Werne. Maria ist aus dem Häuschen und irgendwer hat an der Kirchturmuhr gedreht: Gleich zwei dringende Restaurierungsprojekte stehen in der Kirchengemeinde St. Christophorus auf der Tagesordnung.
Die sommerlichen Hitzewellen setzten der Madonna in dem Heiligenhäuschen an der Außenmauer des Kirchenchores zu. Und die Turmuhr steht konsequent auf Viertel nach vier, seit um diese Zeit frühmorgens ein Seil im Uhrwerk riss.
Trotz Handys fehlt die Kirchturmuhr
„Beides hat für uns Priorität“, sagte Pfarrdechant Jürgen Schäfer. Die Uhr werde von vielen Menschen in Werne vermisst. Auch in Zeiten, in denen Handys vielfach die Armbanduhren ersetzen, wandert der Blick vieler Passanten automatisch zur Kirchturmuhr. Andere, so wie Schäfer selbst, orientieren ihr Zeitgefühl am viertelstündigen Schlagen der Uhr. „Wir haben seit 1934 eine mechanische Uhr im Turm“, erklärt Jürgen Schäfer. Es gibt nur einen kleinen Elektromotor, der die drei Gewichte des Uhrwerks automatisch hochzieht. Diese Gewichte halten die Uhr am Laufen und treiben den Stunden- und den Viertelstundenschlag an. Bis vor einigen Wochen ein Seil, an dem eines der Gewichte hing, dem Verschleiß nicht mehr standhielt. Das Gewicht stürzte darauf ein Stockwerk tiefer zu Boden, ohne dort weiteren Schaden anzurichten.

Ein Sachverständiger des Bistums Münster, David Jan Wilk, prüfte die Turmuhr und stellte fest, das alle Seile zu erneuern sind. Außerdem muss das Uhrwerk auseinandergebaut und gereinigt werden, verschlissene Teile müssen ausgetauscht werden. „Das wird aus Kirchensteuermitteln bezahlt, daher gilt für diese Renovierung die Bauordnung des Bistums“, erklärte Schäfer.
Der Kirchenvorstand werde in seiner nächsten Sitzung am 10. September 2026 die Maßnahme beschließen und einen Finanzierungsplan aufstellen. „Ist der genehmigt, werden wir Angebote von zwei Firmen einholen, die auf Turmuhren spezialisiert sind.“ Derartige Fachbetriebe würden immer seltener, die vorhandenen hätten entsprechend gut zu tun. „Immerhin sind beide mehr oder weniger in der Nähe, die eine im Münsterland, die andere im Sauerland.“

Zur Sim-Jü-Kirmes und spätestens kurz danach soll die Kirchturmuhr von St. Christophorus wieder schlagen.
Im Häuschen wie im Backofen
Der Zahn der Zeit nagt auch am Heiligenhäuschen, dass seit Jahrhunderten an der südöstlichen Außenmauer des Kirchenchores steht. „Es ist so platziert, das die Madonna im Häuschen das Rathaus sozusagen unter ihren schützenden Blick nimmt“, erklärt Schäfer und beruft sich dabei auf Dr. Bettina Heine-Hippler, die als Referentin für Denkmalpflege beim LWL für Werne zuständig war. Der empfindliche Baumberger Sandstein, aus dem das Häuschen besteht, ist stark verwittert, eine Inschrift auf der vorderen Tafel nicht mehr zu entziffern. Irgendwann erhielt der Bildstock ein anachronistisches Betonfundament. Dringender Handlungsbedarf entstand aber, als die Temperaturen im Juni fast 40 Grad erreichten. „Hinter ihrer Glasscheibe standen Maria und das Kind wie in einem Backofen“, sagt Schäfer. In der Nische mit den Heiligenfiguren herrschten an die 60 Grad, wenn die Mittagsonne darauf schien. Die Farbschichten, die in Jahrhunderten übermalt worden waren, blätterten ab.

Jürgen Schäfer nahm die Figur von ihrem Platz und brachte sie nach Coesfeld, ins Restaurierungsatelier von Anne-Sophie Hinnüber-Eysing und Patricia Schering. Sie haben schon mehrere Objekte aus Wernes Kirchen in ihrer Obhut gehabt. Die Maria soll nicht nur restauriert, sondern auch so präpariert werden, dass sie besser gegen Hitze gewappnet ist. Das Heiligenhäuschen wird außerdem eine neue Glasscheibe erhalten, die UV-Strahlen reflektiert.

„Dadurch wird die Figur auch besser zu sehen sein als durch die derzeitige vergitterte Scheibe“, fügt Schäfer hinzu. Ein Lüftungsschlitz im Bildstock soll für bessere Luftzirkulation sorgen. Vorher wird das Häuschen selbst aber abgetragen und im Steinmetzbetrieb Werner Schlüter in Drensteinfurt aufgearbeitet. Wenn alles wieder an Ort und Stelle ist, soll die Madonna in besseres Licht gerückt werden, wie Andreas Rusch aus Hamm, federführender Architekt des Projekts, erklärt. „Wir suchen gerade nach Wegen, minimalinvasiv eine Beleuchtung in dem Heiligenhäuschen zu installieren.“





















