städten gibt es unterschiedliche Bettelverbote. Nun möchte Kay Hirschhäuser das Thema auch für Werne aufgreifen. Anfang September stellte er an Bürgermeister Lars Hübchen den Antrag, die Einrichtung von Bettelverbotszonen in bestimmten Bereichen der Innenstadt im Ausschuss und Rat zu prüfen. Gleichzeitig sollen Hilfsangebote für Menschen in Not konzipiert werden.
Hintergrund sind Beschwerden aus der Bevölkerung, die ihn erreichten. Und das nicht nur einmal, wie er im Gespräch mit WERNEplus sagte. „Mir wurde geschildert, wie Passanten von Bettelnden beschimpft oder sogar bis zu ihrem Parkplatz regelrecht verfolgt worden sind.“ Besonders betroffen sei die City Mall (Center an der Horne) am Konrad-Adenauer-Platz. Von älteren Mitbürgern wisse er, dass sie dort wegen Belästigungen durch aggressives Betteln nicht mehr einkauften.
Was genau aggressives Betteln ist, wird von Stadt zu Stadt unterschiedlich definiert. Hirschhäuser bezieht sich in seinem Antrag auf das von der Stadt Aachen entwickelte Konzept „Integriertes Konzept für Attraktivität und Sicherheit“. Es biete „eine fundierte Grundlage, um diesen Problemen zu begegnen“. In diesem Kontext hat die Stadt Aachen genau definiert, dass Betteln durch aktives Ansprechen untersagt sei, ebenso das Versperren des Weges, Verfolgen, Festhalten, Anfassen, sonstiges aufdringliches oder einschüchterndes Verhalten.
Hirschhäuser geht es auch darum, in Werne folgende Formen des Bettelns einzudämmen: organisiertes Betteln, Betteln unter Vortäuschen körperlicher Behinderungen und unter Verwendung nicht gebrauchsfähiger Musikinstrumente sowie das Betteln mit Kindern oder durch Kinder. In der Stadt bestehen bereits Verbote gegen aggressives Betteln zum Schutz von Verkehrsflächen und Anlagen. Die bestehenden Vorschriften möchte Hirschhäuser jedoch auf den Prüfstand stellen. Er regt eine Anpassung an, „die ein Bettelverbot in einem definierten Radius von fünf Metern um neuralgische Punkte wie Geldautomaten, Haltestellen, Geschäfte und Restaurants vorsieht“. Was Hirschhäuser auch persönlich stört, ist das Betteln vor Kirchen zu Gottesdienstzeiten. „Wenn man dort direkt angebettelt wird, zwingt das die Leute in Notentscheidungen.“
Die Problematik seines Antrags sei ihm bewusst. „Menschen in Not haben das Recht, um Hilfe zu bitten.“ Daher lehne er ein Modell wie in Dortmund ab. Dort ist seit August „jegliches“, also auch das stille Betteln im Umkreis von fünf Metern um Tische und Stühle von Cafés und Restaurants verboten. „Das trifft die Falschen“, sagt Hirschhäuser und fordert die Verwaltung daher auf, ein umfassendes Konzept für eine Kommunikations- und Sensibilisierungskampagne zu entwickeln. Vorbild ist Aachen. Dort greifen Verbote und Hilfe ineinander. Beispielsweise ist das stille Betteln zwar auch an Brennpunkten wie dem Dom verboten, andererseits wurden Teams von Streetworkern verstärkt und ein Spendentaler als Ersatzwährung eingeführt. Der kann von Bedürftigen an bestimmten Stellen zum Beispiel gegen Essen eingetauscht werden.





















