Werne. Wut sichtbar machen. Sie nicht als unweibliche Emotion zu brandmarken, sondern als wertvolle Ressource für Veränderungen zu begreifen: Darum ging es am Freitagabend (6. März 2026) beim Auftakt zur Woche des Internationalen Frauentags in Werne.
In der Familienbildungsstätte erhielt die Wut von Frauen den ihr zustehenden Raum. Aloisia Kreienbaum hatte einen Stapel Bücher ausgesucht, aus dem sie verschiedene Formen weiblicher Wut vorstellte.
„Es gab gar nicht so viel Literatur zu diesem Thema, wie ich gedacht hatte“, sagte sie. Eine mögliche Erklärung gab Marga Winkelmann, eine Mitgliedsfrau des Organisationsteams. „Wut wird uns Frauen oft aberzogen“, sagte sie vor Beginn der Lesung zu etwa 30 Zuhörerinnen und einigen Zuhörern. Zu viel, zu laut, zu mächtig wirke diese Emotion. Dabei sei Wut wichtig. Sie signalisiere, wo Dinge nicht im Lot seien.
Bürgermeister Lars Hübchen brachte zur Eröffnung der Werner Frauenwoche ein paar Beispiele aus dem Leben einer Frau mit. Und zwar seiner Frau Dörte Hübchen-Oesterschulze. Sie selbst habe nicht zur Lesung kommen können, obwohl sie gern dabeigewesen wäre. „Aber wir haben heute Abend keine Kinderbetreuung organisieren können“, sagte Hübchen. Verständlich sei angesichts solcher Umstände die Wut über die aktuelle Debatte zur angeblichen Lifestyle-Teilzeit. Oder die Wut darüber, dass Frauen, die ihren Standpunkt vertreten, als zickig gelten. Männer, die dasselbe tun, würden dagegen als selbstbewusst akzeptiert.

Der eigenen Wut auf die Spur zu kommen, dazu lädt das Buch „Weibliche Wut“ ein. Aloisia Kreienbaum ließ die Autorin Almut Schmale-Riedel sprechen: „Ich schätze meine Wut. Sie macht mich lebendig. Sie hilft mir, meine Bedürfnisse zu erkennen.“ Das Buch ermuntert, Varianten von Wut zu erkunden und sie für die Persönlichkeitsentwicklung zu nutzen. „Denn hinter jedem Ärger steckt ein unerfülltes Bedürfnis.“ Außerdem hatte Kreienbaum für ihre Lesung das Buch „Heißer Scheiß“ ausgesucht. Die Autorin Lisa Ortgies arbeitete als Journalistin unter anderem für das politische Magazin „Emma“ und moderiert die Sendung „Frau TV“.
In einem Kapitel erzählt sie von zwei international wirkmächtigen Beispielen weiblicher Wut. Im Oktober 2023 beteiligte sich etwa die Hälfte aller Isländerinnen zusammen mit Männern und nicht-binären Personen am größten Frauenstreik seit 1975. Ärztinnen, Pflegerinnen, Verkäuferinnen und viele mehr legten die Arbeit nieder, um gegen Lohnungleichheit und geschlechtsspezifische Gewalt zu demonstrieren. Szenenwechsel: Aloisia Kreienbaum las vor, wie die Erinnerung von Ortgies in den Iran sprang. Zum Video einer Frau, die auf einem Autodach gegen das Unrechtsregime protestierte – und abgeführt wurde. „Was wäre gewesen“, fragt Ortgies, „wenn diese Frau auf einem Panzer getanzt hätte – den sie hätte bedienen können?“






















