Werne. Am Freitag, 7. August, beginnt für den Werner SC die Saison 2026/2027 in der Fußball-Landesliga (4). Für Pascal Harder geht es in seine zweite Saison als Trainer der Blau-Roten. Und diese dürfte noch einmal deutlich anspruchsvoller werden.
Gleich zum Auftakt wartet das sehr schwere Auswärtsspiel beim SV Dorsten-Hardt (20 Uhr, Storchsbaumstraße 59), gefolgt von der Heimpremiere im Lindert gegen den VfL Senden (Sonntag, 16. August, 15 Uhr).
Direkt nach der Generalprobe beim Westfalenligisten SpVg Hagen 1911 zog der 38-Jährige seine Vorbereitungsbilanz und blickte voraus auf die neue Spielzeit in der 17er-Liga, in der es vier Absteiger geben wird. WERNEplus-Sportredakteur Rainer Gudra sprach mit dem WSC-Trainer.
Herr Harder, mit der Leistung ihrer Mannschaft im vorletzten Test waren sie alles andere als zufrieden und sprachen nach der 2:5-Niederlage beim Bezirksligisten Mengede 08/20 von mangelnder Einstellung. Keine 72 Stunden später gab’s in Hagen zwar eine weitere Niederlage (1:4), aber anschließend einen deutlich entspannteren Trainer, oder?
Einstellungstechnisch hatte mir das in Mengede nicht gefallen, weil die Jungs einem das negative Gefühl gaben: Okay, das machen wir mal eben so. Und das reicht nun einmal nicht. Ich erwarte einfach, egal aus welcher Liga der Gegner kommt, dass sie immer diese 100 Prozent geben. Unter dem Strich will sich jeder Spieler weiter entwickeln, und das macht er nur, wenn er in jedem Spiel Vollgas gibt. Danach war das von der ersten Minute an sehr ordentlich. Wir hatten jetzt nicht die Möglichkeiten, groß zu wechseln, weil wir immer noch einige Urlauber haben. Und das Ergebnis war am Ende ein bisschen zu hoch. Wir haben es gegen einen klassenhöheren Gegner gut wegverteidigt, haben versucht, gut Fußball zu spielen, haben uns viel bewegt und versucht, das umzusetzen, was ich vorgegeben habe – und damit war ich sehr zufrieden.
Ihre Mannschaft ließ gegen den klassenhöheren Gegner jedoch ein gutes halbes Dutzend bester Torchancen liegen. Fehlt es vorne an Qualität?
Nein, man muss die Umstände sehen: Abdi (Tim Abdinghoff, d. Red.) war wieder zwei Wochen verletzt, Jannik Prinz nicht da, und Xavier (Osayande Enakimio) hat das erste Mal in seinen sechs Wochen bei uns vorne gespielt. Bei ihm ist klar, dass er noch nicht bei 100 Prozent ist. Und Dombo (Luis Dombrowski) macht das gut, arbeitet viel, und dass ihm vor dem Tor zwei-, dreimal die Luft ausgeht und die Konzentration fehlt, gerade gegen Ende, das ist okay. Ich denke, wir sind offensiv noch einmal besser aufgestellt als im letzten Jahr, weil wir einfach die Breite haben, mit Prinz, mit Finn (Drücker). Wir haben Dombo vorne, dann die, die über außen reinziehen können mit Abdi oder mit Alessandro (Persighe). Da ist schon eine ordentliche Vielfalt an Jungs, die aufs Tor schießen und die Dinger auch wegmachen können. Ich sag‘ mal: Ab der nächsten Woche treffen die Jungs…

Wie bewerten Sie den Verlauf der Vorbereitung insgesamt?
Eher durchwachsen. Aber ich habe von anderen Trainern mitbekommen, dass es überall nicht so einfach ist. Viele Urlauber, viele Ausfälle, viele Verletzte. Oder du hast – wie ein Kollege – Spieler, die sich mal eben tätowieren lassen und deshalb zwei Wochen ausfallen, so etwas ist dann immer ärgerlich. Bei uns waren es viele Urlauber: Stöver drei Wochen weg, jetzt auch Prinz, Drücker und Martinovic, Poggenpohl ist verletzt. Die Jungs haben das gut mitgemacht, was möglich war. Wir mussten jetzt aber fast zwei Wochen das Tempo mal ein bisschen rausnehmen, weil viele Spieler muskuläre Probleme bekommen haben oder angeschlagen waren. Es geht sicher besser, aber jetzt geht die Kurve wieder nach oben.
Blick nach vorne: Die Landesliga 4 erscheint noch einmal deutlich anspruchsvoller mit Westfalenliga-Absteiger Borussia Emsdetten, mit Top-Aufsteigern wie SVE Heessen sowie gut verstärkten Herausforderern, die den Platzhirschen wie ASK Ahlen den Kampf ansagen. Wo sehen Sie ihr Team in diesem Feld?
