Montag, Juli 15, 2024

Eheleute Schumacher engagieren sich im Sozialkaufhaus in Herbern

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Herbern (pbm/mek). Das große Schaufenster gibt den Blick frei ins Innere des Sozialkaufhauses. Seit Mitte Februar können Menschen, die von Transferleistungen leben müssen, in Herbern bei Hubert Schumacher und seinem Team einkaufen.

Egal ob Kinder-, Damen- oder Herrenbekleidung, Schuhe, Spielzeug, Gläser oder Geschirr. Für kleines Geld halten die Ehrenamtlichen in ihrem zentral gelegenen Ladenlokal einiges vor. „Und wir haben sogar eine Umkleidekabine mit Spiegel“, sagt Maria Schumacher nicht ohne Stolz. Das Ehepaar engagiert sich seit vielen Jahren. Hubert Schumacher im Sozialkaufhaus, Maria Schumacher in der Flüchtlingshilfe St. Lambertus Ascheberg und im Sozialkaufhaus.

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Das hat seinen Grund, denn entstanden ist das erste Sozialkaufhaus 2015 aus der Flüchtlingshilfe heraus. „Als der erste Flüchtling im April vor sieben Jahren bei kalter Witterung in kurzer Hose vor mir stand, war mir klar, dass wir etwas tun müssen“, berichtet Maria Schumacher.

Doch nach fünf Jahren mussten die Engagierten den Betrieb einstellen. „Wir haben zweieinhalb Jahre nach einer neuen Lokalität gesucht. Das war nicht einfach. In Herbern sind wir fündig geworden“, freut sich Hubert Schumacher. Mit dem Umzug fand auch ein Wechsel des Trägers statt. „Seit Jahresbeginn ist der Caritasverband für den Kreis Coesfeld unser Träger. Das hat unter anderem den Vorteil, dass wir nun von der Umsatzsteuer befreit sind“, erklärt der 71-Jährige. Begleitet wurde er von Vinzenz Mersmann, der den Bereich der Gemeindecaritas betreut. „Für uns war das Sozialkaufhaus, das als örtliches Ehrenamtsprojekt aufgebaut ist, auch Neuland. Wichtig ist allen Beteiligten, dass das Angebot seine Selbstständigkeit behält und möglichst viel Verantwortung vor Ort bleibt“, erklärt er. Und Schumacher fügt hinzu: „Der Übergang hat sehr gut geklappt. Für uns ist es eine große Erleichterung, und es gibt uns das Gefühl von Sicherheit.“

Vincenz Mersmann vom Caritasverband für den Kreis Coesfeld hat Maria und Hubert Schumacher (von rechts) in vielen Punkten bei der Eröffnung des Sozialkaufhauses in Herbern beraten. Foto: Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe

Knapp zwei Monate haben die Ehrenamtlichen die neu angemieteten Räume renoviert und anschließend wieder Spenden angenommen. „Am ersten Verkaufsnachmittag sind wir überrollt worden. Es gab so viele Menschen, die bei uns einkaufen wollten“, berichtet Hubert Schumacher. Doch inzwischen habe sich alles gut eingespielt. Immer dienstags und donnerstags öffnet das fünfköpfige Team von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr den Laden. Doch Schumachers Einsatz beschränkt sich nicht nur auf die Öffnungszeiten. „Zwischen 15 bis 20 Stunden in der Woche kommen wohl zusammen. Aber es macht mir Freude, sonst würde ich es nicht tun“, sagt er schmunzelnd und fügt hinzu: „Meine Frau arbeitet im Moment noch mehr.“ Denn Maria Schumacher hat zurzeit vor allem die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine im Blick. „Sie erhalten von uns eine kostenlose Erstausstattung“, berichtet sie. Rund 50 Menschen aus der Ukraine seien momentan in Ascheberg. „Viele Frauen mit kleinen Kindern“, hat die 72-Jährige, die mehr als 30 Jahre als Fachreferentin beim Diözesancaritasverband gearbeitet hat, beobachtet.

Seit Beginn ihres Engagements tauscht sich Maria Schumacher auch mit den Behörden wie beispielsweise dem Sozialamt über die Situation der Flüchtlinge aus. „Es ist für uns und für die Mitarbeitenden wichtig zu wissen, welche Themen gerade dran sind“, hat sie gute Erfahrungen vor allem beim Aufbau eines funktionierenden Netzwerkes gemacht. In der augenblicklichen Situation kommen dem Ehepaar die Erfahrungen aus der ersten Flüchtlingswelle vor sieben Jahren sehr zugute. Dankbar sind sie, dass sowohl die Kirchengemeinde als auch die politische Gemeinde ihre Arbeit unterstützt. „Das zeigt uns, dass sie unser Engagement wertschätzen und dahinter stehen“, betont Hubert Schumacher. 

Für das Ehepaar bedeutet ihr Engagement gelebtes Christentum. „Das wird oft unterschätzt. Für uns ist die Nächstenliebe ein Kernausdruck unseres Glaubens. Papst Franziskus hat uns aufgerufen, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen und zu helfen“, erklärt Maria Schumacher. Doch bei allem Einsatz gibt es einen Tag der Woche, der anders besetzt ist. „Der Mittwoch ist für unser Ehrenamt tabu. Da sind wir als Oma und Opa verplant und genießen es auch“, erklärt Maria Schumacher und erhält ein zustimmendes Lächeln ihres Ehemanns.

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