HFA: Diskussion über möglichen Cittaslow-Beitritt

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Werne. Die Verwaltung will einen Beitritt zum internationalen Netzwerk „Cittaslow“ prüfen. Anlass ist ein Bürgerantrag nach § 24 der Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen. Darin fordert Clemens Overmann den Stadtrat auf, sich der Vereinigung lebenswerter Städte anzuschließen. Der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) diskutierte den Vorschlag in seiner Sitzung am Donnerstag (12. März).

Das Netzwerk „Cittaslow“ wurde 1999 in Italien gegründet. Sein Ziel ist es, die Lebensqualität in Städten mit einer Einwohnerzahl unter 50.000 zu verbessern. Leitlinien sind unter anderem eine nachhaltige Umweltpolitik, Gastfreundschaft, eine charakteristische Stadtstruktur, eine typische Kulturlandschaft und regionaltypische Produkte.

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In seinem Antrag argumentierte Overmann, dass Werne bereits viele Merkmale erfülle, die diesen Vorgaben entsprechen: eine historische Innenstadt mit mehr als 100 eingetragenen Bauwerken auf der Denkmalschutzliste, Solebad, Freilichtbühne, Gedenken an jüdische Geschichte, ein Menschenrechtspfad von Amnesty International, regionale Märkte, Naturräume entlang der Lippe und Industriekultur. Der Antrag sieht im Beitritt zum Netzwerk eine Möglichkeit, vorhandene Stärken sichtbarer zu machen und die Entwicklung der Innenstadt mit nachhaltigen Konzepten zu verbinden.

Zustimmung bei den Grünen

Für das Bündnis 90/Die Grünen sprach sich Benedikt Striepens für die Idee aus. Werne sei bereits eine lebenswerte Stadt mit einer Stadtstruktur, die es zu erhalten gelte. Auch der Ansatz, bei der Stadtentwicklung stärker auf Qualität als auf reines Wachstum zu setzen, passe zu bisherigen Konzepten. „Wir haben noch einen richtigen Wochenmarkt“, sagte er mit Blick auf einen der Punkte, die im Cittaslow-Konzept eine Rolle spielen. Striepens verwies auf die Stadt Lüdinghausen, die bereits mit ihrer Mitgliedschaft bei Cittaslow werbe.

Als in der Diskussion das Symbol des Netzwerks – eine Schnecke – kritisch angesprochen wurde, erläuterte Striepens dessen Ursprung: Das Netzwerk orientiere sich an der Slow-Food-Bewegung, die als Gegenbewegung zum Fast-Food-Trend entstanden sei und für bewusstes Essen sowie regionale Produkte stehe.

Vorbehalte bei der FDP

Christoph Dammermann (FDP) äußerte Zweifel an einem Beitritt. Werne solle auf eine dynamische Stadtentwicklung setzen, sagte er. Vor diesem Hintergrund störe ihn die Vorstellung, einem Netzwerk beizutreten, dessen Symbol eine Schnecke sei. Außerdem stellte er infrage, ob eine Mitgliedschaft notwendig sei, um entsprechende Ziele umzusetzen. „Vielleicht bekommen wir die Umsetzung der Punkte auch ohne dieses Netzwerk auf die Beine“, sagte Dammermann. Die FDP-Fraktionsvorsitzende Claudia Lange wollte wissen, ob mit einer Mitgliedschaft konkrete Verbote verbunden seien. Als Beispiel nannte sie die geplante Freizeitanlage „Surfworld“ auf dem Zechengelände. „Die ist ja sportlich und schnell?“

Weitere Prüfung eines Beitritts zu Cittaslow

Ulrich Höltmann (SPD) wies darauf hin, dass der Zertifizierungsprozess „nicht ganz trivial“ sei. Dennoch unterstütze er die Idee, das Thema zunächst im Bereich Stadtmarketing weiter zu prüfen. Auch Jörg Weber (CDU) sprach sich für eine weitere Prüfung aus. Bürgermeister Lars Hübchen sagte, nach seinem Wissen sehe das Netzwerk keine strikten Verbote vor. Grundsätzlich halte er nicht so viel von Zertifikaten, mit denen man nicht mehr machen könne als zu sagen: „Wir haben das.“ Das scheine zwar bei Cittaslow nicht der Fall zu sein. Trotzdem befürworte er, „sich das genau anzuschauen“.

Mit einer ersten Prüfung des Themas wurde Lars Werkmeister beauftragt, der aus seiner früheren Tätigkeit im Stadtmarketing der Stadt Lüdinghausen bereits Erfahrungen mit dem Netzwerk hat. Hübchen: „Wir kommen mit dem Thema dann nochmal wieder.“

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