Werne. Die Frage „Ja, wo laufen sie denn, wo laufen sie denn hin?“ kennen viele Menschen noch aus einem Zeichentrick-Sketch von Loriot. Auf Sim-Jü stellt sich diese Frage seit Jahrzehnten nicht, denn wenn die Pferde auf dem größten Volksfest an der Lippe laufen, dann beim Kentucky-Derby von Schausteller Ralf Malfertheiner.
Seit mehr als 30 Jahren kann beim Pferderennen „Kentucky-Derby“ auf der Mega-Kirmes in Werne mitgespielt und mitgefiebert werden. Den Job als Schausteller übt Ralf Malfertheiner seit über vier Jahrzehnten aus. Die Schule verließ er mit 16 Jahren, dann folgte nahtlos der Einstieg in den elterlichen Schaustellerbetrieb. Acht Jahre später wagte Malfertheiner dann den Schritt in die Selbstständigkeit.
„Seit dieser Zeit bin ich mit dem Kentucky-Derby unterwegs. In der Regel mit 15 Stationen im Jahr. Mal ist das ein Wochenende, mal aber auch 16 Tage am Stück“, erklärt der 60-Jährige, der beim Stopp in der Lippestadt unter anderem von seiner Lebensgefährtin Marion und Sohn Marlon unterstützt wird. Der 30-Jährige stellt bereits die siebte Generation der Kirmes-Familie aus Düsseldorf und soll das Ganze irgendwann einmal weiterführen.
Das Spielgeschäft, bei dem die mechanischen Pferde in Bewegung gebracht werden, wenn die Teilnehmenden kleine Bälle gezielt in Löcher auf einer Schrägfläche rollen, war erst wenige Jahre alt, als es zur Familie Malfertheiner gewechselt ist. „Mein Vater hat es damals gekauft. Ich habe es dann irgendwann übernommen“, schildert der Schausteller.

Mindestens einen Tag benötigt die Familie, um das Ganze spielfertig aufzubauen. Neben dem Auspacken und der Präsentation der Gewinne gehört auch eine Reinigung und der Austausch von defekten Lichtquellen dazu. „Mehr Zeit ist immer noch besser, damit alles hundertprozentig ist“, erklärt Malfertheiner. Die Ausstattung der klassischen Kirmes-Attraktion ist mit den Jahren moderner geworden, so wird die Rennbahn längst mit LED-Beleuchtung in Szene gesetzt. „Das Licht hält nicht nur länger, sondern hilft auch beim Einsparen der Energie, die in den vergangenen Jahren kontinuierlich teurer geworden ist“, sagt der Mann, der mit Begeisterung auch die Rennen kommentiert.
Eine Kugel in das rote Loch bringt das Pferd drei Schritte voran, blau zwei und gelb immerhin einen Schritt. Unübersehbar an dem Spielgeschäft angebracht ist der Hinweis, dass das Spielen über Bande nicht erlaubt ist. Ziel ist es, der gesamten Bahn so ein längeres Leben zu bescheren. „Einige wenige schlagen die Kugeln sonst regelrecht in die Bahn ein, dann kann schon mal etwas kaputt gehen. Deshalb ist das verboten.“
Zudem helfe das Bandenspiel nicht dabei, Jockey und Pferd schneller ins Ziel zu bringen. „Wer gewinnen möchte, braucht viel Gefühl und muss die Ruhe bewahren. Am besten ist es, immer wieder mit demselben Rhythmus die Kugel in die Mitte zu rollen“, verrät Malfertheiner. Da es in dieser Disziplin offenbar einige Profis mit ruhiger Hand gibt, gilt beim Derby eine weitere Regel: Wer zweimal hintereinander gewinnt, muss danach für drei Runden aussetzen. Schließlich sollen die anderen Menschen, die Pferde ins Rennen schicken, nicht das Interesse am Spiel verlieren.
Auf die Rückkehr nach Werne freut sich der Düsseldorfer. „Die Leute sind kirmes-verrückt und das Ganze ist in der Stadt immer ein gutes Miteinander“, betont der 60-Jährige. Einige der Stammbesucher kommen aber nicht nur während Sim-Jü zum Kentucky-Derby. „Ich kenne einige Leute aus Werne, die besuchen uns ebenso zur Cranger Kirmes oder in auch Düsseldorf. Das ist immer schön, wenn man sich wiedersieht, selbst wenn ich nicht immer Zeit für ein spontanes Pläuschchen habe.“
Nach dem das beliebte Spielgeschäft in Werne nach dem Event wieder abgebaut ist, geht es direkt weiter zur Allerheiligenkirmes nach Soest. Zu Ende ist die Saison dann noch immer nicht, denn danach ist der Schausteller mit seiner Glühweinbude bis zum 30. Dezember in der Düsseldorfer Altstadt zu finden.

















