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Werne (lwl). Bei archäologischen Grabungen in Werne (Kreis Unna) sind neben einem Friedhof etwa 30 Brandgräber und Reste davon entdeckt worden. Fachleute schätzen das Alter der Funde auf knapp 2.000 Jahre.

Bereits 2024 waren Archäolog/innen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) am Südring bei früheren Sondierungsgrabungen fündig geworden.

Im Dezember 2025 wurden die Grabungen beendet. „Wir konnten keine deutlichen Konzentrationen von Bestattungen feststellen“, berichtet Grabungsleiterin Martha Zur-Schaepers. „Sie lagen locker gestreut auf einer Fläche von etwa 6.600 Quadratmetern. Die Ränder des Gräberfelds konnten wir überall erfassen, außer im Norden, da hier eine Straße samt anschließender Wohnbebauung liegt“, so Zur-Schaepers weiter.

Anlass für die Grabungen bis Dezember 2025 war die Planung der Stadt für das neue „Wohnquartier Südring“. Wie zuletzt im Bereich des neu geplanten „Wohnquartiers Bellingholz Süd“ vermuteten die Fachleute der LWL-Archäologie für Westfalen auch am Südring eine archäologische Fundstelle. Denn im Umfeld von Werne sind bereits einige archäologische Fundstellen bekannt.

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Im Profil freigelegte vollständige Keramikurne. Foto: EggensteinExca

Sondierungsgrabungen 2024: Urnenbestattung aus der frühen Römischen Kaiserzeit

2024 wurden unsere Erwartungen übertroffen: In unserer Suchfläche kamen Funde aus einer Urnenbestattung der frühen Römischen Kaiserzeit, also aus dem 1. bis 2. Jahrhundert nach Christus zutage“, so LWL-Archäologin Dr. Eva Cichy, die 2024 mit ihrem Team vor Ort war. „Hier hat eine ortsansässige germanische Gemeinschaft einen Verstorbenen zunächst verbrannt und dann in einem Keramikgefäß beigesetzt“, fasst Cichy zusammen. Diese alte Bestattung liegt westlich des heutigen Friedhofs und nördlich des sogenannten Russen-Friedhofs, auf dem 102 sowjetische Zwangsarbeitende aus dem Zweiten Weltkrieg ruhen.

Unter den Resten eines Keramikgefäß ist der weißliche Leichenbrand zu erkennen. Foto: EggensteinExca

Ausgrabungen 2025: Brandgräberfeld mit etwa 30 Bestattungen

Wegen der bedeutenden Fundstelle von 2024 wollten die Fachleute auch in der Nähe vor der geplanten Überbauung graben. Denn derartige Bestattungen liegen generell auf größeren Brandgräberfeldern.

Nach dem Denkmalschutzgesetz musste die Entwicklergesellschaft Wohnpark Werne-Süd GmbH & Co. KG als Veranlasserin die Ausgrabung sicherstellen. Hierzu beauftragte sie eine Archäologische Fachfirma, die diese Aufgabe unter Begleitung des LWL übernahm. „Die gute Kooperation während der gesamten Projektphase war durchaus gewinnbringend für alle Beteiligten. Durch die Arbeit der Archäologinnen und Archäologen haben wir etwas mehr über die Vergangenheit unserer Region erfahren und freuen uns jetzt auf die Entstehung des neuen Wohnquartiers“, resümiert der Eigentümer Sebastian Graf von Kanitz.

Unterschiedliche Totenriten

„Die jüngsten Ausgrabungen haben für das Gräberfeld ganz unterschiedliche Totenriten nachgewiesen: Neben der Beisetzung der Toten in Form des Leichenbrands in einer Keramikurne fanden wir Leichenbrand mitunter auch unterhalb oder neben einem Keramikgefäß“, sagt Cichy. Außerdem gab es sogenannte Brandschüttungsgräber und ein Leichenbrandnest. Hier wurde der Leichenbrand vielleicht in einem Lederbeutel beigesetzt, bei einem Brandschüttungsgrab kam der Leichenbrand ohne Urne oder Beutel direkt in eine Grube.

Aufsicht auf eine doppelte Urnenbestattung im Planum. Foto: EggensteinExca

Einzel- und Doppelbestattungen

Meist waren es Einzelbestattungen, es sind aber auch Doppelbestattungen nachgewiesen. So standen beispielsweise zwei Urnen in einer Grabgrube nebeneinander. Beigaben wurden zumeist in der Urne deponiert oder daneben liegend gefunden. Beigaben wie kleinere Keramikgefäße waren dabei vollständig erhalten oder auch in Scherben. Auch unter den Funden: der Rest einer Buntmetallfibel – einer Gewandspange, vermutlich aus Bronze – und eine halbe Glasperle.

Die besser erhaltenen Urnen – manche waren durch frühere Bodenbearbeitung bereits stark beschädigt – haben die Fachleute eingegipst und zur weiteren Bearbeitung in die Restaurierung der LWL-Archäologie gebracht. Dort beginnen jetzt weitere Analysen der Beigaben und des Leichenbrandes.

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