Prozess: Bootshändler soll Kunden um mehr als 109.000 Euro betrogen haben

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Werne/Lünen. Der Betrugsprozess gegen einen Bootshändler aus Werne wird sich voraussichtlich länger hinziehen. Beim Auftakt der Verhandlung am Freitag (17. Juli 2026) vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Lünen äußerte sich der 34-Jährige nicht zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft.

Der vorsitzende Richter Ulrich Oehrle erklärte nach einem Rechtsgespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit, dass eine umfangreiche Beweisaufnahme erforderlich sein werde. Ein Fortsetzungstermin wird voraussichtlich erst Anfang kommenden Jahres stattfinden.

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Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten Münsteraner Betrug in zwölf Fällen vor. Er soll zwischen September 2020 und November 2023 in Werne verschiedene Boote und Bootszubehör über das Internet verkauft haben. „Wobei er von Anfang an nicht in der Lage war, die angebotene Ware zu liefern“, heißt es in der Anklageschrift. Trotzdem habe der Angeklagte für die Bestellungen Anzahlungen und Kaufpreise entgegengenommen und sich auf diese Weise eine „nicht unerhebliche Einnahmequelle verschafft“. Einzelne Geschädigte zahlten zwischen 2.000 und 24.000 Euro für Zubehör oder motorisierte Schlauchboote. Insgesamt beläuft sich der Schaden laut Anklage auf mehr als 109.000 Euro.

Nach Verlesung der Anklage machte der Angeklagte lediglich Angaben zu seinen persönlichen Verhältnissen. Anschließend unterbrach das Gericht die Sitzung für ein Rechtsgespräch mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Das Gespräch verlief ohne Ergebnis“, sagte Richter Oehrle, als das Verfahren fortgesetzt wurde. Der Verteidiger erklärte, sein Mandant werde sich nach wie vor nicht zur Sache äußern. Einen Insolvenzantrag der AOK aus August 2022 wertete der Richter als mögliches Indiz für wirtschaftliche Schwierigkeiten des Angeklagten. Der Antrag habe sich erledigt, weil die ausstehenden Sozialbeiträge vom Angeklagten nachgezahlt worden seien.

Als Oehrle weitere Insolvenzunterlagen erörtern wollte, unterbrach der Verteidiger wiederholt. Er widersprach der Verwertung einzelner Erkenntnisse aus einem weiteren Insolvenzverfahren und forderte: „Wir möchten den Insolvenzverwalter persönlich dazu hören.“ Weiteres könne und wolle er bei diesem Verhandlungstermin nicht erklären. „Dann ist die Fortsetzung dieses Termins ziemlich sinnlos“, sagte Oehrle. Er habe den Verhandlungstag bewusst als Sondierungstermin geplant und daher keine Zeugen geladen. Einerseits, um einzugrenzen, welche Anklagepunkte tatsächlich strittig seien, andererseits, um dem Angeklagten eine Einlassung zu ermöglichen. Zumindest bei acht Vorfällen bestehen erhebliche Verdachtsmomente. „Und es kann durchaus zugunsten des Angeklagten gewertet werden, wenn man dem Gericht eine umfangreiche Beweisaufnahme erspart.“ Das sei nach dem jetzigen Stand der Dinge jedoch nicht der Fall. „Ohne Vernehmung von Zeugen kann ich nicht feststellen, ob ein Vertrag geschlossen, ob geliefert, ob ein Insolvenzverfahren durchgeführt wurde.“ Zur Klärung dieser Fragen ergehe ein neuer Termin von Amts wegen.

In einem Gespräch mit WERNEplus nach Ende der Verhandlung berichtete einer der mutmaßlichen Geschädigten, dass sich mehrere Betroffene angesichts ausbleibender Lieferungen in einem Internetforum für Schlauchboote ausgetauscht hätten. „Wir haben eine WhatsApp-Gruppe mit zehn, zwölf Leuten eingerichtet und informieren uns dort über den Stand der Dinge. Auch über das Insolvenzverfahren.“ Die einzelnen Geschädigten hätten jeweils eigene Strafanzeigen erstattet. Ein weiterer Zuhörer der Verhandlung gab an, er habe gegen den Angeklagten bereits ein Zivilverfahren angestrengt. Ziel: Lieferung des bestellten Bootes oder die Rückzahlung der Anzahlung in Höhe von 20.000 Euro. Das Zivilverfahren sei mit einer Einigung über die Lieferung des Boots beendet worden. Das sei kurz vor Eröffnung der Insolvenz gewesen. „Das Boot ist immer noch nicht da.“ Das Geld auch nicht.

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