Felix Hell entfesselt die Orgel von St. Christophorus

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Werne. Die Orgel ist ein Instrument, das man meist hört, ohne den Menschen an ihren Tasten zu sehen. Bei Felix Hells Konzert am Sonntag, 27. September, in der Pfarrkirche St. Christophorus war das anders: Eine Übertragung von der Orgelbühne auf eine Leinwand im Kirchenraum ließ das Publikum auch an der Arbeit des Organisten teilhaben.

So bekam die Musik ein Gesicht – und die Verbindung zwischen Hells Spiel und dem Klang, der die Kirche erfüllte, wurde unmittelbar sichtbar.

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Schon vor dem Konzert hatte Hell versprochen, die Gäste würden die Orgel danach womöglich „mit anderen Ohren hören“. Rotary-Präsident Benjamin Müller griff diesen Gedanken in seinem Grußwort humorvoll auf. Seine Orgelkonzerterfahrungen seien bislang überschaubar; bei einem seiner letzten Konzertbesuche habe AC/DC auf der Bühne gestanden. Das sei wohl eine andere Art von „Highway to Hell“.

Kantor Dr. Hans-Joachim Wensing begrüßte die Gäste und dankte den Menschen, die den Abend möglich gemacht hatten, sowie Bürgermeister Lars Hübchen für die Übernahme der Schirmherrschaft. Hübchen würdigte das Engagement von Musica Sacra Westfalica: Dass ein Künstler von Felix Hells internationalem Rang in Werne zu Gast sei, zeige, was die Stiftung mit ihrem Netzwerk und viel Herzblut für das kulturelle Leben der Stadt leiste. Der Rotary Club Lünen-Werne förderte das Konzert.

Hell sprach vor seinem Auftritt ebenfalls zum Publikum. Als Organist sei er häufig auf einer Empore verborgen; deshalb freue er sich, den Gästen zunächst einmal in die Augen schauen zu können. Er erzählte von seinem ersten Orgelkonzert, zu dem ihn seine Eltern als Siebenjährigen mitgenommen hatten. Das Instrument habe ihn seitdem nicht mehr losgelassen. Dass er seine Begeisterung zum Beruf machen konnte, erfülle ihn noch immer mit Staunen.

Dann begann die Musik – und mit ihr eine Reise durch erstaunlich verschiedene Klangwelten. Bachs berühmte „Toccata und Fuge in d-Moll“ setzte einen markanten Auftakt. Schon dieses Werk zeigt, warum die Orgel so viele Menschen fasziniert: Eine musikalische Idee kann sich erst frei entfalten und dann zu einem gewaltigen Gefüge verdichten. Auf der Leinwand war zugleich zu sehen, dass dieser Klangreichtum aus präziser, körperlicher Arbeit entsteht.

Mit „Komm, süßer Tod“ in der Bearbeitung von Virgil Fox wechselte die Stimmung. Nach der dramatischen Wucht des Auftakts stand nun der Ausdruck einer innigen, nachdenklichen Musik im Vordergrund. César Francks Choral Nr. 3 in a-Moll führte anschließend in eine andere Klangsprache: Drängende Bewegung und lyrische Passagen stehen hier in einem spannungsreichen Verhältnis. Das Programm ließ der Orgel Raum, mehr zu sein als ein Instrument für feierliche oder überwältigende Momente.

Eine besondere Farbe brachte Guy Bovets „Akatombo“ in den Abend. Danach führte Franz Liszts Fantasie und Fuge über „Ad nos, ad salutarem undam“ das Konzert zu seinem großen Schluss. Dieses Werk verlangt dem Organisten und dem Instrument außerordentlich viel ab. Seine weit gespannten musikalischen Bögen und seine Steigerungen gaben dem Finale eine eindrucksvolle Größe.

Gerade die Abfolge der Werke machte den Reiz dieses Abends aus. Hell führte das Publikum von Bach über Franck und Bovet bis zu Liszt, von Vertrautem zu vielleicht weniger bekannten Klängen. Die Leinwand eröffnete dabei eine zweite Perspektive auf das Hören: Was sonst unsichtbar auf der Orgelbühne geschieht, wurde Teil des Konzerterlebnisses.

Als die letzten Töne verklungen waren, erhob sich das Publikum zu Standing Ovations. Beim anschließenden Umtrunk, zu dem Musica Sacra Westfalica und der Rotary Club Lünen-Werne als Förderer des Konzerts eingeladen hatten, nutzten einige Gäste die Gelegenheit, mit Felix Hell ins Gespräch zu kommen und ihm zu dem gelungenen Abend zu gratulieren.

Ob nun wirklich alle die Orgel mit anderen Ohren hören? Darüber kann nur jeder Gast selbst entscheiden. Felix Hell hat ihnen in St. Christophorus jedenfalls eindrucksvoll gezeigt, wie viele Stimmen dieses Instrument besitzt.

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