Werne. „Da ist Pius!“ Bruder Romuald Hülsken beugt sich zu einem Schwarz-weiß-Foto hinunter. Neben ihm sind andere Ausstellungsbesucherinnen und -besucher damit beschäftigt, Freunde und Bekannte auf der Fotowand zu finden. Diese Art von Wiedersehen ist eine von vielen Möglichkeiten in der Sonderausstellung „350 Jahre Fußwallfahrt Werne-Werl“. Seit Sonntag (5. Juli 2026) kann sie im Stadtmuseum Werne besichtigt werden.
Vergilbte Rechnungen und restauriertes Kreuz
„Generationen von Pilgerinnen und Pilgern haben diese Wallfahrt geprägt und ihre Tradition weitergetragen“, sagte Klemens Pieper, der Leiter des Wallfahrtsausschusses. Und das merkt man der Ausstellung an. Den unzähligen Fotos, den vergilbten Rechnungen für die hohen Wallfahrtskerzen, den brüchigen Zeitungsausschnitten in den Vitrinen. Die Schau bietet außerdem Gelegenheit, das frisch restaurierte historische Wallfahrtskreuz aus nächster Nähe zu betrachten. Das gilt auch für die ebenfalls ausgestellte Wallfahrtsfahne. Sie zeigt eine Abbildung der „Trösterin der Betrübten“, wie das Gnadenbild in Werl heißt. Seit Jahrhunderten ist es das Ziel von Wallfahrten. Die aus Werne gilt als eine der ältesten, begründet wurde sie von den Werner Kapuzinern. Eine Kopie des Gnadenbildes, einer romanischen Madonna mit dem Jesuskind, ist im Stadtmuseum ebenfalls zu sehen.

Die jüngste Generation wird durch eine LEGO-Ausstellung einbezogen. Auf acht grünen Bauplatten wurden Stationen aus dem Leben der Muttergottes nachgebildet. Zum Beispiel die Verkündigung an Maria. Die Krippe samt einem weißen LEGO-Engel auf dem Stalldach. Oder die Station „Maria und Josef suchen Jesus“, eine kleine Massenszene. Die detailverliebten und akribisch gestalteten Mini-Schauplätze sind eine Leihgabe aus Werl. „Das Wallfahrtsteam Werl hatte Jugendgruppen eingeladen, jeder Gruppe LEGO-Steine und einen Bibeltext an die Hand gegeben“, erzählt Klemens Pieper. So entstanden die verschiedenen Szenen. In Kartons wurden sie sorgfältig von Werl nach Werne transportiert. „Hier und da hat sich ein Bauteil gelöst, das konnten wir aber problemlos wieder anstecken“, sagt der stellvertretende Wallfahrtsleiter Bernd Heimann. Er hat die Ausstellung maßgeblich vorbereitet.

Suchspiel für Kinder
Zur LEGO-Schau liegt ein kleines Begleitheft aus. Kinder können ein Suchspiel machen: Acht Gegenstände – beispielsweise ein Anker, ein Vogel, eine Kerze – sind auf einer der acht Stationen zu finden. Schulklassen können sich zum Besuch der Ausstellung anmelden, es sind noch Termine frei. Bürgermeister Lars Hübchen will mit seinen Kindern auf jeden Fall vorbeikommen. Was ihn an der Wallfahrt besonders fasziniert: „Sie verbindet Menschen. Man lernt sich auf dem Weg nach Werl kennen oder trifft Leute wieder, die man lange nicht gesehen hat.“ In diesem Jahr hofft der Wallfahrtsausschuss auf 350 Teilnehmende, einen oder eine für jedes Jahr, seit die Wallfahrt besteht.

Die Texte zur Geschichte der Wallfahrt haben die Ausstellungsmacher bewusst kurz gehalten. Erklärt wird unter anderem das neue Votivbild für die Wallfahrtsbasilika in Werl. Die Künstlerin Martina Dörfler hat es eigens zum Jubiläum geschaffen. Als Dankeszeichen für dreieinhalb Jahrhunderte gelebter Wallfahrt drückt es die enge Verbundenheit der Werner Pilgerinnen und Pilger mit dem Gnadenbild der Gottesmutter in Werl aus.

Zentrales Motiv ist das Wallfahrtskreuz, kombiniert mit fotografischen und grafischen Elementen: einem Foto von Pilgerinnen und Pilgern, einer Karte vom Wallfahrtsweg, Bildern aus Werne und Werl. Drei geschwungene Linien in Orange, Pink und Gelb deuten den Verlauf des Wallfahrtsweges an. Dazwischen scheint es Konfetti zu regnen. Diese Punkte stehen für Freunde, Gemeinschaft und Dankbarkeit. Sie können, so heißt es auf der Infotafel, „auch als Sinnbild der Gebete verstanden werden, die von den Pilgernden zum Himmel aufsteigen“.





















