Freitag, März 20, 2026

3D-Betondruck-Verfahren: Europa-Premiere in Capelle

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Capelle. In der Gemeinde Nordkirchen könnte bald das europaweit erste öffentliche Gebäude entstehen, das im 3D-Betondruck-Verfahren errichtet wurde. Gemeinsam mit dem Architekturbüro Steinhoff aus Capelle, dem Spezialunternehmen Peri und dem SC Capelle plant die Gemeinde, das neue Vereinsheim des Sportclubs mit dieser innovativen Technik zu bauen.

Statt klassisch gemauert oder in Fertigteilen produziert, werden im 3D-Betondruck-Verfahren über eine Düse die Mauern des Gebäudes schichtweise aufgetragen. „Wenn man sich den Grundriss des Gebäudes vorstellt, fährt der Drucker entlang der Wände und bringt den Beton in Schichten auf“, erklärt Architekt Lothar Steinhoff. „Für den Drucker selbst wird vorher eine Traverse aufgebaut, an deren Schienen die Düse entlangfährt“, so Steinhoff weiter.

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Das neue Vereinsgebäude in diesem hochmodernen Verfahren umzusetzen habe gleich mehrere Vorteile, wie Wirtschaftsförderer Manuel Lachmann sagt. Finanziell liege das einerseits an der Fördersumme von rund 200.000 Euro, die vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW bereits in Form eines Bewilligungsbescheids vorliegen. Das sei derzeit die maximale Fördersumme für solche Projekte, wie Bürgermeister Dietmar Bergmann hinzufügt. Weil das Gebäude den KfW-55-Standard erfüllen wird, komme hier außerdem eine weitere Förderung von 95.000 Euro hinzu. Bei Gesamtkosten von rund 970.000 Euro bleiben somit noch 430.000 Euro für die Gemeinde Nordkirchen und 250.000 Euro für den SC Capelle übrig.

Eine konventionelle Bauweise würde bei einem Gebäude dieser Größenordnung rund 920.000 Euro betragen, sagt Lothar Steinhoff.

Ein weiteres Argument für den Bau im 3D-Betondruck-Verfahren ist aus Sicht der Gemeinde Nordkirchen die derzeit einmalige Chance, an einem hochinnovativen Projekt mitzuwirken, das wissenschaftlich von der Technischen Hochschule (TH) Köln begleitet wird. Die Förderung durch das Land sei auch ganz klar an diesen Wissenstransfer gekoppelt, macht der Bürgermeister deutlich.

Als Forschungsprojekt betrachtet schlummerten „fantastische Potenziale und Möglichkeiten, zum Beispiel im Bereich der Technologie und neuer Berufsbilder“ in dem geplanten Neubau, macht Lothar Steinhoff deutlich.

Nordkirchens Bürgermeister Dietmar Bergmann (von links), Wirtschaftsförderer Manuel Lachmann, Architekt Lothar Steinhoff, Bauamtsmitarbeiter Michael Baier und Josef Mertens, Vorsitzender des SC Capelle, stellten das innovative Bauprojekt vor. Foto: Gemeinde Nordkirchen

Voraussichtlich im Sommer 2022 soll der 3D-Betondrucker mit der Arbeit an dem zweigeschossigen Vereinsheim mit rund 330 Quadratmetern Nutzfläche plus einer Dachterrasse von rund 85 Quadratmetern beginnen.

Die Druckzeit beträgt rund sechs bis sieben Wochen, das Projekt soll aber nicht nur der Forschung neues Wissen vermitteln. „Der Prozess soll für alle erlebbar werden“, kündigt Lothar Steinhoff an. So sollen auch Schulklassen, Kindergartengruppen und interessierte Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit bekommen, den Bau während geplanter Druckpausen zu besuchen.

Auch Josef Mertens, Vorsitzender des SC Capelle, ist begeistert von den Plänen für das neue Vereinsheim: „Das ist ein ganz tolles Projekt“, macht er aus Sicht des Klubs deutlich. Das neue Vereinsheim ist eingebettet in das Sportstättenkonzept der Gemeinde Nordkirchen, das eine Verkleinerung und Modernisierung der drei großen Sportanlagen in Nordkirchen, Südkirchen und Capelle vorsieht.

Während in Nordkirchen und Südkirchen bereits neue Kunstrasenplätze angelegt wurden, ist jetzt Capelle an der Reihe. Während das neue Vereinsheim 2022 umgesetzt werden soll, ist der neue Kunstrasenplatz für das Jahr 2023 geplant.

Damit das neue Vereinsheim im 3D-Betondruck-Verfahren umgesetzt werden kann, ist noch die Zustimmung der politischen Gremien der Gemeinde Nordkirchen erforderlich.

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