Werne. Dass die Pfarrkirche St. Christophorus an einem Sonntag hochsommerlicher Temperaturen so gut besetzt war, sagt schon vor dem ersten Ton einiges, über den Ruf der Reihe ebenso wie über die Anziehungskraft des Gastes.
Die Begrüßung übernahm der Kantor der St.-Christophorus-Gemeinde und musikalische Leiter von Musica Sacra Westfalica, Dr. Hans-Joachim Wensing, der mit freundlichen Worten den Bogen vom Wetter zur Musik spannte. Und tatsächlich war das Programm, das Prof. Michał Markuszewski aus Warschau mitgebracht hatte, dem Tag abgelauscht: leicht, beschwingt, ohne weihevollen Ballast – Orgelmusik, die nicht beschwert, sondern beflügelt.
Schon der Auftakt setzte den Ton: David N. Johnsons strahlende Trumpet tune in C major öffnete den Abend wie ein helles Tor. Es folgte ein Bach-Block, in dem sich die improvisatorische Meisterschaft des Interpreten -er ist Professor für Orgel und Orgelimprovisation- auf das Schönste zeigte: Die fragmentarische Fantasie C-Dur BWV 573 vollendete Markuszewski frei aus dem Geist Bachs, „Schafe können sicher weiden” und die Choralbearbeitung „Schmücke dich, o liebe Seele” BWV 654 geriet sehr sanft, fast verinnerlicht als ein stiller Höhepunkt inmitten der Heiterkeit.
Rheinbergers liedhafte Cantilene aus der elften Orgelsonate sang sich mühelos durch den Raum, ehe es spielerischer wurde: Gordon Balch Nevins Will O’ The Wisp flackerte als koboldhafte Scherzo-Toccatina über die Manuale, Henry Smarts Festive March gab dem Abend eine feierliche Pointe. Mit seinen eigenen Zwei romantischen Skizzen trat der Improvisator dann selbst als Komponist hervor – ernst, zweiteilig, klanglich neugierig –, und Gades festliches Präludium über „Lobet den Herren” leitete, mit fragend tastendem Impuls eröffnet, zum großen Schluss über.
So wie die Literatur ihre Preise für die schönsten „ersten Sätze“ vergibt – jenen einen Satz, der ein ganzes Werk in sich trägt -, schien Markuszewski seine besondere Aufmerksamkeit den Enden zu schenken. Immer wieder war es der Ausklang, in dem sich seine Erzählkunst verdichtete: mal löste er ein Stück spielerisch leicht auf, als zerstreute der Wind die letzten Noten; mal setzte er einen fast frivolen, augenzwinkernden Schlusspunkt. Solche Schlüsse sind heikel, sie können verpuffen; hier aber waren sie durchweg gesetzt, mit jenem Gespür für Timing und Pointe, das man eher der Bühne als der Empore zutraut.
Dass dieser Sinn für Dramaturgie auch das große Format beherrscht, bewies das Finale mit César Franck. Dem innig singenden Cantabile folgte die Pièce Héroïque – und hier zeigte der Organist, wie sehr er mit Klängen zu spielen weiß: aus leisem, beinahe bedrohlich anschwellendem Grund baute sich die heroische Steigerung auf, bis die volle Orgel das Schiff von St. Christophorus füllte. Ein Schluss, der die Leichtigkeit des Abends krönte.
Man verließ die Kirche bestens unterhalten und mit der angenehmen Gewissheit, dass die Orgel, dieses Instrument der großen Gesten, durchaus zu Heiterkeit, Witz und feiner Pointe fähig ist, wenn ein Meister wie Markuszewski am Spieltisch sitzt.
Man darf gespannt sein, womit Musica Sacra Westfalica die Reihe fortsetzt: Am 20. September gastiert die Altistin Kerstin Auerbach mit Vivaldis Stabat Mater, am 27. September zündet Felix Hell, Weltstar aus New York, ein orgelsinfonisches Feuerwerk.





















