Von Constanze Rauert
Werne. Ein bisschen ist es so wie sonst auch: Frauen sitzen im Wartesaal, die Blicke schweifen umher, leichte Spannung liegt in der Luft, Frauenarztpraxis eben. Doch das Bild trügt. Die Damen möchten kein Gespräch über Vorsorge, Verhütung, gar Verzweiflung. Sie wollen gute Unterhaltung. Und die bekommen sie an diesem Freitagabend (29. Mai 2026) in der Frauenarztpraxis Gyn Werne in der Bonenstraße reichlich und frei Haus.
Dort zu Gast ist Aloisia Kreienbaum, ausgebildete Sprecherin mit Sinn für literarische Spurensuche und Hang zu Vor-Lesungen jenseits von Bühne und Bücherwand. Sie las schon im Blumenladen oder zwischen Fitnessgeräten und ihre Lesungen beim Frauentag in Werne sind Klassiker.
In den letzten Monaten hat sie ihre Nase einmal mehr in viele Bücher gesteckt und eine Textauswahl rund um Medizin, Krankheit und den sprichwörtlichen gesunden Humor getroffen.
Dr. Brigitte Westhues ist eine Freundin aus Kindertagen – und so war‘s schnell entschieden: Der Wartesaal von Gyn Werne wird zum Ort für‘s gepflegte Wort.
„So voll ist es hier sonst nicht“, meint die Gastgeberin mit Blick in die Runde und – das sei vorweggenommen – die von ihr spendierten Lachgummis und kühlen Getränke hätte es für den Erfolg des Abends gar nicht gebraucht.
Aloisia Kreienbaum hat sichtlich Spaß am Vorlesen auch mit verteilten Rollen. Ihre Mimik und Körpersprache beim Vortragen der ausgesuchten Texte tun ein Übriges für den Publikumsspaß.
„Dialog im Patientenzimmer“
Wer kennt es nicht, das ärztliche „Wie geht es uns?“. Elke Eberts (Krankenhausberatung.de) treibt das im „Dialog im Patientenzimmer“ auf die lachhafte Spitze, als die Nachtschwester der daraufhin zutiefst besorgten Patientin mitteilt: „Wir nehmen jetzt eine Schlaftablette.“
Mariana Leky ist mit zwei Texten aus dem Buch „Kummer aller Art“ vertreten. „Schwester Gertrud und die glückliche Kindheit“ schildert eine Situation in der Notaufnahme und zwischendurch stockt das Lachen dann doch.
„Das Zehnkampf-Knie“ wiederum beschreibt kurzweilig die Ratlosigkeit bei der Suche nach Ursache und Wirkung. Ist das Knie einfach kaputt oder dreht die Psyche im Hintergrund am Rad?
Lachhaft: Der Männerschnupfen
Horst Evers trifft mit „Grippe ist noch viel schlimmer“ ins leidgeprüfte Frauenherz: Der „Männerschnupfen“ wird mit verbalem Schwung auf die Schippe genommen. Punkt, Satz und Sieg.
Eher nachdenklich stimmten die Berichte über „Heiler rund um die Welt“, ein Kapitel aus Eckart von Hirschhausens Buch „Wunder wirken Wunder“. Fazit: Egal ob Schulmedizin, Heilkunde oder Voodoo – ohne Glauben läuft wenig und bei genauem Hinsehen sind alle gar nicht so weit auseinander.
Dann gibt es noch einen Evergreen. Aloisia Kreienbaum setzt mit Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf und ihrem unbekümmerten Umgang mit „Medusin“ einen knackigen Schlussakzent.
Donnerwetter, was für ein schöner Abend. Das kam dann übrigens gleich danach „in echt“.





















