Werne. Mit dem Beginn des Haushaltssicherungskonzepts am 1. Januar 2027 steht die Stadt Werne vor großen finanziellen Herausforderungen. Die drastische Verschlechterung der Haushaltslage mit einem erwarteten Minus von fast 20 Millionen Euro – im Ansatz für 2027 waren knapp 13 Millionen Euro verzeichnet – macht wirksame Konsolidierungsmaßnahmen dringend erforderlich.
Im Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag, 13. Oktober 2026, betonte Kämmerer Marco Schulze-Beckinghausen: „Wir brauchen ein knallhartes Sanierungsprogramm.“ Nur dann, so die Einschätzung, lasse sich bis 2037 eine „schwarze Null“ erreichen.
Verschärft werde die Ausgangssituation durch die konjunkturelle Lage, die zusätzliche Belastungen durch die Kreislumlage, Jugendbereich und im Schulbereich (u.a. Sanierung/Neubau AFG), wird in der Präsentation zur Konsolidierungsstrategie aufgeschlüsselt.
Im laufenden Jahr sei es noch nicht gelungen, substanzielle Maßnahmen zu entwickeln, räumte Bürgermeister Lars Hübchen ein. Zwar habe der bisherige Prozess erste Maßnahmen wie die Reduzierung von Zuschüssen und Standards, Anpassungen von Leistungsumfängen, die Überarbeitung von Gebührensatzungen sowie zur Verbesserung der Kostendeckung hervorgebracht, deren finanzielle Wirkung reiche aber nicht aus. Strukturelle Veränderungen seien bislang begrenzt, Aufgaben und Standards würden nicht konsequent genug hinterfragt und erhebliches Potenzial blieb unentschlossen.
Bürgermeister setzt auf Kursschwenk
Der Werner Verwaltungschef ruft deshalb einen Kursschwenk bei der Konsolidierung aus. Statt wie bisher einzelne Maßnahmen zu sammeln und dann deren finanzielle Wirksamkeit zu berechnen, soll es nun anders laufen, wie die in der Präsentation der Verwaltung beschriebene Gegenüberstellung zeigt.
BISHER
• Maßnahmen werden vorgeschlagen
• Umfang folgt den eingereichten Maßnahmen
• bestehende Abläufe im Fokus
• Personalbedarf aus Status quo
• Konsolidierung, soweit Maßnahmen gefunden werden
• zentrale Sammlung
KÜNFTIG
• Konsolidierungsziele werden vorgegeben
• Umfang folgt dem finanziellen Erfordernis
• Aufgaben, Standards und Strukturen im Fokus
• Aufgabenkritik vor Nachbesetzung von Stellen
• jedes Dezernat muss definierten Beitrag erbringen
• Verbindliches Controlling und Nachsteuerung
„Die Zielwerte, die erreicht werden sollen, müssen an den Anfang“, sagte Hübchen. Daraufhin seien Maßnahmen zu entwickeln.
Personalbereich wichtiger Part der Konsolidierung
Den wichtigsten Part bei den strukturellen Änderungen nehme dabei die Personalkonsolidierung ein. Ein festgelegtes Prüfprogramm soll externen Stellenausschreibungen vorgeschaltet werden. In den kommenden Jahren werde rund ein Drittel Mitarbeitenden der Stadtverwaltung aus den Boomer-Jahrgängen in den Ruhestand gehen, erläuterte Hübchen und sieht darin ein großes Potenzial. Das sind laut Präsentation die Hebel, die man anpacken will:
„Ab sofort: Wiederbesetzungen von Stellen werden restriktiv behandelt. Keine automatische Wiederbesetzung frei werdender Stellen, die zudem jeweils grundsätzlich geprüft werden sollen. Zu prüfen sind auch Aufgabenwegfall und -reduzierung, Umorganisation, interne Besetzung und ein geringerer Stellenumfang.
Strukturelles Ziel: Natürliche Fluktuation für Konsolidierung nutzen, Reduzierung des Stellenbedarfs bis 2037.
Konsequenz: Aufgaben und Standards überprüfen, Prozesse vereinfachen und digitalisieren, Aufgaben bündeln, interkommunale Zusammenarbeit nutzen, Organisation und Stellenzuschnitte anpassen.“
Hübchen: „Bleiben verlässlicher Arbeitgeber“
Wernes Bürgermeister versicherte aber auch: „Wir bleiben ein verlässlicher Arbeitgeber, es wird keine Kündigungen geben.“ Personalkonsolidierung heiße nicht: gleiche Aufgaben mit weniger Menschen.
Die Verantwortlichkeiten in Sachen Konsolidierung sind im Stadthaus wie folgt zugeordnet: Der Bürgermeister verantwortet das gesamtstädtische Konsolidierungsziel und die strategischen Leitplanken, der Stadtkämmerer die finanzielle Gesamtsteuerung, die einheitliche Bewertung der Konsolidierungseffekte und das Konsolidierungscontrolling. Die Dezernenten tragen die Ergebnisverantwortung für ihren jeweiligen Aufgabenbereich.
Lenkungsgruppe Haushaltskonsolidierung geplant
Nächste Handlungsschritte sind die Fertigstellung des Haushalts 2027 und folgende und die Ermittlung des zu erzielenden Konsolidierungsbetrages zur Darstellung der „schwarzen Null“. Hinzu kommt die Verteilung der Konsolidierungspotenziale auf die Dezernate und parallel die Ausarbeitung von geeigneten Maßnahmen.


















