Mittwoch, Januar 28, 2026

Christliches Ja zu Behindertenarbeit: Personal- und Geldprobleme sind Hemmschuhe

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Werne. Für die christlichen Gemeinden in Werne gehört der barrierefreie Zugang zu ihren Gottesdiensten und Veranstaltungen zum Selbstverständnis ihrer täglichen Arbeit. Das ist unter dem Strich das Ergebnis der Informations- und Gesprächsversammlung, zu der am Freitag (24.10.2025) die Selbsthilfegruppe „Inklussionstreff Werne“ ins Bunte Haus der Jugendhilfe eingeladen hatte.

Auf dem Podium waren Pfarrer Alexander Meese von der Evangelischen Kirche, Andreas Peters und Maik Brunokowski von der Christlichen Gemeinde in der Waldstraße und Pastoralreferentin Pia  Gunnemann als Vertreterin der katholischen Seite vertreten. Das Publikum bestand nur aus wenigen Besuchern, die sich im Anschluss an die Ausführungen der Kirchenvertreter intensiv an der Diskussion beteiligten.

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Dass die Fürsorge für die Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen zum Kernbereich christlichen Verständnisses von Nächstenliebe gehört, war für die Redner eine Selbstverständlichkeit. Dazu gehören sowohl personelle wie bauliche Voraussetzungen.

Hier hat es die katholische Seite mit vielen alten und denkmalgeschützten Gebäuden am schwersten. Pastoralreferentin Gunnemann betonte: „Mit Ausnahme der Räume für die Jugendarbeit sind unsere Einrichtungen für Rollstuhlfahrer problemlos erreichbar.“ Das gilt, so Alexander Meese, auch für das evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum am Ostring. Die Christliche Gemeinde in der Waldstraße plant für 2026 den Baubeginn für ihr neues Gottesdienst- und Gemeindezentrum an der Waldstraße. Andreas Peters versicherte, dass bei dem Spenden finanzierten Neubau die Belange von Menschen mit Behinderung voll berücksichtigt werden würden. Die Redner betonten übereinstimmend, dass Blinde und ihre Begleithunde zu allen Gottesdiensten und sonstigen Veranstaltungen willkommen seien.

Andreas Peters (links) und Maik Brunokowski wiesen in ihren Statements auf die geistliche Bedeutung der Barrierefreiheit im Gemeindealltag hin.

Für die Vertreter der beiden Amtskirchen bilden allerdings Sparzwänge und Personalmangel deutliche Schwierigkeiten. Meese machte das am Beispiel der Gebärdensprache im Kindergartenbereich deutlich. Eigentlich wäre Gebärdensprache im Kindergartenalltag eine willkommene Ergänzung der pädagogischen Arbeit. Aber beide kirchlichen Träger finden keine entsprechenden Fachleute. Lediglich in zwei der vier evangelischen Kindergärten würden, so der Pfarrer, pädagogische Anfänge verfolgt, um mit wenigen Gesten aus der Gebärdensprache Zugänge besonders zu kleineren Kindern herzustellen und zu verfestigen. Ein weiterer Ausbau dieses erzieherischen Konzepts scheitere, so Meese, am Fachkräftemangel. Aber auch die Sparzwänge und damit verbundene Personalkürzungen der beiden Kirchen erschwerten, so Meese und Gunnemann, die Behindertenarbeit vor Ort.

Die Christliche Gemeinde muss bis zur Fertigstellung des Neubaus ihre Aktivitäten in den alten Räumen einer ehemaligen Gastwirtschaft konzentrieren. Die Haupträume sind zwar für Rollstuhlfahrer problemlos zu erreichen. Es fehlten aber, so Peters, beispielsweise behindertengerecht ausgebaute Sanitärräume. All diese Problem sollen aber spätestens 2027 mit dem Gemeindeneubau beseitigt sein.

Ein kompetent mit Kirchenvertretern besetztes Podium beschäftigte sich im Rahmen der monatlichen Informationsveranstalung der Selbsthilfegruppe „Rollstuhlfahrer in Werne“ mit der Behindertenarbeit im kirchlichen Rahmen auseinander (von links): Moderator Marius Gellert, Andreas Peters und Maik Brunokowski (Christliche Gemeinde), Pastoralreferentin Pia Gunnemann (Kath. Pfarrgemeinde St. Christophorus) und Pfarrer Alexander Meese (Evangelische Kirchengemeinde).

Für Christen hat die Arbeit mit körperlich oder psychisch beeinträchtigen Menschen natürlich eine starke geistliche Bedeutung. Darauf machte Maik Brunokowski von der Gemeinde Waldstraße aufmerksam. Der Mitdreißiger war früher kriminell und hat Gefängniserfahrung hinter sich. Er hat durch die Hinwendung zu Jesus Christus nicht nur einen radikalen Schnitt unter sein früheres Leben gezogen. Seine im Laufe der kriminellen angehäuften psychischen Probleme seien durch seine Hinwendung zum christlichen Glauben deutlich besser geworden.

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