Werne. Fünf Tage nach dem ersten Dreier der Saison hat Fußball-Landesligist Werner SC nachgelegt: Beim neuen Schlusslicht Westfalia Gemen siegte das Team von Pascal Harder am späten Freitagabend mit 4:1 (1:1) und hält engsten Kontakt zum Mittelfeld – besonders wichtig, denn am Sonntag legten mit Senden, Münster 08, Ibbenbüren und Lembeck vier Tabellennachbarn punktemäßig nach.
Nach dem 6:2 im Kreispokal-Achtelfinale beim Bezirksligisten Wacker Mecklenbeck und dem erlösenden 3:1 in der Liga gegen Stadtlohn war es vor 150 Zuschauern an der Jugendburg der dritte Pflichtspielsieg in Folge für den WSC. Dass diese Serie ausgebaut werden kann, ist eher fraglich, denn am Donnerstag, 29. Oktober, empfängt der Sport Club im Pokal-Viertelfinale als Außenseiter den Oberligisten Westfalia Kinderhaus. Gespielt wird – wegen der Erneuerung des Kunstrasens im Lindert – ab 20 Uhr im Dahl.
„Ich klammere den Donnerstag einmal aus, ich sehe da jetzt keine Riesenchance für uns. Aber ich hoffe, die Serie hält danach in der Liga noch ein bisschen an“, sagt Harder – und blickt damit voraus auf das nächste Punktspiel seines Teams am Sonntag, 8. November, bei der SpVg Emsdetten 05 (14.30 Uhr). Dann ist nach seiner langen Rotsperre auch Luis Dombrowski wieder dabei. „Der freut sich, dass er wieder zocken darf. Wenn er gegen Emsdetten auf dem Platz steht, dann brennt er“, sagt Harder über den Angreifer, der auch im Pokal gegen Kinderhaus auflaufen darf.
Dennoch ergibt sich für diese Partie eine riesige Lücke im Kader: Neben den Trainer-Brüdern Pascal und René Harder sowie den verletzten Nico Holtmann und Zoran Martinovic fehlen Leon Becker, Henry Poggenpohl, Marvin Stöver, Jonas Woitaschek und Henrik Pollak wegen eines frühzeitig gebuchten Wochenend-Trips. „Wir haben ja alle gedacht, es ist spielfrei“, nennt der Trainer den Grund. Gänzlich egal ist Harder die Partie gegen Kinderhaus aber nicht: Er bittet seine Jungs am Sim-Jü-Dienstag nun doch zum Training. Am Spieltag übernehmen der zweite „Co“, Justin Hermeier, und Geschäftsführer Marc Dittloff das Coaching.
In Gemen übernahm der Sport Club bei kräftigem Wind und Regen gleich das Kommando und ging in der 5. Minute durch Jannik Prinz in Führung, der – von Leon Becker mit einem feinen Pass freigespielt – Torhüter Lennart Dillhage mit einem Flachschuss ins lange Eck keine Chance ließ. Der Ausgleich fiel in eine Phase, „in der wir wieder so für zehn, 15 Minuten den Faden verloren haben“, wie Harder meinte. Alexander Bilski versenkte einen Freistoß zum 1:1 (38.). Das schockte den WSC aber nicht. „Der Sieg gegen Stadtlohn hat vieles leichter gemacht, man macht sich nicht mehr so viel Gedanken vor dem Tor und überlegt jetzt nicht mehr bei jedem Pass oder jedem Torschuss zwei-, dreimal“, sagt Harder: „Das bringt eine gewisse Leichtigkeit.“
Das 2:1 für den Sport Club: ein Dreiakter mit Happy End. Teil eins: Prinz marschierte in Richtung Tor und wurde von Tim Winking gefoult. Schiedsrichterin Nina Werthschulte zeigte dem Gemener Kapitän für die Notbremse die Rote Karte. Teil zwei: Mit dem folgenden Freistoß aus 22 Metern zentral vor dem Tor traf Jonas Pettendrup über die Vier-Mann-Mauer hinweg sehenswert links oben in den Winkel. Aber der Treffer zählte nicht, denn der böige Wind hatte den Ball bei der Ausführung in Bewegung gesetzt. Teil drei: Bei der Wiederholung stellten die Gastgeber einen Mann auf die Torlinie, um die bedrohte Ecke abzusichern. Das aber nutzten die Werner clever. Zwei Spieler positionierten sich vor Dillhage, zogen ihre Verteidiger mit und nahmen dem Keeper so die Sicht. Pettendrup schoss nun flach unten rechts in die Torwartecke, Lachowicz irritierte den Schlussmann mit einem Hüpfer – der Sport Club hatte seine Führung zurück (54.).
„Im Training machen wir sowas nicht. Ich weiß nicht, ob ihm auf dem Platz noch jemand was gesagt hat, aber das Tor muss man der fußballerischen Intelligenz von Pette zuschreiben, dass der da unten reingeht. Ich kenne wenige Spieler, die in so jungen Jahren eine solche Situation so gut erkennen“, freute sich Harder über die Aktion des 22-jährigen Innenverteidigers.
Der Sport Club nutzte fortan seine Überzahl, und für die Tore zum 3:1und 4:1 sorgten mit Tim Abdinghoff und Xavier Enakimio zwei Joker. Auffällig: Enakimio hatte vor beiden Treffern Torhüter Maurice Mecking, der den verletzten Dillhage ab der 62. Minute ersetzen musste, durch entschlossenes Anlaufen dazu gezwungen, den Ball ins Seitenaus zu kicken. Kurz nach den jeweiligen Einwürfen traf zunächst Abdinghoff nach einem klugen Querpass von Daniel Durkalic ins leere Tor (84.), dann setzte Enakimio auf Zuspiel von Stöver den Schlusspunkt (90.+7). Harder: „Nach dem Torwartwechsel haben wir den vermehrt angelaufen, weil der kalt war, die gegen den Wind spielten und einer weniger waren. Wir wollten Druck ausüben, damit er keinen kontrollierten Ball spielen kann.“ Alles in allem also genügend Gesprächsstoff für einen feucht-fröhlichen Zug über die Sim-Jü-Kirmes…
Werner SC: Jan Pettendrup – Stöver, Linnemann, Jonas Pettendrup, Poggenpohl (55. Woitaschek) – Lachowicz (76. Enakimio), Becker – Prinz, Kleimann, Persighe (60. Abdinghoff) – Thannheiser (70. Durkalic)
Tore: 0:1 Prinz (5.), 1:1 Bilski (38.), 1:2 Jonas Pettendrup (54.), 1:3 Abdinghoff (84.), 1:4 Enakimio (90.+7)
Bes. Vork.: Rot für Winking (Gemen, 53., Notbremse)

















