Mittwoch, Mai 22, 2024

Rettung doch ohne „Happy end“: Rehkitz stirbt in menschlicher Obhut

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Aktualisiert 04.07.2023 – 9.00 Uhr

Werne. Das von den beiden Jägern Udo Döhmann und Bruno Bispinghoff gefundene Rehkitz ist gestorben. Das wurde heute (04.07.2023) bekannt.

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Die Patin des Kitzes fährt am Donnerstag nochmals mit ihrem Kind zum Tierschutzverein Bönen, „Tiere auf dem Speckenhof e.V.“, wo der kleine Rehbock zuletzt in Obhut war.

„Das ‚Happy End‘ ist leider doch ausgeblieben. Wir hoffen aber, dass diese Geschichte und die damit verbundene Mahnung zum Anleinen von Hunden in der Natur fruchtet und Wirkung zeigt“, so Klaus Jürgen Buse vom Hegering Werne.

Ursprüngliche Meldung 30.06.2023

Werne. Wie so oft in diesen Tagen kontrollierten die beiden Jäger Bruno Bispinghoff und Udo Döhmann auch zum Ende der vergangenen Woche ihr Jagdrevier im Westen von Werne. Fütterungen und künstliche Wassertränken auffüllen, Lecksteine, die Apotheke des Rehwildes, ausbringen, Wildkameras auslesen. Bei dieser Revierarbeit machen sie einen traurigen Fund, wie Klaus Jürgen Buse für den Hegering Werne jetzt berichtet.

Eine tote Ricke, ein weibliches Reh. Ohne Haupt und mit deutlichen Bissspuren. Die Jäger vermuten, dass hierfür ein wildernder Hund verantwortlich sein muss. Das Schlimme, die Spinne, das Euter des weiblichen Rehwildes, ist besäugt. Das heißt, dass diese Ricke ein, oder mehrere Kitze gehabt haben muss. Eine erste Suche nach den Kitzen in der näheren Umgebung blieb ohne Erfolg. Vorerst.

Zum Anfang dieser Woche meldete sich sodann eine aufmerksame Spaziergängerin bei der örtlichen Polizei. Sie habe bei ihren Rundgängen schon mehrfach ein vereinsamtes Kitz gesehen, das sich sonderbar verhalten würde und ständig Laut geben würde. Über das Revierverzeichnis machten die Polizisten schnell Bispinghoff und Döhmann als Revierpächter aus und verständigten diese umgehend. Nach intensiver Suche fanden beide schließlich ein Kitz. Der Zustand war traurig.

Udo Döhmann (links) und Bruno Bispinghoff brachten das schutzlose Tier direkt zum Tierarzt. Foto: privat

Deutlich geschwächt und in sich zusammengerollt lag es auf einer Wiese. War es das Kitz der toten Ricke aus der letzten Woche? Falls es das Kitz ist, war es bereits seit mehreren Tagen unversorgt und schutzlos.

Dann geschieht Ungewöhnliches: Mit scheinbar letzter Kraft müht sich das Kitz auf und macht einige Schritte auf Bruno Bispinghoff zu. Ganz so, als suche es Schutz und Hilfe bei ihm. Der Schlüsselmoment für den langjährigen und erfahrenen Jäger. „Dieses Kitz werden wir retten!“ spricht Bispinghoff mehr zu sich selbst. Gesagt, aber wie getan? Erste Telefongespräche mit mehreren Tierärzten, jedoch ohne rechten Erfolg. Dann ein Hinweis auf den Tierschutzverein Bönen, „Tiere auf dem Speckenhof e.V.“

Dort wurde das Rehkitz umgehend versorgt. Foto: privat

Der Kontakt ist schnell hergestellt. Es ergeht jedoch der Hinweis, dass dort nur Tiere aufgenommen werden, die vorher bereits tierärztlich untersucht, behandelt und versorgt wurden. Der Tierschutzverein stellt schnell die Verbindung mit der Tierarztpraxis „Hinter dem Holz“ in Unna her. Somit geht es im Wäschekorb und in warme Decken gehüllt zur Tierarztpraxis.

​Untersuchungen, Infusionen. Gleich mehrere Pflegerinnen und die Tierärztin Dr. Patricia Ziller-Holzhauer kümmern sich umgehend professionell, aber ebenso behutsam um das kleine Kitz. Mit viel Liebe und Geduld päppeln sie es langsam wieder auf. Dann der erste Gänsehautmoment. Auf die Frage, was die beiden Jäger für diese aufwändige Behandlung schuldig seien, antwortete Dr. Ziller-Holzhauer: „Diese Behandlung war für uns selbstverständlich und eine Ehrensache!“

Beim Tierschutzverein „Tiere auf dem Speckenhof e.V.“ in Bönen fand das Kitz eine Pflegestation. Foto: privat

Dankbar und froh übernehmen Bispinghoff und Döhmann das jetzt schon muntere Kitz in besagtem Wäschekorb und machen sich auf den Weg zum Tierschutzverein „Tiere auf dem Speckenhof e.V.“, nach Bönen.

Auch hier umsorgt man das kleine Geschöpf sofort und versorgt es mit Ersatzmilch und allem Notwendigen. Wieder stellt sich die Frage nach den Kosten. „Vielleicht finden sie ja jemanden, der eine Patenschaft über das Kitz übernehmen will“, so der Vorschlag des Tierschutzvereins. Eine schöne Idee, denkt Bispinghoff mit einem ebenso schönen Hintergedanken. Nach einem Obolus für die Kaffeekasse des Tierschutzvereins, telefoniert er noch am gleichen Abend mit der Spaziergängerin, die am Anfang dieser Rettung stand und machte ihr den Vorschlag zur Patenschaft. „Darüber muss ich erstmal eine Nacht schlafen!“, so die erste Reaktion der Dame.

Das Rehkitz wird sein Leben in einem Gehege oder Zoo weiterführen. Foto: privat

Am nächsten Morgen dann der nächste Gänsehautmoment: „Natürlich übernehmen wir die Patenschaft über ‚unser‘ Kitz“, ertönte es aus dem Telefon. Die Patin und die Jäger vereinbaren, weiterhin in Kontakt zu bleiben und freuen sich darüber, auch weiterhin vom Leben des Kitzes zu erfahren. Dieses Kitz wird sein Leben in einem Gehege oder einem Zoo fortführen. Eine Auswilderung und ein Leben in freier Wildbahn schließt sich wegen des bis dahin engen Kontaktes zu Menschen aus.

„Ja, das ist geschafft“, so die beiden Jäger nach der geglückter Rettung und haben aber noch eine Bitte: „Wir sehen, was passieren kann, wenn Hunde unangeleint und unbeaufsichtigt durch unsere Wälder und durch unsere Landschaft laufen können und Wild reißen. Das muss, nein, dass darf einfach nicht sein. Bitte leinen Sie alle ihrer Hunde an und gehen sie mit offenem Auge und dem Respekt gegenüber den wildlebenden Tieren durch unsere Natur!“

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