Werne. Die Entscheidung über die Zukunft des Anne-Frank-Gymnasiums ist die wohl wichtigste in dieser Legislaturperiode, ordnete Christoph Dammermann (FDP) am Mittwoch, 21. April 2026, im Schulausschuss ein. Bekanntlich muss das Schulgebäude des städtischen Gymnasiums aus dem Jahr 1975 mindestens von Grund auf saniert und erweitert werden. Die Liberalen hatten die eingeschobene Sitzung „angesichts der großen Bedeutung für die Schulgemeinschaft“ beantragt.
Das Interesse an der Sitzung war zur Freude der Ausschussvorsitzenden Marita Funhoff (SPD) groß. So waren Schulleitung, Elternpflegschaft, Schülervertretung und interessierte Zuhörer zahlreich vertreten.
Neu im Varianten-Pool neben Sanierung in einem Zug sowie Neubau/Ersatzbau: die Kombi-Variante (Sanierung und Neubau). Sie beinhaltet einen Teilabriss des Altbaus, die Sanierung des Naturwissenschaftstrakts und aufstehender Gebäudeteile sowie den Aufbau zweier Klassenhäuser in Modulbauweise. Um sich von dieser Variante einen praktischen Eindruck zu verschaffen, nahm die Runde das von Funhoff offerierte Angebot an, mit einer Delegation ein in solch einer Bauweise errichtetes Gymnasium in Dortmund zu besichtigen.
Schulausschuss mit Extra-Sitzung
Dr. Tobias Gehrke, Leitung KBW, gab einen Überblick zum Stand der Dinge. Zu Bewertung der Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Varianten habe die Verwaltung einen Dienstleister beauftragt, teilte Gehrke mit. Eine „angemessene Wirtschaftlichkeitsbetrachtung“ sei laut NRW-Infrastrukturgesetz 2025 bis 2036 notwendig. Den Zeitrahmen dafür bezifferte er mit 14 Wochen.
Das stieß bei Christoph Dammermann auf Kritik. „Völlig unangemessen, das raubt den Atem“, blickte er auf den Zeitverlust aus seiner Sicht. Laut Verwaltungsvorschrift müsse die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von der Stelle geleistet werden, die damit befasst sei. Ziel sei es vielmehr, dass der Rat noch vor der Sommerpause entscheide.

Kontrovers wurde die Kommunikation zwischen Verwaltung und Schule diskutiert. Es sei „erschütternd“, dass es ein abgeschlossenes Raumprogramm gebe, so Christoph Dammermann, das sei aber nicht die Aufgabe des KBW, sondern müsse im Schulausschuss beschlossen werden. Wie sähe eine gute gymnasiale Ausbildung in Zukunft aus? Das sei keine gute Kommunikation zwischen Schule und Verwaltung.
Diese sei nicht so schlecht, hielt Gehrke dagegen. Das Raumprogramm umfasse die gesamte Schule, Altbau wie Anbau. Sowohl bei der Sanierungsvariante als auch beim Neubau gehe man von der gleichen Fläche aus. Kathrin Kötter, Leitung Schulabteilung, informierte, das man derzeit auf den aktualisierten Schulentwicklungsplan und die Zahlen zum Raumbestand warte. Da werde die Schule beteiligt.
Schulleiter skeptisch gegenüber Sanierungsvariante
Als „Ankermieter“ meldete sich AFG-Schulleiter Marcel Damberg zu Wort, der zusammen mit dem neuen stellvertretenden Schulleiter, Sebastian Hierl, den Vorsitzenden der Schulpflegschaft, Stefan Böhm und Dorothee Korallus, sowie den SV-Vorsitzenden Frieda Lipke und Steffen Kramer gekommen war.
Damberg umriss das Spannungsfeld zwischen haushalterischer Disziplin, zu der er als Landesbeamter verpflichtet sei, und der pädagogischen Weichenstellung des Werner Gymnasiums, das ein wichtiger Standortfaktor der Stadt sei. In den vergangen Jahren habe sich das AFG zu einer Leuchtturmschule im Kreis entwickelt, befürchtete er durch die Bauzeit Nachteile für deren Status. Froh zeigte er sich über den Workshop zum Thema, der im Januar stattgefunden habe.
Für die Schule gelte es, verschiedene Bildungsabschlüsse zu gewährleisten, schilderte er die Anforderungen. Wenn während der Bauphase Fachräume fehlten, könne man Rechtsansprüche nicht einhalten. Wir haben für das Abi 2027 Profilkurse in Naturwissenschaften und Technik. Dafür brauche es Fachräume, sah er die Interimslösung in Containern kritisch. Auch befürchtete er bei der Wahl der Sanierungsvariante das Risiko, dass es länger dauern werde als geplant. Das hätte hohe Mehrkosten bei der Containermiete zur Folge, nannte er Kosten von 18 Millionen Euro.
„Wir sanieren nicht einfach drauf los“, reagierte der KBW-Leiter. Wir setzen uns ein finanzielles Ziel, jetzt plötzlich 18 Millionen Euro in den Raum zu stellen, sei schwierig. Man habe Gutachten zur Bausubstanz und zur Statik. Die Anforderungen der Curricula würden eingehalten.
Schulpflegschaft steuert detaillierte Ausarbeitung bei
Stefan Böhm legte für die Elternschaft eine vielseitige Ausarbeitung zur Zukunft des AFG mit detailliert und akribisch aufbereiteten Informationen unter anderem zum Vergleich Sanierung vs. Neubau und zu einer Risikoanalyse vor. Verfasst hatte das Zahlenwerk der Arbeitskreis Schulgebäude der AFG-Schulpflegschaft mit Expertise aus der Elternschaft. Anfangs habe man sich in der Kommunikation außen vor gefühlt, inzwischen gebe es aber eine sehr positive Entwicklung, so Böhm über den Workshop und nicht zuletzt die Möglichkeit, im Ausschuss zu sprechen. „Wir haben uns Gedanken gemacht für die 850 Schüler“, betonte er.
Die Sanierungsvariante berge laut Einschätzung des Arbeitskreises erhebliche Risiken. „Was kriege ich, wenn die zwei Jahre um sind, eine Wundertüte?“ fragte er. Ein Asbest-Risiko in dem Gebäude liege etwa bei 50 bis 70 Prozent, schätzte er ein. Die Modulbauweise der Kombi-Variante sei schneller umzusetzen, meinte er. „Wir möchten ein gutes Lernumfeld, nicht das beste“, sagte er für die Elternschaft.
Schülervertretung: „Was Schule ausmacht…“
Schülersprecherin Frieda Lipke schilderte dann eindrücklich, was Schule ausmacht. „Das ist Heimat, Leben. Bisher ging es um das Gebäude, Schule ist mehr als das. Viele verbringen auch ihre Freizeit in der Schule“, so die 18-Jährige. In der Containerlösung gebe es nicht genügend Räumlichkeiten. Dann fielen Beratungen weg, etwa bei Mobbing oder für psychische Gesundheit. Freistunden und Pausen würden zudem im PZ verbracht, ergänzte sie.
„Wir brauchen ein Raumkonzept“, setzte Schulleiter Marcel Damberg mit Blick auf die Varianten abschließend die Zielvorgabe.
Einen Überblick zu den einzelnen Varianten finden Sie hier.






















