Katharina hat überdauert: Turmführungen zur Glocke

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Werne. Sie hat viel erlebt und überstanden, den Einsturz des Kirchturms ebenso wie Kriege. In diesem Jahr ist die Katharinenglocke 600 Jahre alt geworden. Damit ist sie die älteste Glocke im Geläut der St. Christophorus-Kirche und außerdem die älteste noch existierende in Werne.

Gegossen wurde sie 1423 – und zwar mitten auf dem Kirchplatz, wie Pfarrdechant Jürgen Schäfer erklärt. „Die Jahreszahl steht oben auf der Haube“, ergänzt Küster Marco Hüsing. Erkennen lässt sich das allerdings kaum – oder nur für jene, die völlig schwindelfrei sind. Denn dafür müsste man im Gebälk des Glockenstuhls herum kraxeln.

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Auf sicherem Weg lässt sich die Katharinenglocke bei den Turmbesteigungen, die Schäfer und Hüsing noch während des Weihnachtsmarktes anbieten, nur von unten betrachten. Zu erkennen ist dabei das Relief einer bekrönten Muttergottes mit dem Christuskind. Gegossen wurde es im damals modernen „Weichen Stil“, erkennbar an der üppigen Drapierung des Gewandes mit tiefen, weichen Schüsselfalten. Darin ähnelt dieser Bronzeguss der Strahlenkranz-Madonna im Inneren der Christophorus-Kirche. Sie wird in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert. „Stilistisch ist unsere Katharina mit den großen Marienglocken in Lippstadt und der Überwasserkirche in Münster verwandt“, sagt Schäfer.

Der Glockenguss fiel in jenes Jahr, in dem die Vikarie St. Katharina gestiftet wurde. Diese Stiftung gab der Glocke ihren Namen. Gestiftet wurden Vikarie und Glocke vom Cappenberger Kanoniker Everhard von Werne. Gut zwei Jahrzehnte später, am 9. Oktober 1446, stürzte der Kirchturm des damaligen Gotteshauses ein – wahrscheinlich infolge eines Kampfes während der Soester Fehde. Die Glocke überstand den Zusammenbruch und fand ihren Platz in der neuen Kirche, die Bürgermeister, Stadtrat und der Probst von Cappenberg anschließend errichten ließen.

Marco Hüsing weiß, dass auf der Glockenhaube das Gussjahr zu finden ist: 1423. Damit feiert Katharina in diesem Jahr ihren 600. Geburtstag. Foto: Schwarze
Marco Hüsing weiß, dass auf der Glockenhaube das Gussjahr zu finden ist: 1423. Damit feiert Katharina in diesem Jahr ihren 600. Geburtstag. Foto: Schwarze

Im Lauf der Jahrhunderte erhielt die Katharinenglocke Gesellschaft durch andere Glocken. Im Ersten Weltkrieg wurden zwei von ihnen eingeschmolzen und 1922 ersetzt. Dann kam der Zweite Weltkrieg – und mit ihm 1940 ein Erlass von Generalfeldmarschall Hermann Göring zur Metallspende. Die Kriegsproduktion brauchte das wertvolle Rohmaterial für Kanonen und Geschosse. Im Zuge der erzwungenen Metallsammlungen wurden Tausende Glocken demontiert. „Eine durfte jeweils im Geläut verbleiben“, berichtet Jürgen Schäfer. Die Verantwortlichen in Werne entschieden sich für die denkmalwürdigste Glocke, eben die spätmittelalterliche Katharinenglocke.

Nach Kriegsende sammelten die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Geld und Material für ein neues Geläut. Daraus wurden in der Gießerei „Petit und Edelbrock“ in Gescher vier neue Glocken gegossen. Das neue Geläut war erstmals am Osterfest 1948 zu hören. „Damit sie zu den neuen Glocken passte, wurde Katharina etwas herunter gestimmt“, erklärt Schäfer. So verlor die Glocke etwas von ihrer originalen Klangfarbe. Gestimmt ist sie in der Tonart „es1“. „Zusammen mit den anderen Glocken ergibt das eine Tonalität, die dem Te Deum entspricht“, so Schäfer. Das aktuelle Geläut umfasst acht Glocken. Alle zusammen haben also dieselben Töne wie das Kirchenlied „Großer Gott, wir loben dich.“

Die Katharinenglocke ist die drittgrößte im Geläut der St. Christophorus-Kirche. Foto: Schwarze
Die Katharinenglocke ist die drittgrößte im Geläut der St. Christophorus-Kirche. Foto: Schwarze

Mit 135 Zentimetern Durchmesser ist Katharina die drittgrößte Glocke im Kirchturm. Innerhalb der komplexen Läuteordnung der Kirchengemeinde erfüllt sie, wie jede ihrer Nachbarinnen, eine bestimmte Funktion. Sie übernimmt vor allem in der Weihnachts- und der Osteroktav – also jeweils der Woche nach den Weihnachts- und Osterfeiertagen – das Angelusläuten: um 7 Uhr, um 12 Uhr und um 18 Uhr. „Sie wird nicht so oft angeschlagen, um sie zu schonen“, erklärt Schäfer. Den 600. Geburtstag der Katharinenglocke habe die Kirchengemeinde St. Christophorus bislang nicht gefeiert. „Zunächst stand das Jubiläum der Stadtprozession im Vordergrund.“ 2024 wird dann Katharina gebührend gewürdigt. Angedacht sind bislang ein Vortrag zum Thema „Glocken“ und ein Glockenkonzert.

INFO

Während des Weihnachtsmarktes bietet die Gemeinde täglich eine Turmführung an: also noch am Freitag, 15. Dezember, um 17 Uhr, sowie Samstag, 16. Dezember, und Sonntag, 17. Dezember, jeweils um 15 Uhr. Eine Anmeldung in den Gemeindebüros unter Rufnummer 8026 ist erforderlich. An Heiligabend wird außerdem um 12 Uhr ein Stadtgeläut zu hören sein.

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