Mittwoch, Februar 28, 2024

Hirtenidylle und Düsternis: Organist malte lebhafte Klangbilder

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Werne. Ausdrucksstark, farbig und effektvoll – so klingen französische Orgelkompositionen, oftmals komponiert für klangmächtige Kathedralen. Ein Gefühl von dieser Imposanz vermittelte Professor Dr. Bernd Scherers am Sonntagnachmittag in die gotische St. Christophorus-Kirche in Werne. Auf Einladung der Stiftung Musica Sacra Westfalica interpretierte er Werke französischer Organisten aus vier Jahrhunderten, von Grigny bis hin zu Zeitgenossen wie Denis Bédard.

Gleich das erste vermittelte mehr als 40 Liebhabern der Kirchenmusik einen nachhaltigen Eindruck vom Facettenreichtum dieser Stilrichtung. Scherers eröffnete das Programm mit der barocken Suite über den lateinischen Hymnus „Veni Creator Spiritus“ von Nicolas de Grigny (1672–1703). Da wurde ein würdevolles, markantes Schreitmotiv von einer schlichten Melodielinie abgelöst. Fein ziselierte Linien von tänzerischer Anmutung verdichteten sich zu einem Klangbild, das an eine ländliche Hirtenidylle gemahnte – gefolgt von einem triumphierenden Finale.

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Melancholische Düsternis umfing die Zuhörenden dagegen in Henri Mulets (1878–1967) „Paradisum“. Schwer ließ Scherers die gedämpfte Töne in den Kirchenraum fallen. Ihr Rhythmus erinnerte an einen Menschen, der sich nur mühsam vorwärtsbewegt. Und dann schimmerte mit einem Mal über alledem ein zarter Ton wie ein hoffnungsvoller Lichtschein. Die „Fantasie a-moll“ von Guy Ropartz beginnt mit einem mächtigen Forte. Scherers formulierte das als klare Ansage mit pointierter Rhythmik. Die auftürmenden Klangmassen verdichtete er zu einem vorwärtsdrängenden, fast explosivem Spannungsbogen.

Leichtfüßig hingetupfte Sequenzen von gläserner Transparenz kennzeichneten „Präludium und Fuge f-moll“ von Marcel Dupré (1886–1971), wobei leise Disharmonien den meditativen Melodiefluss aufrauten. Ebenfalls von Dupré stammt das „Antiphon III: I am Black But Comely“ („Schwarz bin ich, doch schön“, aus dem Hohelied 1,5) – eine schwebende Melodie von bestrickender Schlichtheit, von Scherers in der gebotenen Langsamkeit vorgetragen.

Das nächste Konzert der Stiftung Musica Sacra Westfalica ist am Sonntag, 19. November 2023. Ab 17 Uhr tritt das Saxophon-Quartett Lilith in St. Christophorus auf.

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