Opulenter Bildband bringt Chanels Luxus auf den Couchtisch

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Werne. Gemeinsam mit Hubertus Waterhues und seinem Team von Bücher Beckmann empfiehlt unsere Autorin Anke Barbara Schwarze hier jeden Monat ein Buch, das sie besonders begeistert hat. Das kann ein Roman sein, ein Kinderbuch, ein Sachbuch oder ein Kochbuch: Hauptsache, es gefällt. Diesmal: „Chanel. Die Essenz des Luxus“.

Braucht man noch ein Buch über Coco Chanel, wenn man schon mehrere im Schrank stehen hat? An sich hätte ich diese Frage für mich mit Nein beantwortet. Bis ich diesen neuen Bildband in der Hand hielt: „Chanel. Die Essenz des Luxus“. Dabei machen gerade die Texte und Bilder, die über den biografischen Teil hinausgehen, das Buch für mich lesens- und vor allem sehenswert.

Mara Cappelletti tritt nicht mit Anspruch an, die Lebensgeschichte von Chanel neu aufzurollen, „einer Persönlichkeit, über die bereits eine Flut von Büchern existiert“. Stattdessen skizziert sie zu Beginn den schillernden Charakter einer Frau, „die sich zur Ikone machte“, so der Titel dieses Kapitels: verletzlich, entschlossen, genial, opportunistisch, sarkastisch. Chanel wagte minimalistischen Stil in einer Zeit, die von einer überbordenden Frauenmode geprägt war. Der Modeschöpferin gelang, wonach viele Frauen modisch streben: Sie „definierte ihr stilistisches Repertoire mit großer Klarheit“, so Cappelletti. Chanel wusste Zeit ihres Lebens, wer sie war. Und wer sie sein wollte. Wer einen gut recherchierten und flüssig geschriebenen Einstieg in Chanels Leben sucht, ist in diesem Buch an der richtigen Stelle.

In jedem Fall löst Cappelletti ein, was ihr Buchtitel verspricht: Sie kristallisiert die „Essenz des Luxus“ heraus, der Chanels Mode ausmachte und ausmacht. Sie beschreibt exakt und vom Handwerk der Schneiderkunst her, worin die Innovation der jeweiligen Kleidungsstücke bestand. Etwa beim bis heute angesagten Tweedkostüm, mit dem Chanel Mitte der 1950er-Jahre ihr Comeback feierte: die gerade geschnittene Jacke, die der natürlichen Linie des Körpers folgte, der Bewegungsfreiheit schaffende knielange Rock, der robuste Tweedstoff. Ein weiterer großer Wurf der Modeschöpferin war das kleine Schwarze, das Chanel 1926, also vor 100 Jahren, erfand. Damit befreite sie die Farbe von ihrem Trauerimage und gab Frauen eine modische Allzweckwaffe in die Hand. Das bedeutete jedoch nicht, dass Chanels Mode farblos war. Ein Blick auf die opulenten Fotos des Buches beweist auf einen Blick das Gegenteil.

Die vielseitige Bebilderung und der haptische Einband machen das großformatige Buch zu einem Schmuckstück, zu einem wunderbaren Coffee-Table-Book. Die Fotos erschöpfen sich nicht in jenen oft gesehenen Porträts von Chanel, inszeniert von den besten Modefotografen ihrer Zeit wie Horst P. Horst, Cecil Beaton oder Boris Lipnitzki. Darüber hinaus gibt es brillante Abbildungen erhaltener Abendkleider und Kostüme, Detailaufnahmen von Stoffmustern und Stickereien. Schwarz-Weiß- und Farbfotos von Mannequins und Prominenten zeigen eine tragbare Mode. Denn Chanel wollte Kleidung für die berufstätige Frau und hatte nichts dagegen, wenn ihre Entwürfe für die Stange kopiert wurden. Der Beweis: ein Foto, auf dem Illustratoren während einer Modenschau die Chanel-Couture skizzieren.

Ein Muss für Sammler und Liebhaber von Vintage-Schmuck sind die hochauflösenden Schmuckfotos im Buch. Die Autorin hat nicht nur Sprachwissenschaften, sondern auch Geschichte des Schmucks studiert. Entsprechend akribisch werden Ketten, Armreifen und Ohrringe aus dem Haus Chanel beschrieben und optisch inszeniert – bis hin zu den filigranen Fassungen leuchtender Glassteine. Denn auch in der Hinsicht erwies sich Chanel als Pragmatikerin: Schmuck solle schmücken, dafür müsse er nicht teuer sein. Wegbereiter des Modeschmucks war allerdings Chanels Konkurrent Paul Poiret. „Um seinen Entwürfen den letzten Schliff zu geben, führte Poiret Modeschmuck ein“, schreibt Cappelletti. Auch in anderen Bereichen vermeidet sie es, Chanel zur moderevolutionären Lichtgestalt zu idealisieren. Stattdessen beschreibt sie deren Innovationen im Kontext der Pariser Modegeschichte Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie stellt den gesellschaftlichen Wandel der Zwischenkriegszeit heraus, nennt Elsa Schiaparelli ebenso wie Madeleine Vionnet und Jean Patou.

Und es geht nach dem Tod von Chanel weiter – im Modehaus wie im Text. Mit Karl Lagerfeld, der frischen Wind in das ikonische Design brachte, indem er Chanel-Klassiker neu interpretierte. Mit Virginie Viard (ab 2019) und Matthieu Blazy (seit 2025). Auch diese Kapitel werden durch inspirierende Fotos bereichert, zu denen jetzt auch die von Lagerfeld spektakulär inszenierten Défilés gesellen. Sie machen sichtbar, wie ikonische Chanel-Codes in späteren Kollektionen modifiziert wurden. Und sich dabei doch treu geblieben sind. So wie ihre Schöpferin.

Mara Cappelletti: Chanel – Die Essenz des Luxus. Von Accessoires bis Haute Couture, München/London/New York: Prestel 2026, 240 Seiten, gebunden

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