Ich bleibe bei meiner Linie aus der vergangenen Saison: Wir wollen so schnell wie möglich so viele Punkte holen, dass wir mit unten nichts zu tun haben. Aber du kannst dich in dieser Liga nie sicher fühlen, das haben die beiden letzten Jahre gezeigt. Und das wird in dieser Saison richtig knackig, weil wir vier Absteiger haben werden. Ein Sieg kann an einem Spieltag vier oder fünf Plätze nach oben oder unteren ausmachen, da sagt der Tabellenplatz nicht so viel aus. Ich hoffe auf einen gesicherten Mittelfeldplatz, aber am Ende ist wichtig, dass wir über dem Strich stehen.

Es wird bestimmt kuschelig. Gibt es trotz der zu erwartenden Enge in der Liga einen Favoritenkreis?
Ich glaube, der ASK Ahlen wird da eine gute Rolle spielen, ansonsten war das in der vergangenen Saison sehr schwankend. Es werden sich wohl erst zum Ende hin wieder zwei, drei Mannschaften herauskristallisieren. Ich habe zwar gesagt, dass Geld keine Tore schießt, was ich auch immer noch finde. Aber Ahlen hat sich schon sehr gut verstärkt und hat einige gute Zocker drin.
Dennoch muss die Ansammlung von Individualisten am Ende als Mannschaft funktionieren. Daran ist es in Ahlen nicht zum ersten Mal gescheitert.
Ich kenne das aus eigener Erfahrung: Wenn du Vereine hast, zu denen gute Jungs geholt werden aus vielen verschiedenen Regionen, die etwas weiter fahren müssen, da fehlt einfach das Kabinenleben, wie wir es zum Beispiel haben. Auch viele Vereine im Münsteraner Raum leben das, weil sie – ohne das böse zu meinen – Dorfmannschaften sind. Die kennen sich von klein auf, das sind alles Freunde, das ist noch einmal etwas ganz anderes. Dann brennst du auch füreinander auf dem Platz – anders, als wenn einer von da kommt und ein anderer von dort. Da fehlt dann der Bezug und das Gefühl, ich kämpfe für den Kollegen unbedingt mal mit. Obwohl wir so viele Jungs jetzt dazugeholt haben, haben wir bereits einen super Zusammenhalt. Für Xavier Osayande Enakimio ist es zum Beispiel nicht einfach, jetzt aus Kanada zu kommen und hier zu spielen. Aber die Jungs haben ihn toll aufgenommen, sind mit ihm schon feiern gewesen, helfen ihm und machen viel für ihn. Das zeigt, wie gut die Chemie in der Truppe ist. Ich kenne wenige Mannschaften, wo es so viel Spaß macht und das Kollegiale so extrem passt wie bei uns. Das ist wirklich selten, aber das wird uns sportlich leider auch mal zum Verhängnis. Ich sage deswegen immer wieder: Wir sind eine Landesliga-Mannschaft mit Kreisliga-A-Charakter. Denn wir sind ja eigentlich schon auf einem Niveau, wo du Mitspielern gegenüber schon mal zum Arschloch oder Egoisten werden musst und die Freundschaft hinten anstellst für die vollen 100 Prozent Erfolg, statt mit denen lieber ein Bier zu trinken.
Hat Ihre Mannschaft neben dem Wohlfühlklima auch ein Wohlfühlsystem?
Für den, der unsere Spiele schaut, ist es ja jetzt kein Geheimnis, dass wir oft im 4-2-3-1 oder mal 4-4-2 unterwegs sind. Aber wir sind darüber hinaus schon sehr variabel. Wir hatten zum Beispiel in der vergangenen Saison in Wettringen vier verschiedene Systeme in der ersten Halbzeit, bis wir uns auf den Gegner eingestellt hatten. Ich versuche das immer so simpel zu halten, wie es eben geht, aber wir haben schon zwei, drei Dinge eingebaut. Es hängt letztlich auch davon ab, wer dir zur Verfügung steht. Wir wollen einen Spielstil entwickeln, der für uns charakteristisch ist und bei dem man sieht, dass die Jungs sich weiterentwickeln. Es dauert noch, aber wir arbeiten dran.
Wie sieht Ihr Blick auf den Saisonstart am Freitag aus?
Es wird eklig, es wird schwer. Wir haben in Dorsten im Rückspiel in der 98. Minute das 2:2 gekriegt. Dieses Mal würde ich gerne mit drei Punkten nach Hause fahren. Aber: Wenn mir einer sagt, ihr könnt einen Punkt safe mitnehmen, dann würde ich das auch unterschreiben.





















