Werne. Sie ist ein, wenn nicht das Gesicht des Booms der TV Werne Leichtathletik-Abteilung in den vergangenen Jahren: Petra Nagel. Nun hat sie zum 30. September ihren Rücktritt als Trainerin und Jugendwartin erklärt – aus persönlichen Gründen.
„Bei mir heißt es immer: ganz oder gar nicht“, erzählt die 60-Jährige im Gespräch mit WERNEplus. Sie ziehe es nun immer für mehrere Monate in den Süden. Fuerteventura ist das Ziel der Träume. Petra Nagel tauscht die Kunststofflaufbahn gegen den Sandstrand. „Wir wollen noch mal was anderes machen, ein anderes Lebensmodell ausprobieren“, sagt sie.
Als sie vor rund 20 Jahren ihr Engagement als Trainerin startete, waren die Leichtathleten im TV Werne eine eher überschaubare Gruppe. Daraus entstand eine moderne und leistungsstarke Abteilung mit inzwischen fast 200 aktiven Sportlerinnen und Sportlern in allen Altersklassen – mit zahlreichen Erfolgen weit über Westfalen hinaus.
Im Alter von sieben Jahren begann sie selbst mit der Leichtathletik beim TV Lengerich, später in Hamm. Nagel startete selbst bei Länderkämpfen und der Mehrkampf-DM. Im Weitsprung gewann sie mit einer Weite von 5,81 Metern einst den Westfalenmeistertitel. Ihre Tochter landete später auch bei der Leichtathletik, so dass die Mama den Trainerschein machte. Sie blieb, Tabea entschied sich genauso wie ihre Brüder Rouven und Aaron für den Schwimmsport. Alle drei qualifizierten sich für Deutsche Meisterschaften. Rouven Nagel holte 2015 zweimal Staffel-Silber mit der SG Dortmund.

Ihr Wirken in der TV-Leichtathletikabteilung beschränkte sich keineswegs auf ihre offiziellen Aufgaben als Trainerin und Sportwartin. Ob Sichtungen in Schulen, die jährliche Aktion „Scheine für Vereine“, die Organisation und Unterstützung beim Werner Stadtlauf, Wettkämpfe, Trainingslager, Freizeitaktivitäten ihrer Trainingsgruppen oder Weihnachtsfeiern – „Petra Nagel war stets zur Stelle, wenn Hilfe benötigt wurde“, würdigt sie auch Abteilungsleiter Uwe Dihr, der von einer Ära spricht, die zuende gegangen sei.
Außerdem kümmerte sie sich um die Anmeldung erfolgreicher Athletinnen, Athleten und Mannschaften zur jährlichen Sportlerehrung im Kolpingsaal, organisierte die Beschaffung von Sportgeräten, suchte Sponsoren für größere Anschaffungen und engagierte sich bei der Sanierung der Sportanlage im Dahl. „Viele Aufgaben, die oft im Hintergrund ablaufen, wurden durch ihr Engagement überhaupt erst möglich gemacht“, so Dihr weiter.
TV Werne 03 verabschiedet Petra Nagel
Eigentlich sollte es für Petra Nagel kurz vor dem Flug in den Süden ein ganz gewöhnlicher Abend werden. Gemeinsam mit ihrer Familie war sie auf dem Weg zum Essen. Doch ihr eingeweihter Ehemann Roland hatte andere Pläne: Statt zum Restaurant steuerte er das Auto zur Sportanlage im Dahl. Dort erwartete sie eine große Überraschung. Rund 80 Aktive, Trainerkollegen, Vorstandsmitglieder und Eltern hatten sich versammelt und bildeten ein Spalier, um einer Frau Danke zu sagen, die die Leichtathletik des TV Werne 03 über viele Jahre hinweg maßgeblich geprägt hat.

In vielen Gesprächen wurden Erinnerungen ausgetauscht und Geschichten aus nahezu zwei Jahrzehnten Vereinsleben erzählt. „Der TV Werne 03 bedankt sich herzlich für das außergewöhnliche Engagement, die Verlässlichkeit und die Leidenschaft, mit der Petra Nagel die Leichtathletik in Werne geprägt hat. Sie hat Generationen von jungen Sportlerinnen und Sportlern begleitet, gefördert und begeistert und dabei weit mehr hinterlassen als sportliche Erfolge“, lobte Uwe Dihr.

Kampfrichterin statt Trainerin?
Den Schlussstrich unter die aktive Trainerarbeit hat sie gezogen. „Es ist jetzt auch einfach mal schön, keine Termine mehr zu haben“, betont sie. Die mehrmonatigen Aufenthalte auf den Kanaren und die bevorstehende Geburts des dritten Enkelkindes genießen jetzt Priorität. Für die von ihr zuletzt intensiv betreuten drei Trainingsgruppen wurde die Nachfolge intern geregelt.
Und ob Petra Nagel irgendwann doch wieder auf die Sportanlage im Dahl zurückkehrt? Diese Frage ließ sie an ihrem Abschiedsabend offen, der TV Werne würde sich nach eigener Aussage über ein Comeback sehr wünschen. „Vielleicht komme ich in fünf Jahren als Kampfrichterin zurück“, sagt die Erfolgstrainerin, die auch weit über 15 Jahre als Sportabzeichenprüferin für den Stadtsportverband aktiv war.




















