Mittwoch, April 17, 2024

Jazz Club Werne: Ein leiser Abschied

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Werne. In einem knappen Jahr wird der Jazz Club Werne aus dem Vereinsregister verschwunden sein. Die Mitglieder haben im Spätherbst die Auflösung beschlossen. Damit verschwindet nach 34 Jahren und rund 1.000 Konzerten ein Stück Kulturgeschichte aus der Stadt.

„Die Idee war es damals, dem Jazz auch in Werne einen Stellenwert zu geben, den er verdient“, erinnert sich Club-Gründer Horst R. Kraft, der das Genre anlässlich des 25. Jubiläums im Jahr 2012 als „Weltsprache“, bezeichnete, in der sich Musiker jeglicher Nationalität und Hautfarbe musikalisch ausdrücken können.

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Jazz spielte im Leben des gebürtigen Soesters schon früh eine große Rolle. Die erste jazzige LP seiner ersten Band entstand schon 1963 als Gymnasiast. Zahllose renommierte Musiker und Bands sowie talentierte Newcomer, die ohne das Engagement des Vorsitzenden Horst R. Kraft und seiner Mitstreiter wohl nie in der Lippestadt aufgetreten wären, sorgten nach der Vereinsgründung im November 1987 über drei Jahrzehnte lang dafür, dass Werne für Jazz-Freunde alles andere als ein unbeschriebenes Blatt darstellte.

Letztlich hatte der Verein sogar außerhalb der Stadtgrenzen Mitglieder, die aus Städten wie Brüssel, Berlin, München, Hamburg und Düsseldorf nach Werne reisten – für oftmals exklusive Konzerte unter anderem vom Modern Jazz Quartett, dem Golden Gate Quartett oder Maceo Parker‘s Band.

Ab 1991 entwickelten sich die DonnerstagsJazz-Veranstaltungen bei freiem Eintritt in Fränzers Schänke zu einem Renner. „Das jähe Ende erfolgte nach der 196. Veranstaltung, nachdem die Familie Fränzer ihr Lokal in neue Hände gelegt hatte“, so Horst R. Kraft, der Paul Fränzer viel zu verdanken hat. Die Reihe wurde anschließend im Hotel Baumhove in gleicher Form weitergeführt.

Der „letzte Vorhang“: Das Werbebanner hing bei den Veranstaltungen im Rathaus hinter der Bühne vor den Fenstern zum Marktplatz.

Von 1992 bis 1996 organisierte der Jazz-Club in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Kamen Jazzveranstaltungen in der dortigen Stadthalle sowie der Konzertaula Kamen, bei denen Horst R. Kraft in den Verträgen immer darauf achtete, die Musiker im Hotel Baumhove unterzubringen, damit sich Interessierte nach dem Konzert mit ihnen in Fränzers Schänke zu einem Absacker und Gesprächen treffen konnten.

Höhepunkte gab es in der über 30-jährigen Vereinsgeschichte viele. Der im vergangenen Jahr verstorbene britische Posaunist Chris Barber war ebenso wie Jazz- und Blues-Sängerin Sydney Ellis regelmäßig zu Gast in der Lippestadt. Unvergessen ist zudem die erste und einzige DVD-Produktion des Vereins, bei der ein Konzert des US-amerikanischen Jazzmusikers Charlie Mariano im Bürgersaal mit umfangreicher Technik und fünf Kameras festgehalten wurde. „Die Produktion ist sehr gut geworden“, ist dem pensionierten Lehrer noch immer die Begeisterung für das besondere Produkt anzumerken.

Unvergessen sind dazu die musikalischen Ausflüge aufs Wasser geblieben. Erst auf dem Kanal und später aufgrund der großen Resonanz auf dem Möhnesee fanden stets ausverkaufte Riverboat-Shuffles mit jeweils zwei Bands auf dem Ober- und Unterdeck des Katamaran MS Möhnesee statt – zusammen mit den befreundeten Jazzclubs Soest, Lippstadt und Arnsberg. In den Hochzeiten hatte der Verein über 200 Mitglieder, zuletzt noch knapp 60.

Nun befindet sich der Jazz Club in der Auflösung. „Die Auflösung des Vereins wurde über einen Werner Notar auf den Weg gebracht und die notwendigen Unterschriften von den zur Auflösung gewählten drei Liquidatoren des Clubs bereits geleistet“, berichtet Horst R. Kraft. Die offizielle Auflösung wird noch etwa ein dreiviertel Jahr dauern, erst danach kann der Verein nach notarieller Beglaubigung aus dem Vereinsregister gelöscht werden.

Schon vor dem Ausbruch der Pandemie hatte Horst R. Kraft angekündigt, nach über 30 Jahren als Vorsitzender für diese Position bei den nächsten Vorstandswahlen nicht mehr zur Verfügung zu stehen. „Leider fand sich niemand, der übernehmen wollte. Das ist traurig“, blickt der Kulturpreisträger der Stadt aus dem Jahr 1998 zurück.

Die Zeit der Live-Veranstaltungen fand mit Beginn der Pandemie ein schnelles Ende. Das letzte Konzert bei Baumhove fand am 13. Februar 2020 statt. Mehrere weitere Konzerte für das Frühjahr waren geplant und mussten wieder abgesagt werden. „Bei Konzerten im Rathaus waren bei Einhaltung der Abstandsregeln statt der bisherigen 130 Zuhörer nur etwa 30 erlaubt. Mit 30 Personen und einem maximalen Eintritt von 20 Euro kann heute keine Band bezahlt werden, jede Veranstaltung wäre ein finanzielles Minus gewesen“, bedauert der Club-Initiator.

Wenn die Liquidation des Vereins im Herbst beendet und alles abgewickelt ist, wird der Vorsitzende aber noch einmal aktiv werden: „Alle Gelder, die dann noch auf den Konten des Vereins sind, gehen dann an die Fördervereine der Grundschulen in Werne. Das Geld soll für die musikalische Fortbildung der Kinder verwendet werden.“ Das ist nicht nur in der Satzung so festgeschrieben, sondern ebenso ein persönlicher Wunsch von Horst R. Kraft. „Somit werden einige der Zuschüsse der vergangenen Jahre wieder an die Stadt Werne zurück fließen.“ So schließt sich ein Kreis, der durch jährliche Zuschüsse aus dem Stadthaus entstand.

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