50 Jahre Ernst-Kröber-Stiftung: „Ein Fahrrad als Auto eingetragen“

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Werne. Mehr als 500 Kinder haben dank der Ernst-Kröber-Stiftung unbeschwerte Ferien erlebt. Seit 50 Jahren hilft die gemeinnützige Organisation unmittelbar vor Ort. Das Jubiläum feierte der SPD-Ortsverein mit Weggefährten und Unterstützern am Samstagvormittag (18. April 2026) in der Geschäftsstelle am Roggenmarkt.

Besonders freute sich der amtierende Kuratoriumsvorsitzende Rainer Tappe über die Anwesenheit von Wilfried Zurstraßen. Dieser gehörte zu den Gründungsvätern der Stiftung und war zur Feierstunde aus seiner späteren Wirkungsstätte an der Ostsee nach Werne gereist.

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Zusammen mit seinen SPD-Parteikollegen Joseph Kremer und Fritz Fulbrecht fasste Zurstraßen 1975 den Plan, die immer aufwendigeren Wahlkämpfe einzudämmen. Statt Geld für Flugblätter und ähnliches auszugeben, sollten die Finanzmittel „einem vernünftigen und sozialen Zweck zugeführt werden“, zitierte Rainer Tappe den 2006 verstorbenen Kremer. Allerdings ließ sich der Plan nicht so umsetzen, wie von den drei Kommunalpolitikern erhofft.

Wilfried Zurstrassen erzählt von den Anfängen der Stiftung.  Foto: Schwarze
Wilfried Zurstraßen erzählt von den Anfängen der Stiftung.  Foto: Schwarze

„Von Anfang an hatten wir die Idee, Kindern eine Ferienfreizeit zu ermöglichen, für die Urlaub aufgrund ihrer Lebensumstände ein Fremdwort war“, erinnerte sich Wilfried Zurstraßen in seiner Festrede. Eine Stiftung sollte helfen. Doch das Stiftungsgesetz von NRW verlangte ein Mindestkapital von 100.000 Euro. Das konnten die Sozialdemokraten nicht stemmen. „Wir mussten kreativ werden“, sagte Zurstraßen. Ein Verein wurde gegründet, der mit dem Beinamen „Stiftung“ ins Vereinsregister eingetragen werden sollte. Oder, wie Zurstraßen es ausdrückte: „Wir hatten ein Fahrrad, das wir als Auto eintragen ließen.“

Applaus für die Ansprache von Wilfried Zurstraßen, einem der Gründungsväter der Ernst-Kröber-Stiftung. Foto: Schwarze

Mit etwas Überzeugungsarbeit sei der Eintrag gelungen „und wir sind losgefahren“. Und das unter einem zugkräftigen Namen. Die Gründungsväter einigten sich schnell auf „Ernst Kröber“, „unseren Mann im Evenkamp“, wie Zurstraßen sagte. Dort hatte sich Kröber jahrzehntelang für die Menschen engagiert. Rainer Tappe ließ seine Biografie Revue passieren. Kröber wurde 1898 in Thüringen geboren, ging 1915 auf Wanderschaft und begann, auf der Zeche Werne zu arbeiten. 1929 trat er in die SPD ein. Er war langjähriger Vorsitzender der Gewerkschafts-Ortsgruppe, Ratsmitglied und Mitbegründer des VfL Werne. Er starb 1970. „Sein Wirken sollte unserer Vereinsarbeit als Vorbild dienen“, erklärte Zurstraßen.

In den Anfangsjahren habe sich Joseph Kremer als „Geldbeschaffungskünstler“ erwiesen. Unterstützt von Fritz Fulbrecht holte er den damaligen Sparkassen-Direktor Gerhard-Ludwig Dresen ins Boot. „Seitdem ist die Stadtsparkasse Werne, auch nach der Fusion und Umbenennung in Sparkasse an der Lippe, unserer Stiftung eng verbunden“, sagte Tappe. Er dankte dafür – und konkret außerdem für 3.500 Euro, die Vorstandsmitglied Martin Abdinghoff als Geburtstagsgeschenk überreichte.

Martin Abdinghoff, Vorstandsmitglied der Sparkasse an der Lippe (links), überreicht dem amtierenden Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung, Rainer Tappe, eine Spende. Foto: Schwarze

Auf Zuwendungen wie diese ist die Ernst-Kröber-Stiftung angewiesen. Denn, wie Tappe erklärte, das Stiftungskapital dürfe nicht angegriffen werden, die Zinserträge seien jedoch aufgrund der aktuellen Krisen „drastisch zurückgegangen“. 1989 war aus dem Verein eine echte unselbstständige Stiftung geworden.

Im Februar 1992 wurden aufgrund einer Satzungsänderung zusätzliche Fördermöglichkeiten in den Bereichen Umwelt, Kultur und Sport geschaffen. Auf diese Weise unterstützt die Stiftung seitdem zahlreiche Vereine, Verbände, Gruppierungen, Einzelpersonen bei ihren Vorhaben und Projekten. Das reicht von finanzieller Hilfe für eine Studienfahrt von Sekundarschülern nach Auschwitz bis zum Zuschuss für den Kauf eines behindertengerechten Fahrrads für einen jungen Mann, der an einer Autoimmunerkrankung leidet.

„Im Fokus bleibt aber die ursprüngliche Kernaufgabe“, sagte Bürgermeister Lars Hübchen: bedürftigen Kindern in Zusammenarbeit mit freien Trägern der Wohlfahrtspflege und dem Jugend- und Sozialamt der Stadt eine kostenlose Teilnahme an Ferienfreizeiten zu ermöglichen. „Dieser Fokus macht die Stiftung zu einem wichtigen Akteur in Werne.“

Musikalisch untermalen drei Musikschülerinnen unter der Leitung von Angela Waldmann das Stiftungsjubiläum. – Foto: Schwarze
Musikalisch untermalen drei Musikschülerinnen unter der Leitung von Angela Waldmann das Stiftungsjubiläum. Foto: Schwarze

Landrat Mario Löhr griff das Stichwort „Solidarität“ auf. Die Historie der Stiftung zeige, dass Politik nicht immer bei den Schwächsten anfangen dürfe, zu kürzen. „Das dürfen wir als Sozialdemokraten nicht vergessen.“ Kein Festredner vergaß außerdem, sich bei vier Frauen des Musikschulkreises Lüdinghausen zu bedanken. Das Holzbläserquartett untermalte die Feierstunde unter der Leitung von Angela Waldmann.

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