Werne. Ungewohnt scharf hat Michael Zurhorst, Vorsitzender der Wirtschaftsgemeinschaft „Wir für Werne“ (WfW), während der Mitgliederversammlung am Montag (07.09.2026) bei Ickhorn die Stadtverwaltung um Bürgermeister Lars Hübchen kritisiert.
Er sei „desillusioniert“, ihm fehle von der Verwaltung eine „Vision“, um die Wirtschaft in der Stadt wieder nach vorne zu bringen. „Fünf Jahre ist der Bürgerentscheid jetzt her und wir haben immer noch keine neuen Gewerbeflächen“, kritisierte der ehemalige Ratsherr und Ausschussvorsitzender. Die Erweiterung von RCS sei dagegen eine Pflichtaufgabe gewesen, keine Kür, legte er nach.
Viele namhafte Persönlichkeiten aus der Wirtschaft hätten sich zurückgezogen statt sich weiter zu engagieren, sie fühlten sich nicht wertgeschätzt. „Das gibt zu denken und deshalb höre ich auf“, kündigte der Vorsitzende gleich in seiner Begrüßung an, sich im nächsten Jahr nicht mehr zur Wahl zu stellen.
Bürgermeister Lars Hübchen hörte diese Worte, denn er war als Gast eingeladen, um über die „finanzielle Lage der Stadt Werne“ zu sprechen. Diese sei „besorgniserregend“, durch die Erhöhung der Kreisumlage kämen noch einmal 1,9 Millionen Euro oben drauf. „Das frisst Spielräume auf“, betonte er.
In seinem Vortrag widmete sich Lars Hübchen dem Thema Wirtschaft. Priorität habe eine lokales Gewerbegebiet, der Weg dorthin sei aber nicht ganz einfach. Ins Visier genommene Flächen hätten oft gleich mehrere Eigentümer, eine schlechte Verkehrsanbindung oder Höhenversätze. „Wir machen unsere Hausaufgaben und haben einen klaren Fahrplan, doch das ist noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt“, antwortete das Stadtoberhaupt auf die Forderung nach mehr Tempo.
Als Kooperationsstandort hat die Verwaltung eine Fläche südlich des Autohofes wieder wie berichtet ins Visier genommen. Das durch den Bürgerentscheid 2021 abgelehnte Areal erneut zu prüfen, bezeichnete Lars Hübchen als „verrückt“. Dieses würde „alte Wunden wieder öffnen“.
In Sachen Innenstadtentwicklung wolle man „mehr PS auf die Straße bringen“. Der Bürgermeister versicherte: „Das müssen wir und das werden wir.“ Doch die Stadt sei nicht der einzige Akteur und vor allem nicht der bedeutendste. Der ebenfalls anwesende Wirtschaftsförderer Matthias Stiller skizzierte die komplizierte Situation im Stadtkern: „Wir haben viele Anfragen – auch von namhaften Bekleidern oder Gastronomen, aber wir haben nicht die richtigen Objekte.“ In der Bonenstraße seien Gebäude mit großen Flächen vorhanden, doch viele seien nicht vermittlungsfähig, weil der Investitionsbedarf im sechsstelligen Bereich liege. „Wir scheitern immer wieder an den Immobilienbesitzern.“

Eine Signalwirkung könnte die Entwicklung des von der Stadt für 1 Million Euro erworbenen sogenannten Hühnerhofes haben. Doch die liegt aktuell auf Eis, weil finanzielle Mittel für die archäologische Untersuchung fehlen.
„Wir wollen den richtigen Investoren anlocken, die der Innenstadt helfen. Nicht immer ist der erste Vorschlag auch der beste“, entgegnete der Bürgermeister der Forderung nach mehr Schnelligkeit, die Kristina Gößl vom benachbarten Sportgeschäft vorbrachte. „Werne ist doch gar nicht bereit für die Surfworld, wenn wir im Winter eins der wenigen Geschäfte sind, wo noch Licht brennt. Schnelligkeit ist schon ein Faktor“, verteidigte die Juniorchefin ihren Vorschlag mit Blick auf die vielen Leerstände in der Bonenstraße.
In der weiteren Diskussion kritisierte noch einmal der scheidende Vorsitzende Zurhorst, dass eine Anbindung des Solebads an die Innenstadt nie erfolgt sei.
Für Bürgermeister Lars Hübchen und sein Team brachte die Einladung von „Wir für Werne“ an diesem Abend jede Menge Einträge ins Hausaufgabenheft.





















