Werne. Wer zu Fuß geht, ist „auf Schusters Rappen“ oder „per pedes“ unterwegs, macht sich in Westfalen „auf den Patt“, läuft, schlendert, spaziert, wandert oder flaniert von A nach B. Für „die ursprünglichste Form der Fortbewegung“, wie das Gehen im Ergebnisbericht des Fußverkehrs-Check in Werne 2025 einleitend bezeichnet wird, fehlt es weder an Redewendungen und Synonymen, noch an positiven Zuschreibungen: Einfach, umwelt- und sozialverträglich, zudem gesund“, heißt es dort.
Doch wie ist es um die fußgängerfreundliche Gestaltung von Straßen und Plätzen bestellt? Der „Sowieso-Verkehr“, sei generell von der Stadt- und Verkehrsplanung in den vergangenen Jahrzehnten oft vernachlässigt worden sei, heißt es dazu im Ergebnisbericht.
Wie die Situation in Werne aussieht, hat der Fußverkehrs-Check 2025 ausgelotet. Mit dem Fußverkehrs-Check wollen das Land NRW und das Zukunftsnetz Mobilität die Kommunen ermuntern, vor Ort die Situation für zu Fuß Gehende zu verbessern. Die Stadt Werne hatte dafür unter 31 Bewerbern als eine von zwölf geförderten Kommunen den Zuschlag bekommen.

Fußverkehr vielmehr als „Sowieso-Verkehr“
Im Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (11. März 2026) gab Neele Ashölter vom Zukunftsnetz Mobilität einen Überblick über die gesammelten Erkenntnisse. Es gehe darum, Verwaltung, Politik und Bürger für den Fußverkehr zu sensibilisieren, sagte sie zu Zielrichtung. Mit Workshops, Begehungen und Zusammenarbeit mit den Schule habe man sich daran gemacht, Stärken und Schwächen des Fußverkehrs zu aufzudecken.
So zählen kurze Wege zwischen Innenstadt und angrenzenden Wohngebieten, mehrere Fußgängerzonen mit taktilen Leitelementen, Spielelementen und Wegweisern sowie selbständige Gehwege, die die Wegelänge für Fußgänger verkürzen, zu den Stärken, ebenso wie Elternhaltestellen an der Wiehagenschule.
Zu den Schwächen hingegen zählt, dass die meisten Gehwege unter dem Mindestmaß von 2,50 Meter liegen. Hinzu kommen schmale Gehwege, die außerdem stellenweise quergeneigt, durch Pflanzenwuchs oder Mülltonnen verengt sind und/oder Oberflächenschäden aufweisen. Weitere Schwächen sind Konflikte mit den Radverkehr, große Querungsdistanzen und ein Mangel an Bänken außerhalb der Innenstadt.
Barrierefreiheit, Querungen, Sicherheit und Aufenthaltsqualität
Der Fußverkehrs-Check ist in vier Handlungsfelder unterteilt, die Neele Ashölter kurz vorstellte: Handlungsfeld Barrierefreiheit: Barrierefreiheit ist für alle komfortabel. In einer alternden Gesellschaft ist sie für zehn Prozent der Bevölkerung Grundvoraussetzung und 30 Prozent der Bevölkerung sind auf eine gute Zugänglichkeit der Verkehrsinfrastruktur angewiesen. Das gilt etwa für Personen, die temporär in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, wie z. B. Personen mit Kleinkindern oder Kinderwagen, Kranke oder Personen mit Gepäck, heißt es in dem Ergebnisbericht. Maßnahmen seien hier beispielsweise Mülltonnen-Sammler jenseits der Gehwege, Grünschnitt oder Querneigungen begradigen.

Handlungsfeld Querungen:Hier identifizierten die Mobilitätsexperten Mängel z.B. bei den Querungen am Kreisverkehr Bahnhofstraße/ Fürstenhof. Demnach fehlen Zebrastreifen am Kreisverkehr wodurch der Vorrang für die jeweiligen Verkehrsteilnehmer ungewiss ist. Handlungsbedarf gibt es gibt es ferner an der Ampelanlage Münsterstraße/ Bahnhofstraße/ Konrad-Adenauer-Platz. Es fehlen akustische Signale an der Ampel, differenzierte Bordhöhen und taktile Elemente, heißt es.
Handlungsfeld Verkehrssicherheit: Unter diesem Aspekt werden unter anderem die Parkhausausfahrt an der City Mall, Überschreitungen von Tempolimits oder Nutzungskonflikte zwischen Fuß- und Nahverkehr genannt.
Handlungsfeld Aufenthaltsqualität: Die Aufenthaltsqualität spielt beim Fußverkehr eine bedeutende Rolle. Sie wird durch eine attraktives Umfeld und beispielsweise ausreichend platzierte Sitzmöglichkeiten bestimmt.
Good-Practice-Beispiele runden das Ergebnispaket ab
Das Ergebnispaket des Fußverkehrs-Checks enthält neben den Stärken und Schwächen auch viele „Good-Practice-Beispiele“ wie teilweise einfache Vorschläge Lösungen aufzeigen. Auch weil KBW-Leiter Dr. Tobias Gehrke mit Blick auf Zahl und Kosten der Verbesserungsvorschläge „Wasser in den Wein gießen“ musste, riet er dazu, sich dem Thema ganzheitlich zu stellen. Ob bei den Mülltonnen-Sammler oder der Parkhaus-Ausfahrt, es brauche mit Blick auf viele Beteiligte auch Akzeptanz und Entwicklung.
„Sehr positiv“, lautete die Bewertung von Jürgen Regener (CDU), mit der er den Tenor in der Runde traf. Mehr Bänke aufzustellen, sei eine gute Idee, fand er, das einiges auch mit geringem Aufwand zu erreichen sei.






















