Flakhelfer aus Dresden erfuhren in Stockum von der Zerstörung ihrer Heimatstadt

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Stockum. Eine der perfidesten Verteidigungsstrategien Hitlers war der Einsatz von Jugendlichen bei der Luftabwehr, den Flakhelfern. 15- bis 17-Jährige, eher Jungen noch als Männer, wurden seit 1943 zu diesem Kriegsdienst herangezogen – und oft fern von ihren Familien eingesetzt. So waren auf dem Hof Schulze Blasum in Stockum junge Flakhelfer aus Dresden stationiert, wie Georg Laurenz weiß.

Es war Anfang der 2000er-Jahre, als ihm beim Saubermachen ein Auto auffiel. „Es fuhr immer auf der Straße vor unserem Hof auf und ab“, erzählt er. Schließlich hielt Laurenz den Wagen mit einem Winken an und fragte, ob er behilflich sein könne: „Es sieht so aus, als würden Sie etwas suchen?“ Der Fahrer antwortet in gebrochenem Deutsch, er wolle seiner Frau zeigen, wo für ihn der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen sei. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen der damaligen Dresdner Flakhelfer handelte. Er war nach dem Krieg in die USA ausgewandert und hatte dort Architektur studiert. Nun besuchte er im hohen Alter seine einstige Heimat wieder.

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Laurenz bat das Paar ins Haus. „Wir haben uns dann bei Kaffee und Kuchen zwei Stunden lang unterhalten.“ Auf einmal erspähte der Gast ein Buch, das Georg Laurenz ein paar Wochen zuvor gelesen hatte: „Für’n paar Groschen Brause“, ein Nachkriegsroman des ZDF-Redakteurs Dieter Zimmer. Der ehemalige Flakhelfer deutete auf den Autorennamen und meinte, er sei mit Zimmer auf einer Schule gewesen.

Mit den Flakhelfern verbindet Georg Laurenz außerdem eine Erinnerung an seine Mutter. „Sie hat uns Kindern oft Folgendes erzählt: Wenn es eine Zeit in ihrem Leben gegeben hätte, die für sie unglaublich traurig und schwer gewesen wäre, dann jener Moment, als die jungen Flakhelfer am 14. Februar 1945 aus dem Volksempfänger hören mussten, dass ihre Heimatstadt Dresden in Schutt und Asche bombardiert worden sei.“ Seine Mutter sei damals selbst erst Anfang 20 gewesen. „Den Jungen in den Tagen nach der Bombardierung Dresdens beizustehen, war für sie nicht leicht.“

Unter den Erbstücken auf dem Hof Schulze Blasum befindet sich dieses Militärsignalhorn aus dem Ersten Weltkrieg – das auch noch im Zweiten Weltkrieg eine Rolle spielte. „In der Volksschule Stockum gab es eine evangelische Klasse“, erzählt Georg Laurenz. Deren Lehrer, Jesche mit Nachnamen, habe nur ein kleines Gehalt bezogen. „Mein Großvater hat ihn dann während des Krieges als Nachtwächter auf dem Hof eingestellt.“ Damit Jesche bei Gefahr rechtzeitig warnen konnte, habe Heinrich Schulze Blasum ihm das Horn in die Hand gedrückt. Der Lehrer und seine Frau lebten gegen Ende des Krieges auf dem Hof in einer Flüchtlingswohnung. Für seinen Wachdienst erhielt Jesche Milch, Brot und Fleisch.  – asz/Foto: Georg Laurenz

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