Montag, Juli 15, 2024

Konzert des Frauenchors am Kloster: Lupenrein und kraftvoll strahlend

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Von Dr. Götz Loos

Werne. Eine erfreulich voll besetzte Klosterkirche – mit etlichen Stehplätzen zusätzlich – wurde am Samstag Zeuge des ersten öffentlichen Auftrittes des Frauenchors am Kapuzinerkloster nach der Corona-Krise. Und das Publikum wurde nicht enttäuscht.

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Der Chor wirkte nicht nur äußerst motiviert und engagiert, er interpretierte mit einer selten gehörten Professionalität, die ihresgleichen in der Umgebung unter den Freizeitchören sucht. Wenn überhaupt eine Schwäche erwähnt werden darf, so fiel mir an einer einzigen Stelle eine solche auf – und diese war auch nur bei genauestem Hören zu bemerken und sehr kurz. Nein, die Leistung soll und kann dadurch nicht geschmälert werden.

Der Chor bestach durch absolute Synchronizität, Klarheit und Transparenz in Wort und Klang sowie einer unfassbaren Standhaftigkeit der Stimmen. Die perfekte Abstimmung erzeugte einen lupenreinen Klang. An keiner Stelle höhlte der Sopran aus, wie man es selbst bei sonst herausragender Leistung stellenweise immer wieder bei Chören findet – die Stabilität im musikalischen Vortrag ging durch alle Werke, so unterschiedlich sie auch waren. Eine solche Leistung für nicht berufsmäßige Sängerinnen verlangt nach sehr viel mehr als nur Respekt – es war eine Meisterleistung.

Das Programm wies eine Zweiteilung auf: Werke der klassischen Musik zunächst, danach solche aus der Popliteratur. Die Chorwerke wurden in Blöcken vorgetragen, zwischen denen jeweils ein Instrumentalwerk zwischengeschaltet war.

Hervorgehoben seien zunächst Mendelssohns „Wirf Dein Anliegen auf den Herrn“, Gounods „Da pacem“ und Schuberts „Sanctus“ – drei hintereinander aufgeführte und von der Struktur so unterschiedliche Werke, die in dieser Reihung und durch die stimmliche Leistung eine nie gekannte Kontinuität bzw. Aufbaufähigkeit erkennen ließen. Die trotz aller Kraftfülle – die an allen erforderlichen Stellen deutlich wurde – sanfte Art im Vortrag des Chores erzeugte zweifellos diesen Effekt. Kraft wie Sanftheit bewirkten gleichermaßen ein transparentes Strahlen, wie man es so durchgehend nicht oft zu hören bekommt.

Der zweite Block, beginnend mit Strawinskys „Pater noster“, war ähnlich geschickt konstruiert. Selbst Mozarts „Ave verum corpus“ mittendrin wirkte wohlplatziert, was aber hier auch kompositorisch eingepasst war, weil von Mozarts „Standards“ abweichend. Das den Block abschließende „Tollite hostias“ aus Saint-Saëns‘ Weihnachtsoratorium hätte ich mir allerdings mit mehr Tempo gewünscht.

Der dritte Block war dann der Popmusik zugewandt. „Majesty (Here I Am)“, das erste Stück, ist schon lange Bestandteil von Kirchenmusik, dann folgten „Hymn“ (Barclay James Harvest), ebenfalls für Kirchenchormusik sehr geeignet und ein Song von Enya („May it be“). Auch hier war Stimmigkeit gegeben, wenn auch ein Auf und Ab der Dramatik und keine eindeutige Entwicklung. Bezüglich des Enya-Songs hätte ich (als somit geouteter Fan) vermutlich einen anderen gewählt. Ein letzter Block bestand aus „We are the world“ und dem bekannten Abschiedsstück „Auld Lang Syne“ – zwei weltverbindenden  Werken. Das Publikum wurde hier – wie dann auch beim Schlusschor – zur Beteiligung aufgerufen. Ein Wohlgefühl, ein warmer Schauer, war der Effekt, der zumindest bei mir zu Tage trat. Wie gesagt, alles bei höchstprofessionellem Chorvortrag.

Zu den instrumentalen Intermezzi noch einige Worte: Das dunkle Prelude in g-moll von Rachmaninow, vorgetragen am Klavier von Andrea Garner, passte sehr gut zur Überleitung der beiden „klassischen“ Blöcke; Mozarts Andante KV 315, mit Chorleiter Stefan Makoschey an der Flöte, wirkte wie ein friedlicher, runder Abschluss der klassischen Werke.
Von größerem Interesse war jedoch das dritte Intermezzo, bei dem Makoschey mit der Flöte eine Improvisation in e-moll, beim Spielen entstehend, vorlegte. Dies gelang ihm meisterlich, einschließlich eines amüsanten Endes, bei dem ihm ohrenscheinlich die Luft ausging…

Zum Chorleiter Stefan Makoschey schließlich noch einige Worte: In Vorgaben und Führung machte er einen sehr liebenswürdigen Eindruck. Dies tat der hohen Qualität des Chores kein bisschen Abbruch. Vielleicht ist es speziell diese Weise, den Chor anzuleiten, um bei ihm Spitzenqualitäten herauszuholen.

Ansonsten konnte das Publikum noch Pater Tobias‘ Leistung als Percussionist bewundern. Stefan Makoschey bewies auch an der Gitarre Bestleistungen. Und der Erfolg des Konzertes bemaß sich letztendlich auch daran, dass eine Reihe von Besuchern und -innen singend und pfeifend nach Hause ging – besser kann ein grandioses Konzert doch wohl kaum enden.

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