An(ge)dacht: Toleranz und Wahrheit

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Werne. In unserem multikulturellen Kontext wird Toleranz immer wichtiger. Doch wie beeinflussen sich Wahrheit und Toleranz gegenseitig? Steht Wahrheit der Toleranz im Weg? Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich“. (Joh 14,6) Wenn Christen glauben, dass Jesus der einzige Weg zu Gott ist, steht dann nicht dies der Toleranz im Wege?

Toleranz kommt aus dem lateinischen „tolerare“, was so viel bedeutet wie „ertragen“, „dulden“. Die Brockhaus-Enzyklopädie definiert den Begriff als „Geltenlassen anderer Weltanschauungen“.

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Doch ist meine Toleranz nur dann vorhanden, wenn ich andere Meinungen oder Weltanschauungen als gleichwertig betrachte? Nur wer die Religion des anderen wertschätzt, ist wirklich tolerant? Jeder, der seine eigene Religion als einzig wahre oder im Wert höhere betrachtet, wertet er damit andere Religionen ab und beweist seine Intoleranz?

Wir Christen dürfen unsere Meinung vertreten, ohne den Wahrheitsbegriff auf Kosten der Toleranz aufzugeben. Die eigene Religion als alleinige Wahrheit zu betrachten ist keine Einstellung, die verhindert, dem Nächsten im Respekt, Akzeptanz und Anerkennung zu begegnen. Gerade Menschen, die keinen Glauben vertreten oder in ihrem eigenen Glauben gleichgültig geworden sind, scheinen toleranter zu sein. Wie kann Wahrheit im Bezug zur Toleranz verstanden werden? Und in welcher Weise beeinflusst Wahrheit die Toleranz?

Jeder Mensch glaubt an Wahrheiten, keiner würde bestreiten, dass sachliche Wahrheiten existieren. Sachliche Wahrheiten sind objektiv und gelten allgemein. Für alle und überall.  In Vergangenheit und in Zukunft.

Unsere Sicht der Wahrheit in der westlichen Welt ist von der Aufklärung geprägt. Es gibt heute die Tendenz, im religiösen Bereich gerne allgemein-gültige Wahrheiten abzulehnen. Man meint, im religiösen Bereich gäbe es keine sachlich-logische Wahrheiten. Religiöse Wahrheiten unterscheiden sich aber von logisch-sachlichen Wahrheiten, weil sie schwerer zu erkennen sind. Sie sind aber die einzigen, die den Sinn und das Ziel eröffnen können.

Albert Einstein hat gesagt: „Wer keinen Sinn im Leben sieht, ist nicht nur unglücklich, sondern kaum lebensfähig“. Gott steht außerhalb von Zeit, Raum und Verstand. Wer nicht glaubt, braucht sich nicht bemühen, tolerant zu sein. Er ist es automatisch. Wenn wir Christen dem Gebot der Nächstenliebe nachkommen, die Freiheit unseres Gegenübers wertschätzen, dann ist jeder Vorwurf der Intoleranz fehl am Platz, auch wenn wir verkünden, dass Jesus der einzige Weg zu Gott ist. 

Ihr Antonel Lenghen, Pfarrer St. Christophorus Werne

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