Mehr als Geschichte: Warum die Bäume Wernes Zukunft erzählen

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Werne. Was zunächst wie eine klassische Stadtführung durch die Werner Altstadt begann, entwickelte sich schnell zu einer aktuellen Debatte über Klimaschutz und Stadtentwicklung. Für mehr als 20 Mitglieder der Bürgerinitiative Nordlippestraße (BIN) rückte zwischen Altem Rathaus, „Burghof“ und Marktplatz ein Thema in den Mittelpunkt: die Bedeutung der Stadtbäume.

Mit großer Sachkenntnis führte Heidelore Fertig-Möller, Historikerin und ehemalige Museumsleiterin in Werne, die Gruppe durch die Geschichte Wernes.

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Sie berichtete von Stadtrechten, historischen Gebäuden und der Entwicklung der Fußgängerzone – und schlug dabei immer wieder den Bogen in die Gegenwart. Denn die Vergangenheit der Stadt zeigt auch, wie eng Geschichte und heutige Herausforderungen miteinander verknüpft sind.

Besonders eindrücklich waren ihre Schilderungen zur Entwicklung des Marktplatzes. Fertig-Möller erinnerte daran, wie Bäume im Laufe der Jahrzehnte verschwanden, Neupflanzungen scheiterten oder lange ausblieben. Viele der heute vorhandenen Bäume seien das Ergebnis langwieriger Diskussionen und engagierten Einsatzes – keineswegs eine Selbstverständlichkeit.

Außerdem wurde deutlich, dass nicht nur einzelne Bäume betroffen waren: In der Vergangenheit wurden an verschiedenen Stellen der Stadt – unter anderem in der Schulstraße und im Bereich Wienbrede – mehr als 20 große Bäume gefällt. Trotz entsprechender Zusagen seien viele dieser Bäume bis heute nicht ersetzt worden. Diese Entwicklung wurde von den Teilnehmenden mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt und kritisch diskutiert.

Vor dem Hintergrund zunehmender Sommerhitze gewannen diese Einblicke zusätzliche Brisanz. Immer wieder machte die Gruppe Halt an Orten, an denen früher große Bäume Schatten spendeten und heute sichtbare Lücken bestehen. Die Stadtführerin verdeutlichte, wie entscheidend jeder einzelne Baum für das Stadtklima ist – eine Einschätzung, die viele Teilnehmende angesichts aktueller Hitzewellen teilen.

Stadtbäume gelten als wichtiger Bestandteil klimaangepasster Stadtentwicklung, da sie Schatten spenden, Temperaturen senken und die Aufenthaltsqualität verbessern.

Die Führung machte deutlich: Stadtgeschichte endet nicht mit Jahreszahlen. Entscheidungen aus der Vergangenheit prägen bis heute das Stadtbild – ebenso wie aktuelle Planungen die Zukunft bestimmen. Wo einst Bäume gefällt wurden, sind die Folgen heute spürbar. Wo sie erhalten blieben, entstehen selbst an heißen Tagen angenehme Aufenthaltsorte.

So wurde aus der historischen Führung eine Diskussion über die Zukunft Wernes. Themen wie Nachpflanzungen, versiegelte Flächen und grüne Rückzugsorte standen im Mittelpunkt. Dabei zeigte sich: Denkmalschutz und Klimaschutz schließen sich nicht aus sondern sie ergänzen sich.

Als letzte Station besuchte die Gruppe die Räume des Heimatvereins am Roggenmarkt. Dort genossen die Teilnehmenden einen kleinen Schluck von Moormanns roten Johannisbeerlikör, der einst von der Familie Moormann in Werne hergestellt wurde.

Zum Abschluss saß die Runde bei einem kühlen Getränk auf dem inzwischen zuverlässig aufgeheizten Marktplatz und diskutierte über den seit letztem Sommer installierten, jedoch weiterhin bemerkenswert funktionslosen Trinkbrunnen – immerhin gut geschützt unter einem Sonnenschirm.

Die BIN dankte der Stadtführerin für die engagierte und informative Führung. Sie vermittelte Geschichte nicht nur als Rückblick, sondern als Auftrag. Was bleibt, ist mehr als eine Erinnerung an vergangene Zeiten: Alte Bäume sind keine Kulisse, sondern Lebensspender, Schattengeber und stille Zeugen einer Stadt, die sich entscheiden muss, wie sie in Zukunft leben will.

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