Werne. Wernes Denkmallandschaft lebt von privaten Initiativen. Und Denkmalinteressierte lassen sich durch Regenwetter nicht davon abhalten, sich darüber vor Ort zu informieren. Beides machte der Tag des offenen Denkmals (Sonntag, 13. September 2026) in diesem Jahr deutlich: Mehr als 200 Menschen besuchten die ehemalige Stuhlmacherei an der Westmauer und die Rochuskapelle in Lenklar.
Mit viel Liebe zum Detail restauriert
Etwa 150 Gäste wurden in der Stuhlmacherwerkstatt gezählt. Der Verein „Freunde des historischen Stadtkerns Werne“ hatte lange dafür gekämpft, das Gebäude erwerben zu können. Doch unklare Erbschaftsverhältnisse verhinderten das. Dann konnte Burkhard Jankowski das Haus erwerben. Er kennt es aus seiner Kindheit, sein Großvater betrieb in der Nachbarschaft eine Holzschuhmacher-Werkstatt.
In Eigenarbeit, mit viel Liebe zum Detail und Unterstützung seiner Frau Karin restauriert Jankowski das Haus seitdem. Am Tag des offenen Denkmals stellte er das fertig gestaltete Erdgeschoss vor. Der Fußboden wurde neu hergerichtet, die Decke stabilisiert und die Wände mit Holzplatten und Lehmputz versehen. „Auf diese Weise können die Wände atmen, denn Lehmputz nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab“, erklärte er. Zwei alte Maschinen, die sich ins neue Konzept nicht integrieren ließen, nahm ihm ein Werner Betrieb noch dankbar ab.

Das Erdgeschoss der Werkstatt dient nun als Foyer und Dokumentationszentrum. Den Mittelpunkt bildet ein großer Tisch, umstellt von Stühlen mit Korbgeflecht. Fast alle entstanden in der Stuhlmacherei unter den Händen des letzten Stuhlmachers Heinz Elberfeld. Ein großer Bildschirm kann für Vorträge und Bilddokumentationen genutzt werden. Jankowski baute außerdem eine Gästetoilette ein. Die Tür dazu wurde aus einem Baumstamm geschnitten, den der 2012 verstorbene Elberfeld noch in seiner Werkstatt liegen hatte. Daneben installierte Jankowski einen Kipplichtschalter, wie man ihn noch aus Großelternzeiten kennt. Das gilt auch für die Vintage-Garderobe samt Kleiderbügeln mit Messingbeschlägen.
Dank der Altstadtfreunde
„Burkhard Jankowski gebührt großes Lob und großer Dank für die immense Arbeitskraft, die er in dieses Haus gesteckt hat, vom Geld gar nicht zu reden“, sagte Karl-Heinz Schwarze. Der Vorsitzende der Altstadtfreunde ergänzte die Führung durch das Gebäude zu jeder vollen Stunde mit einem Kurzvortrag zur Familiengeschichte der Elberfelds.
Anhand historischer Fotos und Dokumente wurde deutlich, dass sich in dieser Familie ein Stück deutscher Geschichte spiegelt. So kämpften Söhne der Elberfelds im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Von Heinz Elberfeld ist außerdem eine Haft in einem Konzentrationslager belegt. „Wahrscheinlich, weil er seinen jüdischen Nachbarn Salomon unterstützte“, sagte Schwarze. Anschließend führte Burkhard Jankowski kleine Gruppen ins Obergeschoss. Hier ist noch einiges zu tun, bis er die Werkstatt als Beispiel für einen Werner Handwerksbetrieb in seinem privaten Museum präsentieren kann.

Verein rettete Kapelle
Die Rochuskapelle an der B 54 in Lenklar verdankt ihr Überleben ebenfalls engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Ende der 1960er-Jahre sollte sie abgerissen werden. Die Martinsgesellschaft Lenklar-Brederode verhinderte das und renovierte das kleine Gotteshaus in Eigenregie mithilfe von Spenden. Seitdem kümmert sich die Gesellschaft um die Rochuskapelle. Am Tag des offenen Denkmals lud sie zur Besichtigung ein.
Um 15 Uhr informierte die ehemalige Museumsleiterin Heidelore Fertig-Möller über die Geschichte der Kapelle. Sie entstand 1884/85 anstelle einer Vorgängerin, die einst zu einem Siechenhaus für Leprakranke gehörte. „Wobei die Krankheit im Mittelalter einfach als Aussatz bezeichnet wurde“, erklärte Fertig-Möller. Der Erreger lasse sich bereits in vorchristlicher Zeit belegen. Von Kreuzfahrern wurde er nach Europa eingeschleppt. Im 17. Jahrhundert verschwand er dort auf einmal. „Warum weiß man nicht genau“, sagte Fertig-Möller.
Sie zeigte den Besuchern eine barocke Holzstatue des heiligen Rochus. Dieses „Schwiärmännken“ war im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit ein beliebter Heiliger als Schutzpatron gegen Lepra und andere Seuchen. Der Heilige ist als Pilger dargestellt und hat ein Geschwür – plattdeutsch: Schwiäre – am Oberschenkel. Es ist das älteste Objekt in der denkmalgeschützten Kapelle.





















