Werne. Wenn sich in den frühen Morgenstunden Ende August vor der Klosterkirche wieder Hunderte Menschen versammeln, ist das ein vertrautes Bild – und in diesem Jahr doch etwas Besonderes. Denn die Wallfahrt von Werne nach Werl findet zum 350. Mal statt.
Die Kapuziner regten den Pilgerzug 1677 an. Damit waren die Brüder am Puls der Zeit. Denn überregionale Wallfahrten zum Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“, einer spätromanischen Marienfigur, hatten sich erst ab 1661 im Zuge der Gegenreformation etabliert.
Aufgrund ihrer verkehrsgünstigen Lage am Hellweg stand die Salzstadt Werl schnell im Mittelpunkt von Pilgerströmen. 1747 wurden 65.000 Kommunionen ausgeteilt, berichtet Susanne Hansen im Pilgerführer „Die deutschen Wallfahrtsorte“. Die Wallfahrt aus Werne ist eine der ältesten nach Werl. Dass sie bis heute Bestand hat, ist keine Selbstverständlichkeit.
Während des Kulturkampfs im 19. Jahrhundert stand die Wallfahrt unter Druck. Doch der konnte die Tradition ebensowenig brechen wie ein Verbot der Nationalsozialisten. Auch unter der NS-Diktatur gingen die Gläubigen weiter von Werne nach Werl, in kleinen Gruppen, getarnt als Ausflügler.
Eine Beharrlichkeit, die die Wallfahrt überdauern ließ. In den ersten Jahren nach dem Krieg liefen sogar zwischen 600 und 700 Menschen mit. Diese Spitzenwerte wurden seither nicht wieder erreicht. Zwischen 200 und 300 Pilger zählen die Organisatoren in der Regel. Auf den Weg machen sich Frauen, Männer und Kinder, Junge und Ältere aus unterschiedlichen Motiven: Raus aus dem Alltag wollen die einen, ihren Glauben vertiefen die anderen. Andere setzen eine jahrzehntelange Familientradition fort – und reisen dafür auch schon einmal Hunderte Kilometer an. Eines aber hört man immer wieder aus Gesprächen heraus: Die Werl-Wallfahrer aus Werne erleben sich als große Familie. „Es ist eine Gemeinschaft, die trägt“, sagt eine Frau.

Dieses Erlebnis verdankt sich auch der akribischen Organisation im Vorfeld. Der Wallfahrtsausschuss ist ein eingespieltes Team. Und das rotiert bereits seit mehr als einem Jahr um die Jubiläumswallfahrt am 29. und 30. August. Seit Februar ist Bruder Laurentius, der neue Guardian des Kapuzinerklosters in Werne, mit von der Partie. Am 28. Mai wird zu einer Maiandacht eingeladen. Anschließend findet ein gemütliches Treffen bei Würstchen und Kaltgetränken zur Musik des Bläsercorps Werne statt. Im Juni folgt eine Predigtreihe zum Jubiläum, ergänzt durch eine Sonderausstellung im Heimatmuseum vom 5. Juli bis 14. August. Zur Eröffnung der Ausstellung wird am 5. Juli um 9.30 Uhr ein Festgottesdienst im Kloster gefeiert. Eine Festschrift befindet sich ebenfalls in Vorbereitung und soll rechtzeitig zur Maiandacht erscheinen. Darüber hinaus werden derzeit die Werner Vereine eingeladen, die Pilger auf ihrem Weg nach Werl zu begleiten oder sie bei ihrer Rückkehr willkommen zu heißen.
Übrigens: Rein rechnerisch liegen zwischen 1677 und 2026 zwar 349 Jahre, trotzdem wird in diesem Sommer die 350. Wallfahrt gefeiert. Der Grund: Gezählt wird nicht die Zahl der Jahre, sondern die der Wallfahrten. Die erste Prozession im Jahr 1677 gilt bereits als Nummer 1 – und so steht 2026 im Zeichen der 350. Pilgerreise von Werne nach Werl.
Weitere Informationen: www.wallfahrt-werne-werl.de






















