Feine Klangkunst aus der Zeit des Sonnenkönigs: Ludwig Frankmar in St. Christophorus

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Werne. Die Pfarrkirche St. Christophorus in Werne war am Sonntagabend (19.04.2026) gut besucht, als die Stiftung Musica Sacra Westfalica zu einem besonderen Konzert einlud.

Kantor Dr. Hans-Joachim Wensing eröffnete den Abend mit einführenden Worten und stimmte das Publikum auf ein Programm ein, das sich bewusst jenseits des gängigen Repertoires bewegte.

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Im Mittelpunkt stand die Solomusik für Violoncello aus der Übergangszeit zwischen Renaissance und Barock. Eine Epoche, in der sich das Instrument und seine Ausdrucksmöglichkeiten erst allmählich herausbildeten.

Ludwig Frankmar präsentierte Werke, die selten zu hören sind, und machte gerade darin ihren besonderen Reiz erfahrbar.

Die Ricercaten von Giovanni Battista Degli Antonii und Aurelio Virgiliano wirkten wie musikalische Suchbewegungen: frei, tastend, fast improvisatorisch. Linien entstehen, lösen sich wieder auf, verdichten sich neu zu Momenten von überraschender Klarheit. Frankmar ließ diese Strukturen mit großer Ruhe wachsen und gab ihnen Raum, sich im Kirchenraum zu entfalten.

Einen anderen Charakter hatten die Stücke von Monsieur de Sainte-Colombe. Seine Suite „pour la Basse“ zeigte die expressive Kraft dieser Musik: mal tänzerisch leicht, etwa in Gavotte und Menuet, dann wieder von stiller, fast melancholischer Innigkeit in der Sarabande. Hier wurde deutlich, wie stark diese Musik vom Atem und von der inneren Spannung lebt – Qualitäten, die Frankmar hochsensibel herausarbeitete.

Den Höhepunkt bildete die Suite Nr. 2 in D-Dur von Marin Marais. In ihr verbinden sich Virtuosität und Ausdruck zu einer reifen Form der barocken Solomusik. Die einzelnen Sätze, vom würdevollen Prélude über die frei gestaltete Fantaisie bis hin zu den rhythmisch geprägten Tanzsätzen, entwickelten eine große Bandbreite an Farben. Besonders eindrucksvoll war die Chaconne, in der sich über einem wiederkehrenden Bassmotiv eine vielschichtige Klangarchitektur aufbaute.

Frankmar spielte in bezaubernder Virtuosität auf einem kostbaren fünfsaitigen Barockcello, dessen warmer, nuancenreicher Klang die Kirche füllte, ohne je aufdringlich zu wirken. Seine Interpretation war geprägt von Klarheit, Konzentration und einer tiefen Vertrautheit mit dieser Musik. Er verzichtete ganz bewusst auf vordergründige Effekte und vertraute ganz auf die Ausdruckskraft der Kompositionen.

Das Publikum folgte diesem musikalischen Weg aufmerksam und berührt. Immer wieder war im Anschluss von einem „Ohrenschmaus“, „wunderschöner Musik“ und einem „tollen Künstler“ die Rede. So wurde der Abend zu einer eindrucksvollen Begegnung mit einer oft überhörten Klangwelt: leise, differenziert und von nachhaltiger Wirkung über den Abend hinaus.

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